Die Mär von Anis Amris Einzeltäterschaft

Neues Amateurvideo lässt Spekulationen über Mittäter beim Breitscheidplatz-Attentat zu

12.09.19

Ein seltsamerweise erst jetzt aufgetauchtes neues Video lässt die Vermutung zu, dass Anis Amri beim Berliner Anschlag mit Komplizen vom Tatort flüchtete. Dennoch verteidigen die Strafverfolgungsbehörden die These von der Einzeltäterschaft mit Vehemenz.
Der Anschlag des abgelehnten, aber nicht abgeschobenen tunesischen Asylsuchers Anis Amri auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 war der bislang schwerste islamische Anschlag auf deutschem Boden. Der Täter war als radikal-islamischer Gefährder bekannt und im Visier verschiedener Behörden.
Dennoch konnte er seinen verheerenden Anschlag ungestört ausführen. Auch bei der Verfolgung und Flucht des Täters vom Tatort und aus Deutschland sind erhebliche Pannen passiert, die allesamt Untersuchungsgegenstand in einem danach eingesetzten Untersuchungsausschuss waren. Die Pannenserie ging jedoch offenbar auch danach noch weiter bei den Ermittlungen zum Anschlag und der Art des Gedenkens an die Opfer und sogar im vom deutschen Bundestag 2018 eingesetzten Untersuchungsausschuss. So haben Mitglieder des Amri-Untersuchungsausschusses erst jetzt Einsicht in ein bislang unveröffentlichtes Tatortvideo erhalten. Das 34 Sekunden lange Video wurde am Abend des 19. Dezember 2016 am Breitscheidplatz während und unmittelbar nach dem Terroranschlag von Anis Amri aufgenommen.
Es handelt sich um Amateuraufnahmen, gefilmt aus einem in der Nähe befindlichen Hochhaus. Dennoch sind die Bilder scharf genug, um die bisherigen Ermittlungen und vor allem die gleich nach dem Anschlag von oben verordnete Version der Einzeltäterschaft zu hinterfragen.
An der Version der Einzeltäterschaft gab es schon gleich nach dem Anschlag Zweifel. Auf dem jetzt im Fernsehen gezeigten neuen Video ist das Geschehen rund um den Lastwagen zu sehen, mit dem Amri in die Menschenmenge raste. Dabei starben elf Menschen auf dem Weihnachtsmarkt, den polnischen Lkw-Fahrer hatte Amri bereits zuvor erschossen. Das Video zeigt die Panik und das Chaos nach dem Stop des Lkw auf der Budapester Straße. Rund 40 Meter abseits des Lkw lief eine Person mit weiß besohlten Schuhen vom Tatort weg in Richtung des U-Bahnhofs Zoologischer Garten. Ihm näherten sich drei weitere Personen, man hat den Eindruck, dass sie zusammengehörten. Die Behörden hatten bisher immer argumentiert, dass sich aus der Video-Aufzeichnung  keine wesentlichen verfahrensrelevanten Erkenntnisse oder Ermittlungsansätze ergeben. Doch daran zweifeln jetzt immer mehr Experten. Denn auf einem anderen Video einer Überwachungskamera der Berliner Verkehrsbetriebe war zu sehen, dass der Attentäter Amri rote Schuhe mit weißen Sohlen trug. Der Mann im neuen Video, der ebenfalls weiße Sohlen trägt, dem sich die drei Personen anschließen, könnte Amri sein, die anderen seine Komplizen.
Auch wenn es für die Komplizen außer dem Video keine Beweise gibt, stellen die neuen Aufnahmen Fragen nach Unterstützern für Amri am Breitscheidplatz wieder neu. Es könnten dieselben Personen sein, die ihm womöglich in den folgenden vier Tagen bei seiner Flucht quer durch Westeuropa bis Italien geholfen haben. Und dies trotz intensivster Fahndung in ganz Deutschland an den Tagen vor Weihnachten. Erst am 23. Dezember beendeten Polizisten im italienischen Sesto San Giovanni seine Flucht.
Die Frage, ob Amri Mittäter oder Helfer hatte, blieb bislang bei den Auswertungen des Ausschusses komplett außen vor und scheint die Sicherheitsbehörden auch nicht zu interessieren. Dadurch spielt die Bundesregierung mit der Sicherheit ihrer Bürger, da von mutmaßlichen Beteiligten, die nicht dingfest gemacht wurden, weiterhin eine große Gefahr ausgeht.
Dass Amri in einem Netzwerk agierte, ist auch über die Vernetzung von Amri ins Salafistenmilieu rund um die Berliner Fazilet-Moschee bekannt geworden. Auch Vernetzungen mit den französischen und belgischen Attentaten von 2015 und 2016, die zumeist von französischstämmigen Nordafrikanern, wie Amri, verübt wurden, wurden mehr als deutlich.      Bodo Bost


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.