Deutsche im Hotel „Metropol“

Eugen Ruge erzählt in einem Tatsachen-Roman die Erlebnisse seiner Großmutter, einer deutschen Kommunistin, während der Stalin-Ära in Moskau

05.02.20

Von Friedrich-W. Schlomann

In seinem zeitgeschichtlichen Tatsachen-Roman schildert Eugen Ruge das Leben seiner Großmutter Charlotte Ruge, die 17 Jahre im sowjetischen Nachrichtendienst arbeitete und in der NS-Zeit nach Moskau floh. Im dortigen Hotel „Metropol“ war sie jahrelang unter dem Decknamen „Lotte Germaine“ zu finden. Sehr lebendig legt Ruge ihre sehr bald einsetzende tiefe Enttäuschung dar über das ihr vorgegaukelte Sowjetparadies mit seinem grauen Alltag und Menschenschlangen, die für das Allernötigste anstanden. Statt der propagierten Gleichberechtigung erhielten KPdSU-Funktionäre bevorzugt Wohnungen und befanden sich in einem „Sonderversorgungssystem“.
Trotz ihrer Vergötterung Stalins war Ruge erschüttert über die ständigen Anklagen von „Volksfeinden“, die „in jahrelanger Wühlarbeit die Konterrevolution“ vorbereitet haben sollten. Dieses Schicksal traf den NKWD-Chef Jagoda sowie Heinz Neumann, der im deutschen KP-Untergrund als „Die Stimme Stalins“ galt. „Lotte“ bekam erste Zweifel bei der Verurteilung ihres Bekannten Alexander Emel, einem Juden, der einer Abteilung des ZK der KPD angehörte und dann „die Spitze einer aktiven deutschen Faschisten-Kampfgruppe“ gewesen sein soll.
Auffällig sind die Geständnisse der Angeklagten, die wahrscheinlich in der naiven Hoffnung erfolgten, der Todesstrafe zu entrinnen. Der Leser erfährt von Gerichtsprozessen, bei denen die Richter sich in der Zahl ihrer Todesurteile überboten. Einer fällte an einem Tag 400 Urteile.
Bei aller Linientreue fand die deutsche Emigrantin das „irgendwie nicht seriös“, während die anwesenden Auslandsjournalisten diese Urteile für glaubhaft und gerecht erachteten – sogar ein Lion Feuchtwanger gehörte dazu.
Gerüchte über Arbeitslager kursierten. Man wurde sehr vorsichtig in Gesprächen. Die erfolgenden „Selbstkritiken“ ließen viele glauben, die Partei werde gerecht mit ihnen verfahren, nicht wenige schrieben an Stalin mit der flehenden Bitte um Gerechtigkeit. Die anlaufenden Parteisäuberungen begrüßte Lotte, doch viele Genossen nutzten sie, um sich zu rächen und sich selbst zu profilieren. Im März 1938 erhielten die Großmutter des Verfassers und deren Lebensgefährte gefälschte Schweizer Pässe und ein Visum für Frankreich. Der Grund war gewiss reiner Zufall, aber dieser gehörte nach ihrer Ansicht „zum Wesen der Terrormaschine Stalins“. Den Lebensabend verbrachten beide in der DDR. Sie blieben der Partei ihr Leben weiterhin fest verbunden – trotz der erlebten Jahre in Moskau.

Eugen Ruge: „Metropol”, Rowohlt-Verlag, Hamburg, 2019, gebunden, 431 Seiten, 24 Euro


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Kommentare

Siegfried Hermann:
7.02.2020, 12:03 Uhr

Die Sache WÄRE doch ganz einfach zu regeln.
Diese "Shops" werden dem Frisörgewerbe zu geordnet (weil es ja ein Dienstleistungsangebot des Frisörs ist) und die dürfen NUR, nicht ohne Grund, mit DEUTSCHEN Meisterbrief eröffnet werden. Sozialleistungen werden Schein-Selbstständigen aus Außer-EU- und Ostblockstaaten (Balkan u. ehemals SUV) NICHT gewährt. Bei Verstoß knallhart durchgreifen und die ganze Sippe ratzfatz nach Hause schicken.
Und im Nu ist der Spuk vorbei.

Mahlzeit!


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