Die Gerüste fallen

Berlins wiedererstehendes Schloss zeigt erstmals seine barocke Pracht

02.09.18
Die letzte Gelegenheit vor dem großen Endspurt: Besucher bewundern den Schlüterhof im Berliner Schloss am Tag der offenen Baustelle Bild: Imago

Die Uhr tickt dem großen Ereignis entgegen: Fast 70 Jahre nach der Sprengung durch die SED-Führung soll das wiederaufgebaute Berliner Schloss als Humboldt Forum Ende kommenden Jahres seine Türen öffnen. Besucher konnten nun schon einmal einen Blick auf ein wiedererstandenes architektonisches Glanzstück werfen.

Letztmalig vor der geplanten Eröffnung Ende 2019 nutzten fast 30000 Besucher die Tage der offenen Baustelle, um sich einen Eindruck vom Stand des Wiederaufbaus zu machen. Zwar drehen sich über dem Gebäude noch immer Kräne, allerdings sind viele Gerüste bereits abgebaut. Vollständig verschwunden sind die Einrüstungen bereits am Schlüterhof.
Der Innenhof des Schlosses, benannt nach dem Baumeister Andreas Schlüter, ist nur zum Teil nach dem historischen Vorbild aufgebaut worden. Drei Seiten des Hofes strahlen mit gelbem Putz, Säulen und Verzierungen barocke Pracht aus. In starkem Kontrast dazu wurde die vierte Hofseite dagegen im modernen Architekturstil in kühl wirkendem Beton errichtet. Sehen konnten die Besucher ebenfalls die künftigen Museumsräume im zweiten Obergeschoss, die zum Teil bereits bezugsfertig sind.
Vollends abgeschlossen ist die Einlagerung von großen Ausstellungsstücken wie den Südseebooten aus dem Ethnologischen Museum. Für die Boote waren in der Fassade extra Öffnung freigelassen worden, die erst nach dem Einzug der sperrigen Exponate verschlossen wurden.
Die Planungen für das Humboldt-Forum sehen vor, dass es ab Ende kommenden Jahres etappenweise für das Publikum öffnet. Mit einer Auftaktveranstaltung ist am 14. September 2019, dem 250. Geburtstag Alexander von Humboldts, zu rechnen. Bis zum Jahresende 2019 könnte dann schrittweise der reguläre Betrieb mit Ausstellungen und Veranstaltungen beginnen.
Hans-Dieter Hegner, der verantwortliche Baudirektor, zeigt sich zuversichtlich, „mit einem klugen Baumanagement die noch ausstehenden Arbeiten rechtzeitig abschließen zu können“. Mit Blick auf den Kostenrahmen von 600 Millionen Euro versprach Hegner: „Das Budget reicht. Wir werden es nicht reißen.“ Weiteren Bedarf gibt es allerdings noch immer bei den Spenden. Nach Angaben von Wilhelm von Boddien, dem Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, fehlt von kalkulierten 105 Millionen Euro zur Wiederherstellung der historischen Fassaden, der Kuppel und der Innenportale des Schlosses noch ein Betrag von 20 Millionen Euro.
Ein Benefizkonzert der Berliner Philharmoniker hat das Spendenziel etwas näher rücken lassen. Das weltberühmte Orchester spielt zwei Stücke von Richard Strauss und Beethovens 7. Sinfonie. Für das Konzert wurden fast 1500 Eintrittskarten verkauft, jede Karte kostete immerhin 295 Euro. Die Einnahmen der ausverkauften Veranstaltung sollen als Spende komplett  für den Wiederaufbau der barocken Schlossfassade verwendet werden. Mit dem Auftrittsort im Schlüterhof knüpfen die Philharmoniker an die Tradition der „Schlossmusiken“ an, die 1932 begründet wurde. Die Philharmoniker gaben noch bis zum Juni 1941 im Berliner Schloss Konzerte.
Gute Nachrichten kommen auch vom Berliner Dom, der vis-à-vis zum Schloss aufragt. Domsprecherin Svenja Pelze gab vor Kurzem Einzelheiten zur schon lange geplanten Sanierung der Hohenzollerngruft im Dom bekannt. Nachdem von Bund und Land feste Finanzierungszusagen vorlägen, können die Bauarbeiten demnach ab der zweiten Hälfte des kommenden Jahres starten.
Bis zum Jahr 2023 soll unter anderem ein besserer Zugang zum Gruftgeschoss entstehen. Bislang ist die Gruft nur durch eine schmale Stiege erreichbar. Die schwache Beleuchtung erlaubt es Besuchern zudem nur schwer, Beschriftungen zu lesen. Pelze moniert, der Raum habe eine „Parkhausanmutung“. Im Zuge der Sanierung soll das breite Treppenhaus im Dom verlängert werden, um einen bequemeren Weg zur Gruft zu öffnen. Zudem wird der Einbau eines Fahrstuhls künftig auch einen barrierefreien Zugang erlauben. Geplant ist überdies ein Beleuchtungskonzept, das die Besonderheiten der Architektur hervorhebt. Da die Kammer und einige Särge wegen schlechter Belüftung teils unter Schimmelbefall leiden, wird der Raum künftig auch eine Klimaanlage erhalten. Besucher werden sich nach der Sanierung in einem Raum über das Wirken der Hohenzollern in Berlin und Brandenburg informieren können.
Nach Angaben der Domsprecherin sind die Baukosten mit 17,3 Millionen Euro veranschlagt. Der Bund und das Land Berlin werden davon 90 Prozent tragen, den Rest die evangelische Domgemeinde. Bei der Hohenzollerngruft handelt es sich um die größte fürstliche Grabstätte Deutschlands. Sie umfasst 94 Särge aus fünf Jahrhunderten. Bestattet wurde hier der Große Kurfürst, König Friedrich I. sowie Königin Elisabeth Christine, die Gemahlin  Friedrichs des Großen. Mit rund 700000 Besuchern jährlich ist die Gruft eine der Haupttouristenattraktionen von Berlin.      Norman Hanert


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Kommentare

Chris Benthe:
3.09.2018, 22:02 Uhr

Werter Herr Dr. Spitzer, ich kann Ihnen da nur beipflichten, auch was die allgemeine Situation moderner Architektur in unseren Städten betrifft. Beispiel Bremen: Neubau des Hauptgebäudes von Kühne & Nagel in exponierter Lage an der historischen Weser-Schlachte sowie Neubebauung des Bahnhofsvorplatzes. Mannigfache Bausünden in vielen anderen deutschen Städten können dokumentiert werden. Es ist eine einzige Schande in einem bezugslosen Wirrwarr von Einfallslosigkeit, Destruktivität und Menschenverachtung einer völlig durchgeknallten Elite.


Hans-Joachim Nehring:
2.09.2018, 20:46 Uhr

Gewiss sind die Leistungen beim Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu würdigen. Mir erschließt sich allerdings noch immer nicht, warum dieses Schloss der Hohenzollern nun Humboldt Forum heißen soll und die bedeutende Geschichte Preußens ungenügend dargestellt wird. In Russland wird die Zarendynastie sowohl in Moskau als auch in St. Petersburg, Peterhof und Zarskoe Selo mit aller Pracht gezeigt.


Dr. Daniel Spitzer:
2.09.2018, 09:11 Uhr

Die vierte Hofseite des Schlüterhofes, die "moderne" kann man nur als verrückt und krankhaft wirr im Denken und Handeln bezeichnen. Wahnsinn. Was für ein Verbrechen an der historischen Baukunst. Es offenbart jedem mit einem bißchen Rest an Verstand und Geschmack, wie billig, inhuman und verwahrlost die sogenannte "Architektur" unserer Zeit ist. Sie verdient das Wort Architektur nicht. Dieser glatte leere Klotzbau könnte ein Nebengelaß des Palast der Republik sein. Insofern bin ich sicher, daß kommende Generationen auch dieses Malignom vom Stadtschloß wieder entfernen und dem ganzen Ensemble wieder seinen vollen Charme zurückgeben werden.


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