Debatte um Ostpreußen-Angebot

Gorbatschow: »Rückgabe« nicht angeboten – Dementi geht an Behauptung vorbei

10.06.10

Der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow hat bestritten, dass die sowjetische Führung im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands die Rückgabe des Königsberger Gebietes angeboten habe. Damit reagierte er auf einen entsprechenden Bericht des „Spiegel“ vom 21. Mai.
Der sowjetischen Führung werde damit etwas zugeschrieben, „an was sie niemals gedacht hat“, erklärte Gorbatschow nun. Er wollte aber nicht ausschließen, dass der im „Spiegel“ als Mittelsmann erwähnte Generalmajor Geli Batenin im Auftrag seiner politischen Gegner aktiv geworden sei, um später ihn „zu beschuldigen, dass er angeblich die Interessen Russlands verrate“, sagte der Friedensnobelpreisträger und machte sich damit die vom „Spiegel“ selbst angebotene Deutung für die (als solche offenbar nicht zu bestreitende) Gesprächsanfrage Batenins zu eigen. Batenin selbst kann man nicht mehr befragen, er ist seit einigen Jahren tot. Zur Zeit der 2+4-Verhandlungen habe er keinen engen Kontakt zur Sowjetführung gehabt und daher auch nicht für sie sprechen können, so Gorbatschow.
 Die Wortmeldung ist insofern ernst zu nehmen, als Gorbatschow in einer anderen großen Streitfrage über die Wiedervereinigung keine Scheu hatte, gegen die nahezu geschlossene Meinung der politischen Klasse in Berlin Position zu beziehen: Als die Regierung Kohl noch landauf landab erklärte, Moskau habe die „Unumkehrbarkeit“ der Enteignungen der Jahre 1945 bis 1949 in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone zur Bedingung der deutschen Einheit gemacht, widersprach Gorbatschow klar und öffentlich.
Nimmt man allerdings die jetzige Wortmeldung unter die Lupe, so fällt auf, dass Michail Gorbatschow hier etwas dementiert, was gar nicht behauptet worden ist. Laut „Spiegel“ hat Batenin nämlich nicht die „Rückgabe“ des Gebiets angeboten, sondern Verhandlungen über deren Zukunft gesucht. Auch die der Landsmannschaft Ostpreußen bekannt gewordenen Sondierungen aus Moskau über Ostpreußen hatten einen Verkauf gegen eine hohe Summe, nicht aber eine Rückgabe des Landes zum Gegenstand. Das vom „Spiegel“ 1999 eher beiläufig vermeldete Rückkauf-Angebot aus der Regierungszeit von Boris Jelzin ist von diesem „Dementi“ Gorbatschows ohnehin nicht berührt (siehe Kommentar Seite 8).     

K.B.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.