Bestens dressiert

Warum Altmaier bei dem Mädel abblitzte, warum die CO2-Steuer bald Junge kriegt, und wieso die Deutschen da mitmachen/ Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel

21.09.19

Der arme Peter Altmaier. Im Schweiße seines Angesichts hat unser Bundeswirtschaftsminister alles versucht, der 22-jährigen Berliner „Klima-Aktivistin“ Leonie Bremer bei „Hart aber fair“ darzulegen, was er alles zur Weltrettung leistet. Er fahre sogar mit dem Rad in Berlin umher, gelegentlich „auch ins Ministerium“. Und zum Essen mit Bekannten gebe es bei ihm nicht mehr wie früher Rinderfilet, sondern Geflügel.
Da kann der Nordpol doch gar nicht anders, als vor Rührung und Dankbarkeit wieder zuzufrieren, möchte man meinen. Ja, die Arktis mag so nett sein. Leonie Bremer von „Fridays for Future“ aber macht keine Gefangenen. Sie will erst Ruhe geben, wenn das „Klimakabinett unsere Forderungen umsetzt“. Und zwar alle, basta. Auch SPD-Mann Matthias Miersch konnte sich in der Sendung noch so tief in den Staub werfen. Das strenge Fräulein Bremer gab keinen Millimeter nach.
Wie sollte sie auch? Die Klimakämpferin ist das Inbild einer jugendlichen Fanatikerin, wie es sie zu allen Zeiten der Geschichte immer mal wieder gab. Manchmal sehen sie sich sogar verblüffend ähnlich. Wäre Bremer keine Greta-Jüngerin sondern eine Vertreterin der Jungen Alternative, hätten die Medien sich mit Wonne auf ihre streng geflochtene Haartracht gestürzt, „AfD-Mädel im BDM-Look bei Plasberg“ gejohlt und festgehalten, dass man schon an der Frisur erkenne, aus welch dunkler Höhle diese Frau ihre Weisheiten gefördert habe.
Na ja, das ist dann wie bei Herbert Grönemeyers Sportpalast-Anfall neulich in Wien: Wenn die Richtung stimmt, übersieht man gerne so dies und das. So war es auch nicht weiter wild, als bei Plasberg der Sportsegler Boris Herrmann, auf dessen Jacht Greta Thunberg ihren Atlantik-Törn nach New York absolviert hat, mit einer ärgerlichen Frage konfrontiert wurde. Etliche der Crewmitglieder seien per Flugzeug nach Europa zurückgekehrt. Wie denn das mit dem „Klimaschutz“ zu vereinbaren sei.
Ach, meinte Herrmann, „niemand kann heute allein hundertprozentig nachhaltig leben“. Wunderbar! Mit der Ausrede können wir jede noch so heftige Heuchelei „klimaneutral“ verpacken. Sind wir nicht alle kleine Sünderlein? Und ist nicht in Wahrheit die Gesellschaft an allem schuld? Genau: „Was wir brauchen, ist eine gute Politik“, fordert Herrmann bei „Hart aber fair“. Man könnte auch sagen: Wir sind willig, sofern man uns zwingt.
Da sind wir auf gutem Wege, denn endlich geht’s zur Sache. Das „Klimakabinett“ ist einen weiteren Schritt zu unserer Erlösung von unseren Sünden gegangen. Der Weg ist ganz einfach und führt uns weit zurück in eine selige Vergangenheit.
Es gab nämlich Zeiten, da wurden einfache Landarbeiter gar nicht oder kaum mit Geld bezahlt, sondern mit dem „Deputat“. Das waren Sachzuteilungen an Kleidung und Nahrung. Diese glücklichen Menschen konnten gar nichts falsch machen bei der Entscheidung, was sie aßen und anzogen. Das entschieden ja andere für sie.
Dann kam, historisch gesehen, das Geldgehalt und mit ihm die Verheerungen der „freien Entscheidung“.
Das müssen wir rückgängig machen. Daher sinnen die regierenden und indirekt mitregierenden Parteien seit Jahren darüber nach, wie sie uns das Geld wieder abnehmen können. Schon zahlen wir die zweithöchsten Strompreise der Welt (nach Dänemark) und vermutlich bald die höchsten, wenn die CO2-Steuer da ist.
Praktischerweise wissen die Experten schon heute, dass auch diese Steuer klimatechnisch gesehen vollkommen verpuffen wird. Da dies hundertprozentig vorhersehbar ist, können wir heute schon sagen, was uns erwartet. Ganz zerknirscht werden die Verantwortlichen feststellen, „dass die getroffenen Maßnahmen leider nicht ausreichen, um einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, weshalb zusätzliche gesamtgesellschaftliche Anstrengungen zur Erreichung der Klimaziele unausweichlich sind“. Dann kann die nächste Runde von Zusatzsteuern eingeläutet werden.
Damit die Leute nicht unwirsch auf ihre planvolle Plünderung reagieren, werden Schlaftabletten verteilt. Etwa in Form der Behauptung, alles werde „sozial verträglich“ organisiert. Aha? Die Zusatzkosten sollen die Leute doch dazu bringen, ihren Energieverbrauch zu „überdenken“, also zu vermindern. Wenn die breite Masse wegen des „sozialen Ausgleichs“ von den Belastungen aber gar nichts spürt, warum sollten sie dann irgendetwas vermindern? Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Oder genauer: Sie springt aus dem Sack. Denn dieser „soziale“ Weichmacher bringt ans Licht, dass es gar nicht um „Klimaschutz“ geht, sondern ums Geldeinsacken.
Das macht aber nichts, die Deutschen haben eine drei Jahrzehnte lange „Klimaschutz“-Dressur durchlaufen und sind bestens für alle weiteren Zumutungen abgerichtet. Diese Dressur umfasste indes bei Weitem nicht bloß das Klima-Thema, sondern eigentlich alle neuralgischen Punkte.
Die Deutschen, die einst zu Tode erschrocken aus dem NS-Wahn erwacht sind und später auch die rote Diktatur abgeschüttelt haben, müssten eigentlich ein besonderes Sensorium besitzen für den Fall, dass sie erneut an der Nase herumgeführt werden. Haben sie aber nicht, sonst würden sich Medienleute nicht Sachen erlauben wie diese:
„Focus online“ berichtet, der Chef der italienischen Lega-Partei Matteo Salvini habe zur Zeitung „Il Giornale“ gesagt, „die (sozialdemokratische Partei) PD steht im Dienst fremder Länder, sie glauben, dass wir alle Riesenschafe und Sklaven sind, die nur auf das warten, was Brüssel und Paris sagen“. Harte Worte, allerdings.
Aber, so „Focus online“, Salvinis Worte „relativieren sich“, wenn man bedenke, dass „Il Giornale“ vor drei Jahren eine Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ seiner Wochenend-Ausgabe beigelegt habe. Außerdem habe das Blatt ein Jahr zuvor ein Werk über Mussolini mit der Zeitung versendet.
Also, der Reihe nach: Eine aktuelle Äußerung von Salvini „relativiert sich“, weil die Zeitung, die diese Äußerung zitiert, vor Jahren historische Texte von und über Hitler und Mussolini veröffentlicht hat? Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie jetzt vor einem Rätsel stehen, weil Sie beim besten Willen keinen Zusammenhang erkennen können.
Die Lösung des Rätsels ist nämlich einfach: Diesen Zusammenhang gibt es auch gar nicht. Es ging dem Autor lediglich darum, die Namen Salvini, Hitler und Mussolini in einen Absatz zu packen. Ja, es ist mal wieder das berüchtigte „Framing“: Der Leser soll genötigt werden, in seinem Kopf selbst Zusammenhänge herzustellen, wo keine sind. Ziel ist es, dass er die Namen Salvini, Hitler und Mussolini künftig zusammen denkt, damit Salvini als „irgendwie Nazi“ untergebracht werden kann.
Allerdings müssen wir feststellen, dass solches „Framing“ früher deutlich geschickter verhüllt wurde. Hier kommt es dermaßen platt und offensichtlich daher, dass es eigentlich jeder erkennen müsste. Tut er aber nicht. Von 93 Netzkommentaren stellen sich zwar fast alle auf Salvinis Seite, aber nur einer spielt auf das freche „Framing“ mit den beiden Diktatoren an. Sehen Sie?
Wie wir unverhüllt gelenkt werden, lässt auch „Spiegel online“ offen durchblicken. In einer Meldung am Dienstag hieß es, ein Rollstuhlfahrer aus Libyen sei in Chemnitz von einem mutmaßlichen Rechtsradikalen attackiert worden. Die Tat sei von der Polizei schon am vergangenen Sonntag gemeldet worden. Aha! Und warum meldet „Spiegel online“ das dann erst am Dienstag?
Die Antwort gibt das Organ selbst: Die Polizei habe am Sonntag noch nicht angegeben, „dass es sich bei dem Opfer um einen Rollstuhlfahrer aus Libyen handelt“. Kann bloß heißen: Wäre das Opfer Deutscher gewesen, hätte man die Sache wohl unter den Tisch fallen lassen, Begründung: „nur von regionaler Bedeutung.“


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Kommentare

Peter Siemens:
25.09.2019, 08:32 Uhr

Heute (25.) sind wir ja schlauer. Nicht nur, daß 5 Minister zeitgleich mit 4 Jets nach NYC fliegen (Hoffentlich haben sich die beiden die in einem Flieger sitzen mussten nicht zerstritten; aber genug Schampus werden sie abgekriegt haben.

Dann hätte man ja auch diese Greta und ihr Syndrom in eine separate Machine packen können. Echter Klimaschutz.

"Wenn Wahnsinn epidemisch wird, nennt man ihn Vernunft." (Quelle leider nicht parat)

Man darf nur gespannt sein, wo es noch hingeht. Zapfsäulen für die propagierten E-Karren besteuern, es gäbe noch viele Ideen.


Arnold Schacht:
24.09.2019, 20:18 Uhr

Ich habe mir die "Heilige Gretl von Schweden" (Gerald Grosz) bei der UNO angetan: "How dare you?" Es gibt 3 Möglichkeiten:

1. Die hat "komplett ein Rad ab".
2. Sie hasst verachtet die Leute vor sich und erhebt sich über sie.
3. Sie ist eine erstklassige Schauspielerin.

Mag jeder für sich entscheiden. Wer hat ihre Jugend gestohlen? Doch nicht WIR, sondern ihre Eltern, die ihr das eingeimpft haben und sie jetzt vorschicken, anstatt dass man sie einfach Kind hätte sein lassen können.

Aber wie sowas läuft, habe ich bei einer Bekannten gesehen. Sie ist in Düsseldorf der FFF-Demonstration begegnet und war (positiv) hin und weg. Dass das wohl das erste Mal in der bekannten Geschichte ist, dass Menschen für höhere Steuern/Preise und mehr Verbote demonstriert haben, hat sie von sich aus gar nicht bemerkt. Ich habe sie gefragt, wie sie es denn fände, wenn ihr Arbeitgeber ins Ausland ziehen würde und sie gleichzeitig für alles mehr bezahlen müsste. Ihr Auto dürfte sie dann auch irgendwann nicht mehr benutzen - wegen der Pflanzennahrung CO2. Das war dann alles nicht mehr so prickelnd. Aber selbst auf diese Gedanken kommen, das war irgendwie nicht möglich.

Wer hindert eigentlich die Demonstranten, ihre Lebensweise zu ändern und so zu leben wie sie fordern, aber andere in Ruhe zu lassen?


Kim Peter:
23.09.2019, 17:59 Uhr

Die "grüne" Variante ist nichts weiter, als ein "Feigenblatt" der Totalität, der zentralen NWO. Insbesondere die links/Grünen wollen, in ihrer Radikalisierung, nicht verstehen, daß sie die "nützlichen" Idioten der MachtMatrix sind. Das UNNACHHALTIGSTE System ist, nämlich, die exponentiale Krise des Schuldgeldsystems, Mutter aller "Wachstumskrisen", besonders der Umweltkrise (Konsumkrise). Mit wissenschaftlicher Sicherheit mehr als das konstruierte CO2 Syndrom. Die perfekte Illusion: ABER, knapp daneben, ist auch vorbei!


w. scholz:
23.09.2019, 17:34 Uhr

Nicht nur Fr. Bremer zeigt mit ihrer Frisur welch Geistes kind sie ist. Mir ist aufgefallen, daß auch etliche junge Aktivisten wie die Hitlerpimpfe frisiert sind.
Das kann doch kein Zufall sein, je radikaler die Einstellung um so kürzer die Haare. Je kürzer die Haare um so gläubiger, - was auch immer.


w. scholz:
23.09.2019, 17:22 Uhr

Am Mittwoch (25.9.19) will der Bürgermeister von Kressbronn den Kauf von jährlich 180 Tonnen Palmöl für die Schulheizung vom Gemeinderat genehmigen lassen. In Indonesien und Malaysia protestieren die Menschen gegen die Vernichtung ihrer Wälder für Ölpalmplantagen.
- Da will ein Bürgermeister was für die CO2-Neutralität tun und das ist auch nicht recht


Marco S.:
22.09.2019, 21:24 Uhr

Ein deutlicher Hinweis, dass es beim Klimapaket um Abzocke und nicht um`s Klima geht ist der Fakt, dass zwar der Benzinpreis angehoben wird, ein Tempolimit auf Autobahnen jedoch nicht erwähnt wird. Würde dieses nämlich kommen, würden die Einnahmen sinken, egal ob bei Benziner, Diesel oder Elektrofahrzeug.
Absolut clever ist die Idee mit dem Klimaschutz aber auf jeden Fall. Man nehme eine seit Jahrmillionen existierende Klimaschwankung (Mitte des 19. Jahrhundert Ende einer Kälteperiode, Beginn einer Warmphase - und Beginn der Wetteraufzeichnungen - Zufall?), behaupte die Erwärmung sei größtenteils durch den Menschen gemacht und denke sich Abgaben und allerlei Einschränkungen aus, welche natürlich nichts bringen. Und da es auch weiterhin immer wärmer wird, müssen wir noch mehr ausgepresst werden. Eine super Strategie, und die Generation Playstation merkt mit ihrem Halbwissen nicht, was gespielt wird. Ich sage nur, laufen lassen. Es kommen wieder Zeiten mit echten Problemen. Im übrigen sollte man Klimaschutz nicht mit Umweltschutz gleichstellen. Das eine ist Propaganda und Abzocke, das andere der natürliche Prozess eines vorausschauenden Lebewesens. Leider wird beides heute von den Klimafaschisten (bewusst) in einen Topf geworfen. Somit ist jeder Klimaleugner gleichzeitig ein Umweltzerstörer und natürlich Nazi, was sonst. Perfides Spiel, aber funktioniert einwandfrei.


Annegret Kümpel:
21.09.2019, 22:28 Uhr

Danke Herr Heckel, dazu fällt mir das ZDF Interview mit Herrn Höcke ein. "Stammt das aus "mein Kampf" oder von Herrn Höcke"? So wird Meinung gemacht wie leider in der eigenen Familie erlebbar ist. Die Spaltung der Familie und der Generationen, wie es Frau Hermann mehrfach beschrieben hat, erlebe ich derzeit und jetzt.
Ich bin 70 Jahre alt und hatte die beste Zeit in der deutschen Geschichte. Leider wird diese "gute Zeit" durch ein System zerstört, das ich nicht mehr verstehe. Vielleicht können Sie mir Klarheit verschaffen?


Siegfried Hermann:
21.09.2019, 14:11 Uhr

Sorry Herr Heckel,

in den 70zigern lachten die Bürger noch herzhaft über Satire und Witze, wo die Regierung Luft-Steuern aufs Atmen verlangen wollte.
Niemand hat das ernst genommen.

Wo ist das bitte heute noch Satire???

Wie sagte DT und Alice Weidel:
Deutschland wird von Psychos-Freaks und Idioten regiert.

Erholsames Wochenende trotz alle dem!


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