Deutsche Burschenschaft im Umbruch

Interview mit den Verbandsvertretern Walter Tributsch und Burkhard Georg Mötz zum Burschentag 2013

16.05.13
Wollen internen Streit beenden und ein gemeinsames Ziel finden: Burschenschafter auf der Wartburg Bild: pa

Seit dem Burschentag 2012 steht der Akademikerverband Deutsche Burschenschaft DB im Fokus heftiger Kritik von inneren und äußeren Kräften. Die derzeitige DB-Verbandsvorsitzende, die Burschenschaft Teutonia Wien, versucht, die Wogen zu glätten und arbeitet an einer Neuausrichtung der traditionsreichen Studentenverbindung. Im Interview mit der PAZ äußern sich zwei führende Köpfe des Verbandes zur Lage der Burschenschaft: DB-Pressesprecher Walter Tributsch und der Aktiven-Sprecher Burkhard Georg Mötz, beide Teutonia Wien.

PAZ: Zunehmende „rechtsextreme Tendenzen“ diagnostizieren deutsche Mainstream-Medien beim Blick auf die Deutsche Burschenschaft DB, von Machtkämpfen zwischen dem liberaleren und dem konservativen Lager in der DB ist die Rede, die zu Austritten von einigen Bünden aus der DB geführt hätten. Was ist los in Ihrem Akademikerverband?
Burkhard Georg Mötz: Ein realistischer Blick auf die aktuelle Lage des Verbandes zeigt mir keine gravierenden Machtkämpfe. Bei den letzten Burschentagen waren diese jedenfalls nicht zu erkennen, eher traf das Gegenteil zu. Würde nämlich jemand versuchen, die Macht zu übernehmen, so müsste es bei der Wahl der Vorsitzenden ein arges Gedränge gegeben haben, was jedoch nicht der Fall war. Weder beim regulären Burschentag in Eisenach 2012, noch beim Sondertreffen in Stuttgart im Dezember 2012 gab es Bewerber für den DB-Vorsitz aus dem Kreis der sogenannten „liberalen Bünde“. Schließlich waren (fast) alle froh, dass sich mein Bund, die Burschenschaft Teutonia Wien, dann als Vorsitzende der DB zur Verfügung gestellt hat. Auch zunehmende „rechtsextreme Tendenzen“ lassen sich weder aus personellen, noch aus Sachentscheidungen des Burschentages ablesen. Dass linksgestrickte Journalisten uns mit aller Gewalt „Rechtsextremismus“ andichten wollen, steht auf einem anderen Blatt.
Richtig ist allerdings, dass es zu Austritten einzelner Bünde gekommen ist, wobei diese weitgehend ohne Angabe von Gründen erfolgten. Der angesprochene „Rechtsruck“ ist wohl, wenn überhaupt, ein vorgeschobener Grund für eine wie immer geartete Unzufriedenheit mit ihrer Rolle in dem Verband.

PAZ: Nun wird ja dieser Vorwurf vom angeb-lichen Rechtsruck in der DB nicht nur von linken Medien dankbar aufgegriffen, sondern teilweise auch aus den Reihen der Burschenschaften selbst erhoben. Wie erklären Sie sich das?
Mötz: Wenn der Wind etwas heftiger ins Gesicht bläst, dann sucht so mancher Schutz. Den von den Medien vorgetragenen Angriffen gegen die Burschenschaft wollen sich offenbar nicht  alle entgegenstellen und versuchen sich mit einer „Haltet den Dieb!“-Strategie. Erhebt ein Journalist den Rechtsextremismusvorwurf, so ist es viel leichter zu sagen „das sind nicht wir, sondern die anderen, wir sind die Guten“, als den Vorwurf zu widerlegen und ihn ins „Reich Absurdistan“ zu verweisen.

PAZ: Interessant ist ja auch die Berichterstattungsstrategie deutscher „Leitmedien“, die sich plötzlich voller Verständnis den sogenannten liberalen und austrittsbereiten Bünden in der DB widmen, sie gewissermaßen hochschreiben. War früher eher sprungbereite Feindseligkeit zu allen traditionsbewussten Korporationen dominant, herrscht plötzlich eine wundersame Nähe zu „liberalen Bünden“ vor. Das ist doch verblüffend, oder?
Mötz: Diese Strategie kennen wir aus der Politik. Sie folgt dem historischen Prinzip „teile und herrsche!“ Wir haben das in Österreich mehrfach bei Abspaltungen von der FPÖ kennengelernt. Als die leitende Funktionärin Heide Schmid mit einer Reihe anderer FPÖ-Abgeordneter die Partei verließ und eine eigene gründete, wurde die einst Geschmähte plötzlich von den Medien hochgejubelt und schließlich geradezu als Superstar gefeiert. Ähnliches geschah, als Jörg Haider, der die FPÖ ja groß gemacht hatte, eine Spaltung versuchte und das BZÖ gründete. Aus dem einstigen „Nazi-Verehrer“, der sogar bei Veranstaltungen von SS-Kameradschaften ans Rednerpult getreten war, wurde in den Medien plötzlich eine wichtige demokratische Größe. Für die Medien, die der Burschenschaft nichts Gutes wollen, ist jeder Keil recht, den sie in die DB schlagen können. Bedauerlich dabei ist, wenn einzelne Burschenschaften dies nicht erkennen und sich solcherart missbrauchen lassen.

PAZ: Mit welcher Strategie und mit welchem Maßnahmen-Bündel wird Teutonia Wien die Abspaltungsphase Ihres Verbandes zu beenden trachten und deren Neuausrichtung begründen?
Walter Tributsch: Der wesentliche Punkt ist meines Erachtens das Ausmachen eines Zieles für den Dachverband, für das es lohnt, sich voll und ganz einzubringen. Die Zeit der Nabelschau muss nun vorbei sein, wir haben in unserer 200-jährigen Geschichte immer gekämpft für die Freiheit des Einzelnen und für die Grundrechte der Bürger. Dieser Aufgaben gilt es sich jetzt wieder zu besinnen. Wenn wir wieder einen Strang finden, an dem wir gemeinsam ziehen können, dann wird damit nicht nur die Abspaltungsphase beendet sein, es wird auch der eine oder andere Bund wieder zurückfinden in den Dachverband.

PAZ: Welche Anträge zum nächsten Burschentag, der vom 23. bis
26. Mai in Eisenach stattfindet, liegen schon vor, deren Zielsetzung sich im Sinne des Konsolidierungskurses Ihnen als ermutigend ausweisen?
Tributsch: Es gibt einige allgemein-politische Anträge zu den Themen Europa oder Deutschenfeindlichkeit. Allgemein weisen viele Anträge eine Stoßrichtung zur Findung von gemeinsamen Standpunkten auf. Welche davon dann am Burschentag von der Deutschen Burschenschaft angenommen werden, wird sich Ende Mai zeigen.

PAZ: Herr Mötz, Sie sind der Aktivensprecher der amtierenden Deutschen Burschenschaft, Teutonia Wien. Wie nah sind Sie schon dem von Ihnen im Januar verkündeten Ziel gekommen, die „vereinsmeierischen Differenzen“ in der DB zu beenden?
Mötz: Im Gegensatz zu der Darstellung in diversen Medienberichten über die DB herrscht zurzeit ein äußerst konstruktives Klima in der Deutschen Burschenschaft vor. Das ist zumindest meine Bilanz der ersten Monate als DB-Aktivensprecher. Aktuell versuchen Verbandsbrüder aus den verschiedensten Bünden mit ganz unterschiedlichen Ansätzen die Deutsche Burschenschaft zu neuer Einigkeit zu führen. Wir haben dazu die Initiative „Jugend und Europa“ gestartet, zu der wir bis jetzt aus allen politischen Strömungen der Deutschen Burschenschaft sehr positive Rückmeldungen erhalten.
Weitere Initiativen versuchen derzeit, die Gemeinsamkeiten der Mitgliedsbünde der Deutschen Burschenschaft zu finden und zu betonen. Ich bin zuversichtlich, dass dies am nächsten Burschentag in Eisenach schon  Früchte tragen wird. So werden die von interessierten Kreisen hochgespielten „vereinsmeierischen Differenzen“ in der DB der Vergangenheit angehören und gemeinsame politische Ziele in den Vordergrund rücken.

PAZ: Wohlmeinende Kritiker der deutschen Burschenschaften werfen dem Verband eine zu starke Innenorientierung vor, also „Maulheldentum auf der Kneipe“, bei gleichzeitiger Vernachlässigung der politischen Außenwirkung. Wann wird die Deutsche Burschenschaft in weitergehender Form als bisher wieder kampagnenfähig sein?
Mötz: Mit dem Vorwurf der Innenlastigkeit haben die Kritiker leider recht. Dieser Missstand ist schon seit Langem von uns erkannt und wir unternehmen nun als DB-Vorsitzende die notwendigen Schritte, ihn zu beseitigen, was jedoch nicht von heute auf morgen gelingen kann. Das unumstrittene Ziel lautet dabei: Die Deutsche Burschenschaft muss in zentralen Fragen der deutschen Selbstbehauptung die Fähigkeit (wieder)erlangen, in offensiver Außenwirkung auftreten zu können. Sie muss, wie es in Ihrer Frage anklingt, wieder „kampagnenfähig“ werden, das heißt, sie darf nicht in erster Linie nur reagieren, sondern sie muss viel stärker mit ihren Themen agieren, grundsätzliche und aktuelle Themen setzen und damit Diskussionsverläufe in ihrem Sinne prägen.

PAZ: Wobei Sie sich ja besonders für die Interessen der studierenden Jugend einsetzen. So fordern Sie beispielsweise eine „Verbesserung der Bedingungen an den Universitäten“. Was heißt das konkret?
Mötz: Die schon angesprochene prekäre Situation der Jugend am Arbeitsmarkt ist nicht zuletzt die Folge einer unbefriedigenden Ausbildung. Auch auf akademischer Ebene liegt da vieles im Argen. Es kann doch nicht sein, dass auf der einen Seite beispielsweise Jungärzte grenzüberschreitend abgeworben werden, andererseits aber nur ein Bruchteil jener, die ein Medizinstudium antreten wollen, zum Studium mangels freier Plätze zugelassen werden. Oder denken Sie an den immer wichtiger werdenden Bereich der Informationstechnologie. Es gelingt nicht, obwohl es sich dabei um eine Ausbildung handelt, die bei der Jugend auf großes Interesse stößt, annähernd genügend Fachleute in Europa auszubilden, so dass die Wirtschaft immer mehr Arbeitskräfte aus Asien anwerben muss. Hier gilt es vor allem, seitens der Politik Abhilfe zu schaffen und das europaweite Ausbildungsangebot erheblich zu verbessern.

PAZ: Auch grenzüberschreitende Aktivitäten kündigten Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit an und sprachen von entsprechenden Initiativen auf europäischer Ebene. Welche haben Sie – im burschenschaftlichen Sinne – ergriffen und was ist aus ihnen geworden?
Mötz: Unser Staatenbund, die Europäische Union, hat vieles umgesetzt, es ist aber auch einiges unter die Räder gekommen. Das Augenscheinlichste dabei ist – neben der ausufernden Verschuldung einzelner Staaten – die bedrohliche Situation unserer Jugend. Jeder vierte Jugendliche in der EU findet keine Arbeit, ja in den Krisenländern ist es sogar jeder zweite. Hier sind wir als Burschenschafter gefordert. Unsere Aufgabe muss es sein, für die Anliegen der Jugend öffentlich einzutreten. Mit einer Fülle von Pressemitteilungen, in denen wir auf die bedrohlichen Verhältnisse der Jugend in Europa hingewiesen haben, sind wir inzwischen tätig geworden. Wir werden diesen Weg fortsetzen, zumal wir bei einigen Politikern schon positive Reaktionen dazu vernehmen konnten. Außerdem eignen sich derartige Aktivitäten auch dazu, die Geschlossenheit der DB zu befördern, denn an einer Verbesserung der europaweiten Ausbildungssituation sind alle DB-Mitgliedbünde interessiert, egal ob sie nun eher „liberal“ oder „konservativ“ ausgerichtet sind.


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Kommentare

Tom Orden:
24.05.2013, 15:29 Uhr

Ich möchte an dieser Stelle nochmal die Gelegenheit nutzen und den Burschenschaften meine Solidarität aussprechen!
Burschenschaften sind eine edle und traditionelle Sache; kein Wunder das die Linken sie hassen.
Aber ich bin überzeugt davon das sich die tapferen Burschenschaftler nicht unterkriegen lassen.
Meine für Facebook zuständige Freundin und Kollegin Nina hat diesen tapferen Männern auf Facebook ebenfalls unsere Solidarität ausgesprochen.
Auch der Rest des Orden der Patrioten findet das Burschenschaften eine wundervolle Sache sind!
Sie dienen dem Erhalt der Werte und Traditionen und so etwas braucht Deutschland heute mehr denn je.
Was Deutschland jedoch nicht braucht sind asoziale Linke die Burschenschaften abschaffen wollen, nur weil sie besser sind als die linken Juso-Gruppen.
Um also den Kommentator sitra achra über mir zu zitieren:
"Deutsche Burschen, nicht verzagen, haltet die Fahne der Freiheit weiterhin hoch!"
DEm kann ich mich nur 100prozentig anschliessen!


sitra achra:
17.05.2013, 17:32 Uhr

Deutsche Burschen, nicht verzagen, haltet die Fahne der Freiheit weiterhin hoch!


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