Ein Trauma der Deutschen wird begründet

Schrankenlose Geldvermehrung machte vor 90 Jahren die Einführung einer neuen Währung, der Rentenmark, nötig

15.11.13
Rentenmark-Ausgabe: Warteschlange in Berlins Oberwallstraße. Bild: Archiv

Im Sommer 1923 hatte die Inflation in Deutschland ein unvorstellbares Ausmaß erreicht. Hausfrauen schleppten Taschen voll Geld zum Einkaufen. Sie mussten sich beeilen, denn die Preise stiegen an manchen Tagen im Stundentakt. Im Juni kostete ein Ei 800 Mark, ein Liter Milch 1440 und eine Fahrt mit der Straßenbahn in Berlin 600 Mark. Geschäftsleute horteten ihre Waren, es kam zu Plünderungen. Viele Theater und Kinos ließen sich die Eintrittskarten mit Naturalien bezahlen. Die besten Plätze kosteten ein Pfund Butter, die hinteren zwei Eier. Was nutzte es, dass ein Handwerker am Monatsende 150000 Mark nach Hause brachte und Professoren Millionengehälter bezogen, die Inflation stieg immer schneller als die Löhne. Ebenso rasant verlor die deutsche Währung im Ausland an Wert. Zuletzt musste man für einen US-Dollar 4,2 Billionen Mark bezahlen.
Die Hyperinflation war der Preis, den die Deutschen für den verlorenen Krieg bezahlten. Sie hatten eine doppelte Schuld zu begleichen: die immensen Kosten der Kriegsführung und die Reparationen, die ihnen die Alliierten im Versailler Vertrag von 1919 aufbürdeten. 1921 wurde die Schadenersatzforderung im sogenannten Londoner Schuldenplan auf 132 Milliarden Goldmark, das entspricht 47000 Tonnen Gold, festgesetzt. Außerdem verlangten die Sieger einen Anteil von 26 Prozent an den Erlösen des deutschen Exports. Vor allem die Franzosen steuerten den harten Kurs gegen ihren „Erbfeind“, dem sie die Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 nicht verzeihen konnten.
Die Forderung war unerfüllbar. Die deutsche Wirtschaft lag bald am Boden, die Zahl der Arbeitslosen stieg auf fast 30 Prozent. Dafür liefen die Geldpressen des Staates Tag und Nacht. Im November war der höchste Geldschein 100 Billionen Mark „wert“. Die von Krisen geschüttelte Weimarer Republik stand vor dem Ruin.
Am 13. August 1923 wurde der Liberale Gustav Stresemann zum Reichskanzler gewählt. Er leitete zusammen mit dem Reichswährungskommissar und späteren Präsidenten der Reichsbank Hjalmar Schacht die Vorbereitungen für eine Währungsreform ein, die stabile Verhältnisse und bessere Lebensbedingungen in Deutschland schaffen sollte. Da der Staat nicht über genügend Goldreserven verfügte, wurde die neue Währung, die Rentenmark, durch eine Grundschuld gedeckt, für die das gesamte deutsche Gewerbe, die Industrie und die Landwirtschaft mit Grund und Boden im angenommenen Wert von 3,2 Milliarden Rentenmark hafteten. Die am 15. Oktober gegründete Deutsche Rentenbank sollte als unabhängiges öffentlich-rechtliches Kreditinstitut den gewaltigen Währungsschnitt steuern. Am 15. November wurde die neue Rentenmark ausgegeben. Sie ersetzte die Papiermark, seit 1919 Zahlungsmittel der Weimarer Republik.
Die Reform war die größte Geldvernichtungsaktion, die jemals in einer Industrienation stattfand. Für eine Billion Papiermark gab es nach Streichung von zwölf Nullen eine Rentenmark. Die Menschen brachten säckeweise Geld zu den Ausgabestellen. Die Geldscheine, die sie dafür erhielten, passten in jedes Portemonnaie. Komplette Ersparnisse hatten sich in nichts aufgelöst. Zudem wurden die Kriegsanleihen aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurückgezahlt. Fein heraus waren nur diejenigen, die „Betongold“ – Immobilien und Ländereien – besaßen oder Schulden hatten. Die leidgeprüften Deutschen fügten sich in ihr Schicksal. Mancher heizte den Ofen mit dem Papiergeld an, so erfüllte es wenigstens noch einen Zweck. Die Scheine mit Billionenwerten sind heute begehrte Sammelobjekte.
Von der Skepsis, die viele Bundesbürger der Umwandlung der Deutschen Mark in den Euro, den „Teuro“, entgegenbrachten, war bei der Einführung der Rentenmark nichts zu spüren. Die Menschen vertrauten darauf, dass sie aus der Krise herausführen würde. Tatsächlich war die Währungsreform der entscheidende Schritt zu einer wirtschaftlichen Blütezeit. Die Zeitungen schrieben über das „Wunder der Rentenmark“. Die neue Währung war nur als Überganglösung geplant und sollte in die Reichsmark übergehen. Sie brachte die fiskalische Voraussetzung für eine Änderung der Reparationen. Ein internationaler Expertenausschuss unter Leitung des US-amerikanischen Bankiers und späteren Vizepräsidenten der USA Charles Dawes (1865–1951), erarbeitete einen neuen Finanzierungsplan, der die Zahlungen an die wirtschaftliche Leistung Deutschlands knüpfte. Kredite aus dem Ausland, vor allem aus den USA, und Investitionen sollten Deutschland wirtschaftlich auf die Beine helfen. Für den nach ihm benannten Plan erhielt Dawes 1925 den Friedensnobelpreis.
Schon ein Jahr nach der Einführung der Rentenmark und dem strikten Sparkurs der Regierung hatte sich die Situation im Deutschen Reich so entspannt, dass die Reichsmark als endgültige Währung eingeführt werden konnte. Sie war im Wesentlichen durch Gold gedeckt und notierte zum Dollar mit 4,2 Mark, genauso wie zu Vorkriegszeiten. Die Rentenmark sollte eigentlich nach und nach eingezogen werden. Sie blieb aber als gleichwertiges Zahlungsmittel im Umlauf, da die Regierung die Bürger nicht verunsichern wollte. Auf den Scheinen der Parallelwährung befanden sich keine deutschen Hoheitszeichen. Das offizielle Kürzel für beide Währungen war RM. Die letzten Rentenmarkscheine zu ein und zwei RM wurden am 5. September 1939 ausgegeben. Sie waren bis zur Währungsreform 1948 in den alliierten Besatzungszonen gültig.
Die Reichsmark läutete die sogenannten goldenen 20er Jahre ein. Von 1924 bis 1929 wuchs das Produktionsvolumen um 50 Prozent. Kunst und Wissenschaft blühten auf, und Berlin wurde zu einer glitzernden Metropole. Die Weltwirtschaftskrise beendete 1929 mit dem Börsenkrach in New York den Höhenflug. Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen bereiteten den Boden für den Aufstieg der Nationalsozialisten. Klaus J. Groth


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Kommentare

Gerald Franz:
3.12.2013, 11:25 Uhr

Werter Herr Klaus J. Groth!

Leider wurde von Ihnen die große Chance zur Volksaufklärung der Deutschen vertan! Denn in ihrem Artikel werden nur die politisch korrekten Besatzungsmären wiederholt, die in jedem Schulbuch abgedruckt werden müssen.

Ersten: Sie erklären nicht einmal ansatzweise den Zusammenhang zwischen Geld und Wirtschaft! Das taten zum Beispiel sowohl theoretisch als auch praktisch die Herren Silvio Gesell und Adolf Hitler.. Gesell beweist seine Theorie in dem Wunder von Wörgl mit dem Freigeld von 1930 bis 1932. Und Hitler mit der spontanen Beseitigung von 6 Millionen Arbeitslosen von 1933 bis 1937. Der interessierte Leser möge sich informieren!

Zweitens: Falsches wird berichtet, wenn Sie unterschlagen, daß die Intrigeninsel nach dem Versailler Verrat auch die Geldpolitik des Deutschen Reiches diktierte. Zur freundlichen Erinnerung: So wie das Hirn Sauerstoff zum Denken benötigt, so benötigt die Wirtschaft Bargeld zur Produktion. Im Gegensatz zu heute, wußten die Deutschen das noch anno 1919 sehr gut. Darum investierten sie es, wie auch später 1932 in Wörgl, nicht in tote Steine sondern in eine lebendige Produktion.

Drittens: Weil das Deutsche Reich im Kriege 14/18 eine beispielhafte Industrieproduktion geschaffen hatte, wurde von der City of London beschlossen, diese sofort zu schleifen und zu deindustrialisieren. Hinweis: Die neue Sowjetunion unter Lenin übernahm genau diese deutsche Kriegswirtschaft von 1918, weil sie hinsichtlich ihrer Effektivität im weltweiten Vergleich an der Spitze aller Wirtschaftssysteme stand.

Viertens: Im Gegensatz zur späteren archaischen Demontage 1945 bis 1953 benutzen die Angloamerikaner anno 1919, also mitten im Frieden, neben der satanische Hungerblockade, bei der Millionen Deutsche starben, die einfache Methode der Geldverknappung, um den deutschen Wirtschaftkreislauf zu drosseln und zu kontrollieren. Weil es der deutschen nationalen Regierung per Versailler Diktat verboten war, die offizielle Umlaufgeldmenge zu erhöhen, schufen die findigen Deutschen zusätzlich völlig neue Banken, welche neben den offiziellen von der Intrigeninsel kontrollierten Geldinstituten, ihrerseits zusätzliches Geld in Umlauf brachten. Es handelte sich um die Postbank und Bahnbank. Jede Poststelle und jeder Bahnhof wurde nun Bank und vergab an Handel, Handwerk, Bauern und Gewerbe überschaubare abgesicherte Kredite. Das Ergebnis war für die Verantwortlichen pekuniär großartig und moralisch überwältigend; denn die deutsche Wirtschaft produzierte mit diesem Umlaufgeld eine Menge an Wirtschaftsgütern wie nie zuvor!

Fünftens: Die Intrigeninsel betrachtete diese Form des deutschen Kreativismus natürlich als Kapitalverbrechen. Schon bald verbot sie den von ihr kontrollierten deutschen Geldinstituten die Annahme dieses Neugeldes der Postbank und Bahnbank. Denn britisches Kriegsziel war es ja, daß Deutschland als Wirtschaftmacht vernichtet wurde. Diese, das Umlaufgeld einschränkende Maßnahme, war dann auch das politisch korrekte Ende des kurzen Nachkriegswirtschaftsbooom von 1919 bis 1922. Abertausende Kleinbetriebe standen praktisch vor werthaltigen vollen Warenlagern, die sie nicht verkaufen konnten, weil das für ihren Ankauf von der Reichsregierung eigens geschaffene Geld willkürlich von den Angloamerikanern vernichtet wurde. Ein Betrieb nach dem anderen konnte seine finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen und wurde von Amts wegen geschlossen. Erst damit begann die Wirtschaftkrise.

Sechstens: Die deutsche Inflation war dann die letzte Folge dieser von den versailler Friedensaposteln geplanten Produktionsverhinderung. Da nun Staatseinnahmen wie Steuern und Abgaben ausblieben, konnten die deutschen Behörden und Kommunen ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. In ihrer Verzweiflung druckten Länder, Städte und Gemeinden eigenes nur regional gültiges Notgeld. Dazu waren die einzelnen deutschen Körperschaften trotz Versailles rechtlich befähigt. Mit diesem Zahlungsmittel konnte zwar die überregionale Wirtschaft nicht arbeiten, es reichte aber zunächst völlig aus, um damit im nahen Konsum oder beim Bauern überlebenswichtige Dinge einzukaufen. Selbstvertändlich waren mit dieser Zweitwährung weder Devisen noch Importware zu erwerben. So blieb es mehrheitlich ungenutzt in den Firmenkassen und wuchs dort von kleinen losen Häufchen über feste Bündel zu großen Ballen. Bald gab es Geld im Überfluß aber keine werthaltige Waren und Wirtschaftsgüter, die man damit bezahlen konnte. Ein überregionaler Warenkreislauf und der damit fest verbundener Geldkreislauf fanden nicht mehr statt. Der Wert dieses neuen Geldes verkam damit zum bedruckten Papier und billigen Heizmaterial.

Siebentes: Wer statt des deutschen Notgeldes über einen Dollar verfügte, das war ein gemachter Mann, denn der Dollar war als goldgecktes Zahlungsmittel von der deutschen Geldscheinvermehrung, genannt Inflation, nicht betroffen. Jemand, der Verwandte in den USA hatte, und von dort mit Dollars bedient wurde, der konnte sich in den Inflationsjahren komfortabel mit prächtigen Dingen unverschuldeter deutschen Schuldner eindecken. Deutsche, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, zogen sich schnell den Unmut des einfachen Volkes zu. Erst als die City of London merkte, daß Deutschland ohne einen minimalen Geldumlauf nicht fähig war, die nötige Warenmenge zu produzieren, mit der es seine gigantischen Reparationsverpflichtungen erfüllen mußte, da reagierten die Angloamerikaner und schufen die Rentenmark. Dabei handelte es sich praktisch um eine reine Veranstaltung der privaten US-Bank mit dem Namen FED. Nur die Amibank ganz alleine bestimmte weiter über die Höhe der deutschen Geldmenge. Wenn Deutschland mehr produzieren sollte, wurde die Geldumlaufmenge erhöht, und wenn Deutschland weniger produzieren sollte, dann wurde die Geldumlaufmenge künstlich wieder verringert. Mit der Regierungsübernahme durch Herrn Hitler wurde diese fatale Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von der FED durch die praktische Wiedereinführung des Tauschhandels abgeschafft. Für fertig gestellte Waren gab es ab 1934 vom Deutschen Reich so gut wie zinslose staatliche Zwischenkredite in Form der Mefo-Wechsel. Damit konnte die FED-Bank im NS-Staat keine Kredite mehr platzieren. Und Zinsen erlangten in Deutschland eher die Bedeutung einer finanziell erträglichen Bearbeitungsgebühr. - Es steht übrigens alles in den damaligen offiziellen Zeitungen. Man begebe sich einfach in die Stadtbücherei oder das Stadtarchiv und lese die Zeitungen von 1918 bis 1934!


Gernot Schmidt:
26.11.2013, 12:14 Uhr

Klaus J. Groth hat im letzten Absatz zweimal das Wort "wieder" vergessen; denn Kunst und Wissenschaft, sowie das beschriebene glitzernde Berlin hatten bereits vor dem Kriege Weltgeltung.
Daneben scheint der Dawes-Plan nicht so uneigennützig gewesen zu sein, wie angenommen werden kann. Wäre es im Frühjahr 1917 zu einem "Erschöpfungsfrieden" gekommen, hätten die USA die während des Krieges aufgelaufenen Kredite an Frankreich und England ganz oder zumindest größtenteils abschreiben können. Ein Sieg erhielt die Zahlungsfähigkeit der Entente, da man sich an Deutschland schadlos halten konnte, das wiederum - geschwächt - auf Hilfe angewiesen war. Kredite waren nie eine Hilfe sondern nur Mittel zur Erzeugung von Abhängigkeiten.


Jörn Gebert:
19.11.2013, 11:12 Uhr

Das gleiche Schicksal wir den Euro und Dollar treffen. nur nicht über Jahre verteilt, sondern in einer Eruption über Nacht. So wiegt sich die Masse mit Ihren Ersparnissen in Sicherheit und wir daher auch fast alles verlieren. Am Ende hilft uns nur eine an Gold und Silber orientierte Währung, so das diese Schuldenexzesse nicht mehr möglich sind. Nach einer harten "postinflationären" Depression sollte sich Deutschland dann erholten. Nötig ist es hierzu, natürlich die Steuern auf Niveau Preussen zu senken. Also zwischen 5 und 10 Prozent.


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