Deutscher Exportschlager

Das Bauhaus wird 100 Jahre alt – seine Schattenseiten aber auch

11.04.19

Deutschland feiert in diesen Tagen eine Revolution der besonderen Art. Das Bauhaus, das anlässlich seiner Gründung vor 100 Jahren überall mit Veranstaltungen und Ausstellungen sowie einer Museumsneueröffnung in Weimar bejubelt wird, hat Architektur und Design verändert wie keine andere Stilrichtung vor- oder nachher. Als nach dem Ersten Weltkrieg der Wilhelminismus militärisch und politisch besiegt war, wollte Bauhaus-Gründer Walter Gropius nun auch dem protzigen architektonischen Kulturerbe der Kaiserzeit durch schnörkellose, funktionale Wohnbauten fürs Volk ein Ende bereiten.
Das ist voll und ganz gelungen. Auch wenn dieser radikale Schnitt durch das „neue Bauen“ früher oder später auch ohne das Bauhaus eingetreten wäre, so wird heutzutage allein das Bauhaus dank geschickter Selbstvermarktung für diesen Schritt in die Moderne gefeiert. Und das weltweit: Das Bauhaus ist zum deutschen Exportschlager geworden.
Die Schattenseiten dieser Baureform, obwohl von ihren Gründern weder vorhergesehen noch gewollt, sind überall auf der Welt zu sehen: Monsterbauten aus Stahlbeton und Glas sowie die Plattenbauten, die mit kostensparenden Fertigbauteilen entstanden sind.
Verödete Vorstädte wie die Banlieues in Frankreich sind ein indirektes Bauhaus-Erbe. Wer die Wahl – und das Geld – hat, sich zwischen einem Wohnsilo nach Bauhausmuster und einem schmucken wilhelminischen Altbau zu entscheiden, wählt sicher Letzteres. Die Bewohner, die in solchen „Legebatterien“ am Stadtrand leben müssen, werden kaum an den Bauhaus-Feiern teilnehmen wollen.    Harald Tews
    (siehe auch Seiten 4 und 8)


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