Die Erinnerungskultur pflegen

Deutsch-polnische Zusammenarbeit: In Allenstein trafen sich Jung und Alt zum Erfahrungsaustausch

03.04.19
Podiumsdiskussion im Anschluss der Veranstaltung: Zeitzeugen beantworten Fragen Bild: D.K.

„Archiv der erzählten Geschichte“ ist ein Projekt, das seit 2009 durch das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Oppeln und den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften geleitet wird. Die aktuelle Begegnung fand am 19. März in Allenstein statt.

 Das Ziel der Zusammenkunft ist es, die von Zeitzeugen erzählten Geschichten, Erinnerungen, Erlebnisse und Erfahrungen vor dem Vergessen zu bewahren. Projektteilnehmer sind Jugendliche, Schüler von Gymnasien und Studenten, die Interesse daran haben, in persönlichen Gesprächen mit Zeitzeugen deren Lebensschicksale kennenzulernen.
Auf diese Weise erfahren die jungen Leute die Geschichte vor und nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges aus der Perspektive von damals aufwachsenden Menschen. Die Zeugnisse der Zeitzeugen werden in Form von Interviews festgehalten. Digitalisiert sind sie auf der Internetseite der Organisatoren zu hören.  
Nach zehn erfolgreichen Jahren ist es dem Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in der Republik Polen gelungen, über die Regionen Schlesien und Oberschlesien, in denen zahlreiche Vertreter der Deutschen Minderheit leben, hinauszugehen und die Berichte von Zeitzeugen aus Ostpreußen mit einzubeziehen.
Die berührenden Fragmente der aufgezeichneten Interviews konnte man in Allenstein am 19. März als Zusammenfassung im 2. Ga-łczynski-Allgemeinbildenden Lyzeum in Allenstein hören. In einem Schulkonferenzraum begegneten einander junge Reporter und ihre Gesprächspartner, um sich mit den Anwesenden über die Projektergebnisse und die Bedeutung eines solchen Zusammentreffens auszutauschen.
An der Veranstaltung nahmen nicht nur Stadtvertreter und Mitglieder der Deutschen Minderheit teilt, sondern auch viele Jugendliche aus Allensteiner Schulen sowie Studenten der Universität Ermland-Masuren.
Nachdem die Projektleiterin Izabela Waloszek ihren besonderen Dank an Anna Czajkowska und Marta Szpanel, die Jugendliche für die Arbeit im Rahmen des „Archivs der erzählten Geschichte“ begeisterten, ausgerichtet hatte, präsentierte sie mehrere Fotos von den Begegnungen der jungen und älteren Menschen. Man erhielt Einblicke darin, wie 17 Schüler des Gałczynski-Lyzeums dank geschichtlicher und journalistischer Werkstätten auf eine professionelle Durchführung von Gesprächen mit Zeitzeugen vorbereitet wurden.
Insgesamt entstanden 35 Interviews. Ein Teil der aufgezeichneten Berichte soll ähnlich wie bei vorangegangenen Projekttagen als Buch veröffentlicht werden. Nach Ansicht von Frau Waloszek ist es den Teilnehmern gelungen, über einen Dialog generationsübergreifende Brücken zu bauen. Das führe zum gegenseitigen Verständnis und ermögliche die Bewahrung schwieriger wie auch freudiger Erinnerungen an Geschehnisse, die sich vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg im südlichen Ostpreußen abgespielt haben.  
Im Anschluss an die Fotopräsentation fand eine Podiumsdis-kussion statt, in der zwei junge Reporterinnen, Aleksandra Soliwoda und Julia Durska, den Zuhörern über ihre Erfahrungen erzählten, die sie während der mit Zeitzeugen verbrachten Momente sammelten. Obwohl die Schülerinnen für Interviews von einem Profi-Journalisten geschult wurden, sei es – wie sie selbst bekannten – nicht ohne Stress gegangen, und es war nicht immer leicht, eine ausreichende Basis des gegenseitigen Vertrauens zu erzielen, um ein gutes Gespräch zu führen. Aber es habe sich gelohnt, denn die Treffen sowie die Gelegenheit, die Vergangenheit aus der Sicht der erfahrenen Menschen kennenzulernen, habe ihre Weltanschauung geändert. Sie hätten gelernt, die vergangenen Zeiten nicht durch das Prisma trockener Fakten aus Geschichtsbüchern, sondern mit den Augen der damals Lebenden wahrzunehmen.  
Tatsächlich kommen die Jugendlichen mit sehr persönlichen Geständnissen in Berührung, stärken durch ihre Beteiligung am Projekt die Erinnerungskultur und vertiefen ihre historische Bildung. Dieser Meinung waren auch die zur Podiumsdiskussion eingeladenen Gesprächspartner der jungen Journalisten. Als die Moderatorin der Veranstaltung ihnen das Wort erteilte und nach verschiedenen Situationen aus ihrem Leben fragte, erinnerten sie sich an ihr Familienleben, ihre Arbeit, Kindheit, Jugend- und Schulzeit.  
Einen besonderen Eindruck auf die Anwesenden machte Otto Tuschinski von der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit, als er auf spannende und ausdrucksvolle Weise sowohl die Ereignisse in Allenstein nach 1945 als auch seine Sportleidenschaft und seine Boxtrainerkarriere schilderte. Schon jetzt wirbt das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit bei allen interessierten Jugendlichen und Studenten für eine Fortsetzung des Projekts „Archiv der erzählten Geschichte“.    Dawid Kazanski


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