Die Maske rutscht

Was wir nicht mehr haben möchten, was ein »breites« Bündnis ausmacht, und was passiert, wenn die Bürger ihre Angst verlieren / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

11.01.15
Zeichnung:Mohr

Ab jetzt wird eingeheizt! In der „Bild“-Zeitung vom Dienstag haben 50 Prominente laut „Nein zu Pegida“ gesagt. Politiker aller etablierten Parteien, Verbands- und Kirchenfürsten, Gewerkschafter, Sportler, Arbeitgebervertreter und Künstler werfen sich vor Courage bebend ins Gefecht. Der Schauspieler Michael Gwisdek ist auch dabei. Er fühle sich angesichts von Pegida „in ein Deutschland versetzt, das ich noch miterlebt habe, aber nie wieder haben möchte“.
Obwohl er bei Kriegsende erst drei Jahre alt war, meint er vermutlich den NS-Staat. Ja, das war schlimm damals. Kurz vor der Machtübernahme durch die Nazis versank Deutschland in bürger­kriegsähnlichen Zuständen, dann begann der offene Terror.
Erzählungen aus solchen Tagen lassen einen schaudern. Etwa die hier: Da rauften sich 14 Bürger zusammen, um gemeinsam etwas für ihr Land zu tun. Es wurde ein Höllenritt. Erst einmal fanden sie kein Lokal, in dem sie sich treffen konnten. Überall rannten sofort finstere Schlägertrupps herbei und bedrohten Gastwirte, subversive Elemente auf keinen Fall in ihre Gaststätte zu lassen, sonst ... Die Wirte verstanden die Drohung. Einer nach dem anderen sagte den wackeren 14 ab.

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Die ließen sich nicht beirren und trafen sich darauf heimlich in einer Hotelbar. Doch die Rollkommandos bekamen auch das spitz. Prompt rotteten sie sich vor der Herberge zusammen und trommelten martialisch mit aller Macht gegen die Fensterscheiben. Schließlich drangen sie in die Hotelhalle ein und schoben die beiden Polizeiposten, welche die 14 schützen sollten, beiseite. Erst als ein Beamter seine Waffe zückte, wichen sie zurück, schmissen aber noch einen Silvester-Sprengsatz zwischen die 14 Versammelten. Die mussten danach von der Polizei nach Hause eskortiert werden, weil ihnen die gewaltgierige Rotte immer noch auflauerte.
Nein, lieber Michael Gwisdek, so etwas wollen wir in Deutschland „nie wieder haben“. Das Dumme ist, wir haben es längst. Was sich liest wie eine Erzählung vom Schicksal der letzten Aufrechten Anfang 1933 ist in Wahrheit der Erlebnisbericht eines Bürgers, der in Frankfurt am Main dieser Tage einen Ableger von Pegida namens „Fragida“ gründen wollte.
Halt! Das kann man nicht vergleichen. Immerhin landet heute wegen Pegida keiner im Knast oder gar im Lager und außerdem wurde die Polizei damals wie alle staatlichen Stellen zum ideologischen Instrument der neuen Herren degradiert, während sie heute weltanschaulich streng neutral ist, wie es sich für das hoheitliche Organ eines Rechtsstaats geziemt.
Oder? Nun ja, lesen Sie mal das hier: „Ich kann den demokratischen Protest gegen den Aufzug von Pegida gut verstehen. Hetze gegen Flüchtlinge und Muslime ist Hetze gegen Humanität und alle gläubigen Menschen.“ Woher wir das haben? Aus einer Erklärung der Linkspartei? Der Antifa? Nein, das ist ein wörtliches Zitat des Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers, veröffentlicht in einer Pressemitteilung der Kölner Polizei. Über die Aktion von Erzbischof Woelki und Domprobst Feldhoff, die Beleuchtung des Doms als Protest gegen Pegida auszuschalten, schwärmt Albers im gestanzten Ton von Antifa-Pamphleten: „Licht aus für Rassisten ist eine kreative, gewaltfreie Aktion, um sich klar gegen Fremdenfeindlichkeit zu positionieren!“ Darüber „freue“ er sich „sehr“.
Da klärt sich manches bislang Unerklärliche plötzlich auf. Aus Kölns Nachbarstadt Bonn berichten Demonstranten, dass im Dezember von rund 1000 angereisten „Bogida“-Freunden nur etwa 300 zum Demo-Platz gelangt seien, weil die Polizei die übrigen 700 nicht durchgelassen habe. „Passt scho’!“, möchte man nach dem Albers-Zitat auf gut Bayrisch dazu sagen. Staats- und Konzernmedien freuten sich diebisch, dass Bogida wegen der geringen Teilnehmerzahl als ziemlicher Reinfall geendet sei. Ja, alle ziehen an einem Strang in jenem „breiten Bündnis gegen Pegida“, auf das die Obrigkeit so stolz ist. „Breit“ in jeder Hinsicht: Im Netz kursiert ein Foto des Kölner Oberbürgermeisters Jürgen Roters, wie er auf der Anti-Pegida-Demo posiert vor einem Schild mit der Parole „Kiffen gegen Rechts“. Gleich daneben ermuntert ein weiteres Schild zum „Wixen gegen Nazis“.
Bei der „Bild“-Aktion exponiert sich auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Bis er sich mit den Grünen verbündete, galt der Mann übrigens als „Konservativer in der CDU“, das nur am Rande. Bei „Bild“ bietet Bouffier gegen Pegida auf, was er in Sachen „differenzierte Kritik“ und „Dialog mit dem Bürger“ im Ärmel hat: „Für Dumpfbacken-Parolen, Intoleranz und Gewalttätigkeit gibt es kein Verständnis.“ Damit geht der Vorwurf der Gewalttätigkeit also an die 14 Hessen, welche in Frankfurt durch die Stadt gejagt wurden, nicht etwa an ihre Jäger von der Antifa. Bravo! Ein Konservativer? In der Stunde der Not rutschen die Mas­ken vom stressverschwitzten Gesicht.
Immerhin können die Pegida-Fresser seit vergangenem Montag wieder etwas ruhiger schlafen, was fürs kraftvolle Weiterhetzen schon aus Gründen der Kondition unerlässlich ist: Unter Aufbietung aller Kräfte schafften es die Mächtigen, mehrere tausend Menschen gegen die Bürgerbewegung auf die Straße zu bringen.
Ein von Anfang an erhobener Vorwurf gegen Pegida ist bekanntlich, dass diese Typen vor „Islamisierung“ warnen, obwohl es in Dresden kaum Moslems gebe. Das zeige doch, wie hergeholt diese Bewegung sei. Das meinten auch die 8000 Demonstranten, die gegen Pegida in Stuttgart aufmarschiert sind, wo es noch nie eine Pegida-Kundgebung gegeben hat.

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Ich weiß, das ist jetzt eine gemeine Retourkutsche. Die Anti-Pegida-Marschierer haben es schließlich in vielerlei Hinsicht nicht leicht. Die meisten stammen aus dem linken Demo-Milieu, wo man sich viel darauf einbildet, stets und ständig im „Widerstand“ zu sein. Das Gefühl, nunmehr auf Geheiß der Mächtigen, bis hinauf zur Kanzlerin und zum Bundespräsidenten, unterwegs zu sein, müsste eigentlich schmerzhaft am Selbstverständnis dieser „Widerständler“ nagen, so sie denn noch eines haben.
Über eine der vielen kleinen Pegida-Versuche, die im Geschrei der Gegendemo untergingen, lästert eine Zeitung, wie jämmerlich die Pegidas mit ihren primitiven Pappschildchen ausgesehen hätten gegen das stolze Fahnenmeer der perfekt ausgestatteten Anti-Pegida-Demonstranten. Das muss ein Fest gewesen sein.
Moment: Kennen wir das nicht irgendwoher? Perfekt ausgerüstete Marschierer mit staatlichem Auftrag gegen ein klägliches Häuflein Bürger mit selbstgebastelten Schildchen? Und ob wir das kennen. Wir wissen auch, wie es ausgegangen ist: Die mit den Schildchen haben gewonnen, damals, vor gut 25 Jahren.
Böse Parallele! Der arme Anti-Pegide hat noch mehr auszuhalten: Er marschiert durch ein Meer von Zuschauern, von denen laut Umfrage jeder zweite mit Pegida sympathisiert, aber nicht einmal jeder vierte mit ihm. Das ist die Krux, wenn eine Minderheit die Mehrheit derart unter der Knute hat, dass die Mehrheit sich nicht mehr heraustraut. Man marschiert am Ende ins Leere, dreht sich im Kreis um sich selbst und seine Parolen und steht da wie der einsame Schreihals, den die anderen nur reden lassen, weil er der Lauteste ist, während sie innerlich mit dem Kopf schütteln.
Gut, damit könnte man leben, wenn es dabei bleibt und die Macht in den „richtigen“ Händen verharrt. Doch, wie gesehen, lehrt die Erfahrung: Irgendwann reicht es den Schweigenden, irgendwann verlieren sie ihre Angst vor Gewalt und Verleumdung. Dann kommen sie heraus aus ihren Häusern und schieben den Schreihals beiseite, dem vor Schreck der Atem stockt.
In dem Moment kann es ganz schnell vorbei sein, und die stolzen Fahnen der Staatsdemonstranten wandern ins Museum für historische Irrtümer. 


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Kommentare

Chris Benthe:
13.01.2015, 08:34 Uhr

Großartiger Artikel.Spricht mir ganz und gar aus der Seele. Danke.


W. Scholz:
13.01.2015, 03:35 Uhr

Ich habe heute bei hart aber fair folgenden Kommentar um 22:05 eingestellt:
Die Fr. Hübsch unterstellt also den Deutschen Sexismus. Ich habe mit meiner Freundin München am FKK gelegen, am Feringasee in München, und 4 Araber sind in einer halben Stunde 5/6x durch den Bereich gelaufen und es sind ihnen die Augen bald rausgefallen - kein Sexismus Fr. Hübsch?
Und wenn dt. Gerichte Morde durchgehen lassen weil sie von Muslims begangen werden so ist das Unterwanderung.
Und wenn eine dt. Richterin einen Kindervergewaltiger milde bestraft weil er sich in einem 'Verbotsirrtum' befand so sollte man die in die gleiche Zelle sperren. Und was ist mit der libanesischen Großfamilie in Bremen vor der Polizei und Justiz kuschen und der Innensenator in einem Interwiev keine Stellung dazu bezieht sondern sich herauswindet.
Und ein Freund bekahm vor einer Kneipe von hinten einen Maßkrug über den Schädel gezogen, darauf gab es eine Prügelei. Vor Gericht wurde der Deutsche vom Staatsanwalt als Neonazi bezeichnet nur weil er kurze Haare hat. Der Deutsche hat soziale Stunden bekommen der Türke eine Ermahnung, daß man das in Deutschland nicht macht (in Dt geboren!). Das ist die befürchtete Islamisierung Deutschlands - das kuschen vor der Gewalt, ohne Not, vorauseilender Gehorsam!
Andererseits hatte ich einen türkischen Arbeitskollegen der von Fürstenfeldbruck aufs Dorf gezogen ist damit seine Kinder nicht mit Türken rumhängen wenn sie aufwachsen. Der ist integriert, einen Kalifen von Köln oder einen 'Fall Mohamed' hier aus München (der jetzt wieder einreisen will und sein Jahr Strafe absitzen möchte) werden wir in 100 Jahren nicht integrieren können. Ebenso wenig wie die ca. 60% der Muslime für die der Koran die Maxime ist und Gesetze als läßliches Übel ansehen. Vielleicht sind deshalb Politiker so für deren Integration weil auch für sie Gesetze läßlich sind.


Emanuel Raitmayr:
12.01.2015, 23:46 Uhr

Bravo Herr Heckel, sie sagen es, die Minderheit hat die Mehrheit noch politisch/moralisch unter der Knute aber dank Pegida wird sich das nicht mehr so leicht zurück halten können... Auch wenn diese Linke Minderheit alles, wirklich alles in die Waagschale wirft um den zündenten Funken in der trockenen Scheune nicht aufkommen zu lassen so wird auf kurz oder lang dies nicht gelingen! Ich wünsche der Preußischen Allgemeine ein erfolgreiches jahr und hoffe das diese Zeitung wie ein Stein in der Brandung gegen die gesteuerten Medien erfolgreich und stark besteht! Schöne Grüße aus Tirol, anbei werde ich noch eine Anerkennungszahlung tätigen um eine wirklich unabhängige Zeitung aus der Mitte Deutschkands zu stützen!


Peter Lustig:
12.01.2015, 23:37 Uhr

Es wird immer auf den geringen Anteil von Moslems und Sozialmigranten in Dresden verwiesen, dann kommt die Frage, was wollen die Dresdner? Dort ist ja nichts los?
Noch ist nicht viel los, aber das kommt, und das haben die Dresdner geschnallt. Man kann es in Bonn, Köln, Hamburg, Bremen, Berlin usw. ganz deutlich sehen. In diesen Gegenden ist alles zu spät, dort ist Deutschland bereits verloren. War man dort zu faul oder zu dumm das kommende Unheil zu sehen?


Manfred Hessel:
12.01.2015, 08:57 Uhr

Das Foto " Wixxen gegen..." und " kiffen gegen... " haben wir uns aufgehoben. Es soll uns tagtäglich daran erinnern was wir für kranke Politiker haben. Kein normaler Mensch würde sich so abartig zur Schau stellen.


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