Dachbodenfunde im Allensteiner Museum

Das Museum der Moderne des städtischen Kulturzentrums stellt acht deutsche Straßenschilder und ihre Geschichte vor

27.02.19
Während der Präsentation: Artur Sobiela zeigt auf der Karte, wo in der Stadt die Straßenschilder einst standen Bild: U.H.

Mitte Januar präsentierten Artur Sobiela und Rafał Betkowski vom Museum der Moderne des Städtischen Kulturzentrums Allenstein dort das erste Exponat des Monats im Jahr 2019. Vorgestellt wurde eine Sammlung von acht Straßenschildern, die Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in Allenstein hingen und jetzt von der Geschichte der Stadt erzählen.

Ende der 1880er Jahre bekamen die Straßenschilder im Deutschen Reich ein einheitliches Aussehen. Die Schilder, die das Museum der Moderne jetzt zeigt, stammen ebenso wie das eine, das dem Museum bei der Entstehung gespendet wurde, aus dieser Zeit. „Seit der Eröffnung hängt bei uns das Schild der „Kleeberger Straße“, zwei weitere Schilder wurden wegen ihres schlechten Zustands nicht ausgestellt“, erklärt Rafał Betkowski, „das sollten wir eigentlich ändern, denn sie zeigen, wie am Ende des Zweiten Weltkriegs mit den deutschen Schildern umgegangen wurde.“
Historisch interessant aus Sicht der Geschichte der Stadt ist nämlich gerade, wann und warum die Straßenschilder abgenommen wurden. Artur Sobiela, der sich mit den Änderungen von Straßennamen in Allenstein seit dem Jahr 1945 beschäftigt, bedauert daher das Verschwinden solcher Schilder: „Man kann an ihnen viel ablesen; es ist schade, dass sie oft spurlos abhandenkommen, wenn sie entfernt werden.“ Dank des Internets gibt es heute aber einen Markt von Sammlern, die an solchen historischen Gegenständen Interesse haben. „Dort tauchte zuletzt auf einer Auktion die jetzt gezeigte Sammlung auf. Die Schilder sind sehr gut erhalten; sie lagen vermutlich auf einem Dachboden. Dank des Kulturzentrums gelang es uns, sie zu erwerben“, freut sich Betkowski.
Dabei war anfangs nicht vollständig sicher, dass die Straßenschilder nach Allenstein gehören. Zweifel weckte vor allem die „Steingasse“, die weder im Straßenverzeichnis noch auf dem Stadtplan zu finden war. Kurz vor der Vorstellung der Exponate
eruierte Betkowski sie auf einem Katasterplan der Innenstadt: „Für das Kulturzentrum sollte es das Glanzstück der Sammlung sein, denn das Schild dieser kleinen Gasse hing an einem Speicher im Zentrum, in dem sich heute die Galerie ,Spichlerz‘ des Kulturzentrums befindet.“
Die „Magisterstraße“ war zur Überraschung der jüngeren Gäste der Veranstaltung nicht bei der Universität zu finden, die es noch nicht gab, sondern in der Nähe des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums. Hier wohnten damals ganz einfach die Lehrer dieser Schule.
Dass die „Guttstädter Chaussee“ aus Allenstein nach Norden führte, war dagegen klar, jedoch ist sie, so Betkowski, auf dem Stadtplan von 1910, der im Museum der Moderne hängt, nicht mehr zu finden: „Bereits 1903 wurde sie bis zur Stadtgrenze in Königsstraße umbenannt.“ Ähnlich ging es der „Obervorstadt“, die 1909 nach langer öffentlicher Diskussion der „Zeppelinstraße“ weichen musste, weil ihr Name unmodern und zu wenig prestigeträchtig war, immerhin entstand dort das Neue Rathaus.
Die „Zeppelinstraße“ entging übrigens später ebenso wenig den Umbenennungen durch die Nationalsozialisten wie die „Roonstraße“ – die erste wurde zum Adolf-Hitler-Platz, die zweite teilweise zur Straße der SA. „Es gab im Jahr 1933 mehr Änderungen von Straßennamen in Allenstein als 1945“, stellt Artur Sobiela fest, „so muss-ten sie ihre Macht beweisen.“
Erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand hingegen die „Töpferstraße“ (dann polnisch ulica garncarska) mit ihren historischen Häusern vom Stadtplan. Dort, zwischen der Allensteiner Burg und der evangelischen Kirche, verläuft heute entlang des Burggrabens eine Promenade mit Cafés, die am Denkmal von Nicolaus Copernicus endet. Zumindest er hat in der Geschichte der Stadt Allenstein seinen festen Platz.
    Uwe Hahnkamp


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