Das Meisterstück des Igor Kolomojskij

Wie der Ukrainer, Zypriot und Israeli Milliarden US-Dollar anhäuft

10.09.15
Igor Kolomojskij gegenüber Journalisten: „In der Verfassung steht, dass die doppelte Staatsbürgerschaft verboten ist. Aber die dreifache ist nicht verboten“ Bild: action press

Igor Kolomojskij gehört zu den Männern in der Ukraine, welche die politischen Fährnisse, die seit der Selbstständigkeit des Landes bis heute anhalten, dazu genutzt haben, Milliarden anzuhäufen. Nicht immer geschah das allein durch Fleiß und eiserne Sparsamkeit, vielmehr zeigt Kolomojskijs Beispiel, dass der Reichtum sehr leicht mit dem völligen Ruin des einst guten Rufes einhergehen kann. Doch was immer man Kolomojskij vorwerfen mag – eines seiner Meisterstücke hat er sich für die jüngste Zeit aufgehoben.


Stahl, Chemie, Energie-Wirtschaft und natürlich der Bankensektor sind die Felder, in denen Kolomojskij seine Geschäfte macht, und gerade die Finanzwirtschaft hat sich für ihn als überaus ertragreich erwiesen. So gehört zu seinem Imperium die PrivatBank, das größte Geld-Institut des Landes, das wegen seiner Leistungsfähigkeit und des politischen Einflusses seines Besitzers dazu auserkoren wurde, bei dem IWF-Kredit des Jahre 2014 für die Ukraine eine wichtige Rolle zu spielen.
Es handelte sich um 1,8 Milliarden US-Dollar als Teil eines IWF-Kredits an die Ukraine, hauptsächlich zur Stützung der Banken. Und es war die PrivatBank des Igor Kolomojskij, über die das Geschäft abgewickelt wurde – das heißt, abgewickelt werden sollte. Denn die 1,8 Milliarden sind verschwunden, und nur die Anti-Korruptions-Initiative Naschi Groschi (Unser Geld) macht Angaben, wo es geblieben sein könnte.
Danach machte die PrivatBank über Offshore-Unternehmen mit Sitz in den USA, der Karibik und auf Zypern Scheingeschäfte mit 42 Firmen, die über Umwege alle zu ihr gehören, und kaufte Waren im Wert jener 1,8 Milliarden. Allerdings wurde nie etwas geliefert, sodass offiziell die Bank als Betrogene dastand und vor Gericht gehen konnte, ebenfalls zum Schein. „Die ganze Geschichte mit den Gerichts­ver­fah­ren“, so Naschi Groschi, „wurde nur benötigt, damit es so aussah, als sei die Bank nicht in das Betrugssystem verwickelt.“
Es gab zudem einen guten Grund, warum man Kolomojskij nicht so genau auf die Finger schaute. Er war damals von Gnaden des ersten Putsch-Präsidenten Alexander Turtschynow Gouverneur von Dnepropetrowsk und unterhielt eine Privatarmee von rund 20000 Mann. Darunter befand sich das berüchtigte „Bataillon Asow“, das die Wolfsangel im Wappen führt. Dies war das Feldzeichen der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“, die im Zweiten Weltkrieg in der Ukraine an den Schlachten bei Charkow und am Dnepr teilnahm. Da Kolomojskij Jude ist, entbehrt es nicht eines gewissen makabren Reizes, wenn er eine Einheit finanziert, die ein NS-Symbol im Wappen trägt.
Weil für die Regierung in Kiew im Bürgerkrieg Kolomojskij mit seiner Armee sehr wichtig war, glaubte er, freie Bahn bei seinen Geschäften zu haben, und das war auch so, bis er mit dem neuen Präsidenten Petro Poroschenko zusammenstieß. Es ging dabei um die beiden halbstaatlichen Energieunternehmen Ukrnafta und Ukrtransnafta, an denen Kolomojskij starke Minderheitsbeteiligungen besaß. Da das Management zu Kolomojskij hielt, machte sich Poroschenko daran, es auszutauschen. Daraufhin ließ Kolomojskij eine Einheit anrücken, die die Zentrale der Konzerne besetzte.
Damit aber hatte er den Bogen überspannt. Er wurde als Gouverneur abgesetzt, was ihm jedoch einen großen Vorteil einbrachte. US-Botschafter Geoffrey R. Pyatt, der schon den Majdan-Putsch mit viel Engagement begleitet hatte, strich ihn von der Liste der Visum-Verbotsliste der USA, sodass sich Kolomojskij jetzt nach seinem 1,8-Milliarden-Coup dorthin absetzen konnte.
Wer allerdings glaubte, damit seien Kolomojskijs Aktivitäten beendet, der irrt. Sein Imperium arbeitet immer noch reibungslos genug, um vor dem Stockholmer Schiedsgericht, vor dem Belange eines ausländischen Investors gegenüber einem Gastland verhandelt werden, die Ukraine auf eine Entschädigung in Höhe von fünf Milliarden Dollar zu verklagen. Den Ausländer kann Kolomojskij geben, da er nicht nur die ukrainische Staatsbürgerschaft, sondern auch die von Zypern und Israel besitzt. Die fünf Milliarden, die Kolomojskijs IWF-Beute so vorteilhaft aufrunden könnten, stünden ihm, so führt er ins Feld, wegen einer nichtbezahlten Öl-Lieferung an Kiew zu. In der Ukraine hat man sich inzwischen dazu bequemt, Ermittlungen gegen die PrivatBank einzuleiten. Das berichtet jedenfalls das Online-Nachrichtenorgan Johnson’s Russia List und beruft sich dabei auf ukrainische Medien. Der öffentliche Druck in dieser Angelegenheit sei allzu groß geworden.
Bei der Bank gibt man sich kooperativ. „Die PrivatBank arbeitet bedingungslos mit den Ermittlern zusammen und wird alle Informationen und Dokumente bereitstellen, um die Wahrheit in diesem Fall einwandfrei festzustellen“, zitiert Interfax Ukraine das Geldinstitut. Kolomojskij seinerseits wird es in den fernen USA mit Interesse zur Kenntnis nehmen, auch wenn es ihn nichts mehr angeht.    Florian Stumfall


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