Der riskante Wettlauf zum Mond

Mit der Mission Apollo 8 öffnete die NASA den Weltraum

07.01.19
Erster bemannter Flug zum Mond: Apollo 8 Bild: pa

Vor einigen Wochen versteigerter ein Auktionshaus in Texas Erinnerungsstücke aus dem Nachlass von Neil Armstrong. Die Auktion brachte 7,45 Millionen US-Dollar. Verwunderlich ist die hohe Summe nicht. Armstrong war der erste Mensch, der den Mond betrat. Den Weg dorthin hatte die Mission Apollo 8 mit den Astronauten Frank Borman, William Anders und James Lovell vorbereitet. Sie waren am 21. Dezember 1968 zum ersten bemannten Flug zum Mond gestartet, sahen den Erdtrabanten erstmals von der Rückseite, betraten ihn aber nicht.

Mit diesen beiden Erfolgen – erster bemannter Flug zum Mond, erster Mensch auf dem Mond – war endlich das Trauma überwunden, in das die Sowjets mit ihren Erfolgen im Weltraum die US-Amerikaner versetzt hatten. Den ersten Schock löste in den USA der Start des Sputnik 1957 aus, es folgte die erste unbemannte Landung von Lunik 2 auf dem Mond 1959 und schließlich der erste bemannte Raumflug von Juri Gagarin 1961. Dem hatten die Amerikaner nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.
Ein bemannter Flug zum Mond sollte die Antwort der Amerikaner sein, an eine Landung war anfangs nicht gedacht. Eigentlich hätte die Mission mit Apollo 8 das ursprünglich gesetzte Ziel erreicht. Aber die Ansprüche steigerten sich mit jeder erfolgreichen Zwischenetappe. Das Programm zum Mondflug war 1960 bei einer Konferenz der NASA (National Aeronautics and Space Administration) erarbeitet worden. Es erhielt die Bezeichnung „Apollo“. Getrieben von den Erfolgen der Sowjets, spielten Kosten nahezu keine Rolle. Das Programm verschlang 23,9 Milliarden US-Dollar, damaliger Zeitwert. Die Summe entspräche heute 150 Milliarden Dollar. 400000 Menschen arbeiteten für das Programm.
Unter dem Eindruck des Weltraumfluges von Juri Gagarin hatte US-Präsident John F. Kennedy im Mai 1961 das Ziel höher gesteckt. Noch im selben Jahrzehnt sollte ein Mensch zum Mond und wieder zurückfliegen. Vor dem Kongress erklärte er: „Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein.“
Im Mittelpunkt stand die Entwicklung einer schubkräftigen Rakete. Die Grundlagen dazu lieferten Erprobungen der deutschen Wehrmacht. Federführend war Wernher von Braun, der einstmalige technische Leiter der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Dort hatte er die erste funktionsfähige Großrakete „Aggregat 4“ (A4) entwickelt, die spätere „Vergeltungswaffe 2“ (V2). Als erste ballistische Rakete erreichte sie den Grenzbereich zum Weltraum und machte damit Peenemünde zur „Wiege der Raumfahrt“. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges hatte Braun den Amerikanern seine Kenntnisse angeboten. Die Amerikaner suchten damals gezielt nach deutschen Wissenschaftlern, Braun wechselte am 2. Mai 1945 in deren Dienst. Im September 1945 flog er in die USA. Über 100 Mitarbeiter aus Peenemünde folgten. Mit Versuchen mit der V2 setzten sie in den USA ihre Arbeit fort.
Die dabei und mit anderen Raketenprogrammen gemachten Erfahrungen flossen in die Entwick-lung einer neuen Trägerrakete ein, der „Saturn V“. Braun konzipierte mit seinem Team eine Rakete, die in ihrer Höhe von 110 Metern bis heute nicht übertroffen ist. Ihr Startgewicht betrug 2880 Tonnen, die von einer Schubkraft von 160 Millionen PS auf eine Geschwindigkeit von 39000 Kilometern pro Stunde beschleunigt wurden. Sie beförderte Astronauten binnen 60 Stunden zum Mond.
Doch bevor es soweit war, bevor das ganz und gar utopische Experiment gewagt werden konnte, mussten viele Vorstufen nach einem exakt entwickelten Fahrplan abgeschlossen werden. Es begann mit unbemannten Flügen in der Erdumlaufbahn. Anschließend folgte der Test einer Mondlandefähre. Erst dann wurde ein bemannter Raumflug gewagt. Nächster Schritt war die Erprobung der Funktion zwischen Raumkapsel und Landefähre, zuerst in der Nähe der Erde, im nächsten Schritt in der Nähe des Mondes und als krönender Abschluss:  Landung und Ausstieg auf dem Mond.
In der Aufzählung der einzelnen Missionen fehlt der Flug von Apollo 8, der war nicht vorgesehen. Aber inzwischen hatten die Sowjets abermals die Nase vorn. 1965 hatte der Kosmonaut Alexej Leonow an Bord der Woschod 2 den ersten Spaziergang eines Menschen im Raum unternommen. Die Mission Apollo 8 war lediglich geplant als Erprobung der Mondlandefähre in einer hohen Erdumlaufbahn. Doch die Fähre war nicht fertig. Darum wurde vorgeschlagen, den Flug zum Mond zu wagen. Dagegen gab es erhebliche Bedenken.
NASA-Direktor James Webb fragte: „Seid ihr verrückt?“ Doch Braun setzte auf die Saturn: Wenn sie fliege, sei es egal, wie weit man fliege. Die Astronauten Frank Borman, William Anders und James Lovell waren zu dem Wagnis bereit. Trotz weiter bestehender Bedenken gab es grünes Licht, denn die CIA hatte gemeldet, die Sowjets planten einen gleichen Flug im selben Jahr.
Die Öffentlichkeit wurde vorsichtshalber über die geänderten Pläne erst spät informiert. Am 21. Dezember 1968 startete Apollo 8 am frühen Morgen vom Kennedy Space Center in Florida. Heiligabend, am 24. Dezember, erreichte die Mission die Umlaufbahn um den Mond. Von dort schickten die Astronauten Bilder der Erde und des Erdtrabanten. Und während sie Bilder der Krater des Mondes sandten, lasen sie wechselnd Abschnitte aus der biblischen Schöpfungsgeschichte vor.
Am 27. Dezember landete Apollo 8 nach der Rückkehr im Pazifik, nahe Hawaii. Es war der erste Flug, der sich weiter als 1500 Kilometer von der Erde entfernt hatte. Er bereitete die Landung auf dem Mond vor. Zur Reservemannschaft für den Flug von Apollo 8 gehörte Neil Armstrong, der Mann, der elf Monate später als erster Mensch den Mond betreten sollte. Und als er dabei gesagt hatte: „Es ist ein kleiner Schritt für den Menschen … ein … riesiger Sprung für die Menschheit“, kürzten die Sowjets ihr Raumfahrtprogramm drastisch. Sie strichen die Reisepläne zum Mond.    Klaus J. Groth


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