Blinde Zerstörung in grüner Idylle

Luckauer Tulpenfest und Pankower Bürgerpark wurden Opfer von Verwüstungen

28.04.19
Randalierer haben die wertvollen Statuen auf dem Sims (oben im Bild) abgerissen: Der Rosenpavillon im Pankower Bürgerpark, Aufnahme vom Sommer Bild: pa

Die Kleinstadt Luckau in der Niederlausitz gilt nicht nur wegen des historischen Altstadtkerns und einer gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer als touristischer Geheimtipp. Die malerische Gartenstadt am Rande des Spreewalds begeht in jedem Frühjahr auch ein Tulpenfest. In diesem Jahr wurde Luckau allerdings von einem ganz besonderen Pech heimgesucht.

Gut fünf Wochen vor dem traditionellen Fest gruben Diebe über Nacht aus Rabatten fast 1500 Tulpenzwiebeln aus und machten sich mit ihrer Beute davon. Vermutet wird, dass die Täter für ihren Raubzug sogar einen Anhänger mitbrachten, um die Tulpen abzutransportieren. Der Tatort war ausgerechnet der Eingangsbereich des Geländes, auf dem im Jahr 2000 Brandenburgs erste Landesgartenschau stattgefunden hat. Insgesamt richteten die unbekannten Täter bei ihrem Raubzug Mitte März einen Schaden von mehreren Tausend Euro an.
Für die Kleinstadt bahnte sich mit dem dreisten Diebstahl eine kleine Katastrophe an: „Neue Pflanzen in dieser Größenordnung zu bestellen, das hätte unser Budget gesprengt“, so eine Organisatorin des Tulpenfestes. Vor wenigen Wochen bestand somit die Gefahr, dass Tausende Besucher zu Ostern leere Blumenbeete vorfinden.
Allerdings mobilisierte der freche Tulpenklau unter den Bürgern der Stadt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Unter dem Motto „Tulpen für Luckau“ wurde ein Spendenaufruf gestartet, der auf eine bemerkenswerte Resonanz traf. Maja Jentsch, die Chefin des Gartengeländes, berichtete von Spendern, die sogar im eigenen Garten Blumenzwiebeln ausgruben, um sie zum Gelände der ehemaligen Landesgartenausstellung zu bringen.
Andere überwiesen Geld, damit neue Tulpenzwiebeln beschafft werden können. Eine örtliche Konditorei kreierte eigens ein Tulpen-Törtchen und spendete den Erlös. Am Ende führte das Engagement von Bürgern, Vereinen und Firmen zum Erfolg. Die Bepflanzung der leergeräumten Rabatten konnte noch rechtzeitig wiederholt werden. Wie geplant konnte das Luckauer Tulpenfest zum Osterfest beginnen.
Im Fall einer Berliner Parkanlage steht ein vergleichbar glückliches Ende noch aus. Auch im Pankower Bürgerpark haben bislang unbekannte Täter Anfang April eine Spur der Verwüstung hinterlassen. In den Nachtstunden des Wochenendes vom 5. bis 7. April rissen die Täter unter anderem zwei Engelsfiguren von ihren sechs Meter hohen Sockeln auf dem Dach eines Rosenpavillons. Die Figuren landeten zunächst auf dem Dach des Pavillons, dann auf dem Boden und anschließend in der vorbeifließenden Panke.
Beide Plastiken sind dabei vermutlich so stark beschädigt worden, dass sie nicht mehr zu reparieren sind. Die sinnlose Aktion richtete zudem auch am Dach des historischen Gebäudes Schaden an. Das Gebäude wird derzeit restauriert, nachdem es immer wieder mit Graffiti beschmiert worden war. Die Randalierer beschädigten zudem auch die Sandsteinsäulen des Pavillons und demolierten obendrein noch mehrere handgefertigte Parkbänke. Die Zerstörungswut der Täter richtete sich schließlich auch noch gegen das Ziegengehege eines Kleintierzoos. Die Polizei beziffert den Schaden, den die Unbekannten anrichteten, auf insgesamt mindestens 50000 Euro.
Bei der Pflege und Entwicklung des Parks hat in den vergangenen Jahren der Bürgerpark-Verein Pankow eine wichtige Rolle gespielt. Christian Friedrich, der Vorsitzende des Vereins, kommentierte die Verwüstungen: „Natürlich tut es da umso mehr weh, zu sehen, wenn solche schönen und wertvollen Figuren sinnlos zerstört werden. Das muss in Zukunft verhindert werden.“
Anwohner fürchten schon seit längerer Zeit, dass der Pankower Bürgerpark eine Entwicklung nimmt, wie sie bereits im Mauerpark oder im Görlitzer Park („Görli“) zu beobachten ist. Tatsächlich macht sich in der Pankower Parkanlage bereits seit dem Jahr 2015 zunehmend eine Drogenszene breit. Insbesondere im Westteil des Parks an der Grenze zum Wedding wird mit harten Drogen wie Heroin und Kokain gehandelt. Drogenabhängige entsorgen ihre Spritzen in Büschen entlang der Panke.
Ähnlich wie dies schon an anderen Drogenumschlagplätzen Berlins zu beobachten war, agiert die Drogenszene auch im Pankower Park zunehmend aggressiv. Berichtet wird unter anderem über völlig enthemmte Beschimpfungen von Spaziergängern durch Drogenhändler. Zusätzlich zieht auch eine alte Bahnhofsbaracke immer mehr Obdachlose an.
Anwohner des Parks wünschen sich vor allem mehr Präsenz der Polizei, um der Entwicklung im Pankower Bürgerpark entgegenzusteuern. Bislang sind allerdings sogar die Bemühungen gescheitert, Parkwächter anzustellen. Selbst Geld für eine Praktikumsstelle für einen solchen Parkwächter war offenbar bislang nicht vorhanden. Zunehmend wahrscheinlich wird damit eine generelle Schließung des Parks über Nacht, und wie im Fall der Gartenanlage in Luckau nun diskutiert wird, langfristig auch der Einsatz von Videotechnik zur Sicherung.       Norman Hanert


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Kommentare

Jens Gothald:
5.05.2019, 20:49 Uhr

Mit einem Parkwächter wird die Ursache nicht bekämpft, nur mit einem Kreuz an der richtigen Stelle am 26.. Nur wer nicht zur Wahl geht oder im schlimmsten Fall die verusachenden Altparteien wählt, der ist mit der deutschen und europäischen Algemeinsituation zufrieden.


Annegret Kümpel:
28.04.2019, 21:52 Uhr

Wird mit solchen Aktionen nach und nach die deutsche Kultur bewußt vernichtet? Hoffe, daß es genügend Gegner geben wird. Hoffentlich!


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