Brandstifter im eigenen Haus

Noch schlimmer als in Brasilien wüten Brände in Bolivien – Präsident Morales soll dafür mitverantwortlich sein

10.10.19

Die größten Waldbrände Amazoniens wüten nicht in Brasilien, sondern in Bolivien. Satellitenaufnahmen der NASA zeigen, dass Brasilien keineswegs alleine fackelt. Großfeuer im Tropenwald wüten auch in Peru, Venezuela und Paraguay, die größten sind aber in Bolivien.
Die katholische Kirche macht Boliviens linken Staatschef Evo Morales für diese Waldbrände zumindest mitverantwortlich. Dabei ist Morales der einzige Staatspräsident Lateinamerikas, der sich auf seine indigene Herkunft beruft. Sein Dekret 3973 befördert nach Ansicht der Kirche und 1,5 Millionen Menschen, die am 5. Oktober gegen die Umweltpolitik der Regierung in Santa Cruz auf die Straße gingen, die massenhafte Brandrodung des Urwalds. Mit dem Dekret werde in zwei Provinzen die Grundlage für die Brandrodung geschaffen, um damit Nutzflächen für die Viehzucht zu gewinnen.
Bolivien hat am 9. Juli ein Dekret in Kraft gesetzt, das die massenhafte Brandrodungen im Urwald nicht nur erlaubt – wie in Brasilien auch. In Bolivien wird die Brandrodung in zwei Provinzen sogar noch mit Prämien gefördert. Präsident Morales hatte damals auf einer Pressekonferenz die Brandoffensive als nationale Geste und patriotische Pflicht angekündigt und sich von Indio-Bauern bejubeln lassen. Es sei „ein Recht des bolivianischen Volkes den Urwald zu lichten“.
Wie die Zeitung „El Deber“ berichtete, warf die bolivianische Bischofskonferenz Morales vor, das vor einigen Wochen unterzeichnete Dekret 3973 ohne vorangegangene Analyse und Prüfung erlassen zu haben und so die Brände mitverursacht zu haben. Hinter dem ökologischen und humanitären Desaster steht die Entscheidung, die Agrar-Industrie in Bolivien massiv auszubauen.
Seit dem Dekret sind hunderte von großflächigen Bränden entfacht worden, um aus dem Urwald nutzbare Flächen für die Landwirtschaft zu schaffen. Eine gewaltige Feuerwalze hat vor allem im Osten Boliviens gewütet und wütet zum Teil noch. Dabei wurde die dortige Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Auch die weltberühmten Chiquitos-Jesuitenreduktionen, also die von Jesuiten angelegten Siedlungen für die indigene Bevölkerung im östlichen Tiefland, die zum Weltkulturerbe gehören, wurden nicht verschont.
Laut lokalen Medienberichten sollen rund 700000 Hektar Tropenwald und eine Million Hektar Weidefläche zerstört worden sein. Lokalpolitiker der Opposition warnten vergeblich. Doch Kritik wird in Bolivien nicht geduldet. Geschickt hat es Morales verstanden, nicht als größter Urwald-Abfackler der internationalen Medien zu gelten.
Die Feuerwalze in Bolivien geht in der internationalen Presse weitgehend hinter der Brandka­tastrophe in Brasilien unter, die im Medienfokus liegt, weil sich der dortige Präsident Jair Bolsonaro in seiner populistischen Art viel besser zur Kritik eignet als der Indiosozialist Morales.
Die katholische Kirche rief angesichts der Umweltkatastrophe landesweit zu Gebeten und zur Solidarität mit den Opfern der Brände auf. Sie ist zum mächtigsten Anwalt des Protestes geworden und warnt mit der päpstlichen Enzyklika „Laudato Si’“ vor einer Zerstörung der Schöpfung.
Morales sieht in den Brandrodungen einen klassenkämpferischen Akt, um gleiches Recht für alle zu schaffen. Dadurch hat das bolivianische Amazonas-Gebiet nach Angaben des Amazonas-Netzwerks RAISG seit der Machtübernahme von Morales bis 2018 bereits mehrere Millionen Hektar Waldfläche verloren.
Erst als die von ihm verursachte Feuerwalze außer Kontrolle zu geraten drohte, akzeptierte Morales ausländische Hilfe bei der Brandbekämpfung. Selbst dies nutzte er wiederum zur Image­pflege, als er das größte Löschflugzeug der Welt, das von den USA zur Verfügung gestellt wurde, in Bolivien medienwirksam empfing und sich selbst bei der Feuerlöschung in Szene setzte.
Morales opfert den Regenwald gezielt für seine geplante Wiederwahl im Oktober, auch wenn er nach der Verfassung nach drei Amtszeiten gar nicht mehr antreten dürfte. Die massiven Brände haben jedoch sein Image als Vater der Indigenen beschädigt, es könnte sogar sein, dass zumindest die Tieflandindianer ihren Obervater, den sie einst groß gemacht haben, diesmal im Stich lassen. Morales vertraut jetzt auf die Hochlandindianer, zu denen er selbst gehört, dort gab es keine Brände.    Bodo Bost


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