Bernstein - Begehrt und teuer wie noch nie

29.03.15

Bernstein ist in den letzten Jahren sehr gesucht und daher zurzeit so teuer wie noch nie. Forciert wurde diese Entwicklung in erster Linie durch eine anhaltend hohe Nachfrage aus Fernost. Händler sprechen zudem von einer Verknappung auf dem Markt für Rohbernstein. Zunehmend interessieren sich Chinesen und Japaner für das Gold aus der Ostsee. Ihnen gefällt Bernstein in verarbeiteter Form für Modeschmuck, und in seiner Rohform gilt er als eine sehr gute Geldanlage. Ein großes Kaufinteresse gibt es ebenfalls im arabischen Raum, wo Gebetsketten aus Bernsteinperlen reißenden Absatz finden.
Jahrhundertelang hatte das fossile Baumharz in seinen verschiedenen Erscheinungsformen einen verlässlichen Wert. Ein Kilogramm Rohbernstein von sehr guter Qualität kostete Ende der 90er Jahre 300 bis 400 D-Mark. Dann aber stiegen die Preise kontinuierlich an. Seit etwa zwei Jahren schießen sie steil in die Höhe. Und ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Im Herbst 2013 kostete ein Kilogramm Rohbernstein noch 500 bis 800 Euro. Für Exemplare von der Mindestgröße einer Faust lag der Preis in Deutschland je nach Qualität bei mindestens zwei Euro pro Gramm. Mittlerweile zahlen gewerbliche Einkäufer für eines der seltenen mindestens faustgroßen Exemplare fünf Euro pro Gramm, also 1500 Euro für ein Exemplar von 300 Gramm Gewicht. Beim Weiterverkauf an private Kunden liegt der Preis bei sechs Euro, jedoch bei bis zu zehn Euro pro Gramm für sehr große Exemplare von guter Qualität. Welche Summen einzelne Endabnehmer letztendlich aufzubringen bereit sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Ähnlich stark gestiegen ist auch der Preis für seltene Inklusen, also Bernstein mit eingeschlossenen Insekten und Pflanzenteilen.
Weltweit sind 200 Bernsteinvorkommen bekannt, aber nirgendwo gibt es so ausgedehnte Lagerstätten wie an der baltischen Ostseeküste. Bei Palmnicken [Jantarny] in der russischen Exklave Königsberg lagern rund 90 Prozent aller Bernsteinvorkommen weltweit. Geologen schätzen die an der Küste des Samlands vorhandene Menge auf 300000 Tonnen. Seit 2002 ist der russische Staat als Gesellschafter am Bernsteinkombinat beteiligt, das als Betreiber des Tagebaus in Palmnicken ein Monopol für den Vertrieb des Bernsteins besitzt. Seit Oktober 2013 verkauft das Bernsteinkombinat kaum noch Rohware ins Ausland. Kürzlich wurden auch Klagen der Königsberger Bern-steinjuweliere über eine stark rückläufige Belieferung mit Rohstoff durch das Kombinat bekannt. Die Regierung des Königsberger Gebiets begründete dies mit der Behauptung, die Unternehmer hätten den Rohbernstein bisher hauptsächlich ins Ausland weiterverkauft, was man offenbar unterbinden will. In den Königsberger Juwelierläden ist Rohbernstein schon seit Jahren teurer als in der Bundesrepublik Deutschland. Für ein 250 Gramm schweres Exemplar werden rund 150000 Rubel verlangt, was derzeit etwa 2000 Euro entspricht. Zu den offiziellen Lieferanten der Juweliere zählen auch Bernsteintaucher und -sammler mit einer gewerblichen Lizenz. Sie erhalten vom Erlös weniger als die Hälfte. Weiterhin gelangen große Mengen von Bernstein illegal über die Grenzen ins übrige Europa. Viele Fäden laufen in Danzig zusammen. Die Regionalzeitung „Nowye Koljosa“ meldete 2012, jährlich würden rund 500 Tonnen Rohbernstein aus dem Raum Königsberg über die Grenzen verschoben. Der Bernstein stammt aus unterschiedlichen Quellen, ein Teil davon aus illegaler Förderung vor Ort, die trotz angedrohter drakonischer Strafen weiterhin stattfindet.    Dagmar Jestrzemski


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