„Die Leute trauen sich nicht“

13.02.20

Am 15. März finden in Bayern Kommunalwahlen statt. In der Landeshauptstadt München kandidiert für die AfD Iris Wassill. „Als gebürtige Münchnerin in dritter Generation liegt mir die Stadt und ihre Beziehung zum Umland besonders am Herzen“, so die Volljuristin, die bei einem Versicherungskonzern arbeitet. Wohnen, Verkehr und Kriminalitätsbekämpfung nannte sie in einer Vorstellungsrede als Schwerpunktthemen und betonte: „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, München davor zu bewahren, eine grüne politische Hölle zu werden.“ Die 50-Jährige prognostiziert der AfD ein zweistelliges Ergebnis, räumt aber Schwierigkeiten während des Wahlkampfes ein: „Wir haben Probleme, Räume und Kandidaten zu finden.“
Diese Einschätzung teilen viele Parteikollegen. „Die Haupthürde ist die geringe Mitgliederzahl“, sagt die Kreischefin von München-Ost, Christina Specht. Knapp 130 sind es insgesamt. Und von ihnen ist nur ein Teil bereit, sich aufstellen zu lassen. „Die Leute trauen sich nicht“, sagt Specht, und der Fürstenfeldbrucker Kreisvorsitzende Florian Jäger ergänzt: „Es ist eben das eine, in die Wahlkabine zu gehen. Da sieht mich keiner. Das andere ist, sich zu engagieren.“
Selbst in Hochburgen wie Rosenheim, wo die Alternative über 160 Mitglieder verfügt, war es schwierig, die Liste vollzubekommen. „Nicht jeder will sich engagieren. Das ist ein allgemeines Problem. Bei uns kommt das persönliche Risiko hinzu“, sagt der Kreisvorsitzende Andreas Winhart. Während der Landesvorstand erklärt, es sei trotz aller Widrigkeiten gelungen, in allen relevanten Gemeinden Listen einzureichen, haben die Aktivisten an der Basis zu kämpfen. „80 Prozent unserer Plakate werden zerstört. Zudem werden Gastwirte unter Druck gesetzt, und die Medien schreiben uns runter“, erklärte der Erdinger Kreischef Wolfgang Kellermann, der trotzig ankündigt: „Das macht uns aber noch stärker.“ Selbst bundespolitische Prominenz hat Probleme, angekündigte Wahlkampftermine wie abgesprochen durchzuführen. „Die Entscheidung der Wirte, uns keine Räume zu geben, fällt oft nicht freiwillig. Sie würden gerne, sind aber oft verängstigt und werden unter Druck gesetzt“, teilt die AfD mit. Am Ende hofft die Partei dennoch auf einen Wahlerfolg: „Die Zustimmung in der Bevölkerung ist sehr hoch. Und in der Wahlkabine schaut ja noch keiner zu“, sagt Winhart. Peter Entinger


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