Das Brasilien der Europäischen Union

13.01.20

Rumänien verfügt über einige der letzten großen zusammenhängenden Urwaldgebiete auf dem europäischen Kontinent, und die sollen beim sogenannten Klimaschutz eine große Rolle spielen. Als im Sommer im südamerikanischen Brasilien die Urwälder brannten, regten sich vor allem die klimasensiblen Europäer auf und meinten gleich im angeblichen rechten Populismus des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro den Hauptschuldigen gefunden zu haben. Bolsonaro wehrte sich und empfahl den Europäern, erst einmal vor der eigenen Tür zu kehren. Denn auch in der EU werden illegal, aber mit der Duldung von korrupten Verwaltungen riesige Urwaldgebiete abgeholzt.
Vor allem die Urwälder Rumäniens in den Karpaten sind das Ziel einer immer stärker werdenden EU-Holzmafia, die selbst vor Gewalt gegen Waldschützer nicht zurückschreckt, ähnlich wie in Brasilien. Sieben Förster und Waldarbeiter wurden in den letzten Jahren in Rumänien ermordet, zwei davon allein im Herbst 2019. Sie hatten Holzdiebe auf frischer Tat ertappt.
Systematische Abholzung
Die grausamen Morde an den beiden Förstern erschütterten die rumänische Öffentlichkeit. Medien berichteten fast täglich von der „Holzmafia“ und deren Verbrechen. In der Hauptstadt Bukarest demonstrieren seit Monaten Hunderte Forstangestellte mit Kreuzen und Särgen, welche die Namen toter Kollegen tragen, und fordern einen besseren Schutz. 650 Fälle von Gewalt gegen Forstangestellte während ihrer Berufsausübung sind dokumentiert, sieben davon endeten tödlich. Das ist ein Rekord in Europa. Holzdiebstahl hat es in den Karpaten schon immer gegeben, wie die Wilderei. Aber was jetzt dort passiert, hat eine andere Dimension. Seit Jahren werden in Rumänien die einst ausgedehnten Wälder systematisch abgeholzt. Der Holzhandel ist ein Milliardengeschäft.
Die große Nachfrage nach rumänischem Holz kommt vor allem aus dem EU-Ausland. Rumänien ist einer der größten Holzexporteure in Europa geworden. Vor allem österreichische Holzkonzerne haben in Rumänien Werke mit großen Verarbeitungskapazitäten errichtet. Aber auch die Bundesrepublik zählt zu den Abnehmern ihrer Produkte, und für den schwedischen Möbelgiganten Ikea ist Rumänien ein wichtiger Rohstofflieferant geworden.
Starke Nachfrage aus Österreich
In der rumänischen Holzindustrie spielt vor allem die Unternehmensgruppe von Gerald Schweighofer mit ihren Verästelungen und Stiftungen eine zentrale Rolle. Auffallend ist, dass die Kapazitäten ihrer Produktionsstätten mit dem Holz, das in Rumänien auf legalem Weg eingeschlagen werden kann, allein nicht mehr ausgelastet werden können. Bodo Bost


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