Energiewende schöngeredet

DIW-Studie für Greenpeace verharmlost Kosten des grünen Experiments – Preisexplosion wird geleugnet

16.07.12
Teure Fehlinvestition: Brennende Windkraftanlage im Windpark Wulfshagen bei Kiel. Bild: action press

Erneuerbare Energie ist nach einer aktuellen Greenpeace-Studie günstig zu haben: Der Atomausstieg beeinflusse die Kosten kaum. Schuld an der stockenden Energiewende und dem bisherigen Preisanstieg sei vielmehr die Bundesregierung, so das Gutachten.

Unternehmen geben sich mitunter ökologisch und ethisch korrekter, als es ihre Produkte bei kritischer Prüfung erlauben. Diesen Trend, sich grünzuwaschen (engl.: „Greenwashing“), attackieren Umweltschützer wie Greenpeace seit Jahren. Nun hat Greenpeace Deutschland, längst selbst ein Unternehmen, beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie in Auftrag gegeben. Das Papier zeichnet die Chancen für kostengünstigen, sauberen und grünen Strom in rosigen Farben. Konkret geht es in dem Gutachten um die Kosten der Energiewende in Deutschland. Anfang des Jahres warnte nämlich die Industrie vor deren hohen Kosten, trotz abfedernder Ausnahmeregeln: „Deshalb ist es fahrlässig zu behaupten, dass die Energiewende allenfalls ein paar alten Industrien die Existenz kosten werde“, so der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. Arbeitsplatzverlust und Deindustrialisierung, Letzteres von EU-Energiekommissar Günther Oettinger im Mai kritisiert, droht laut Wirtschaftsexperten daher vor allem wegen der hierzulande vergleichsweise hohen Stromkosten, angefeuert durch den Atomausstieg. Nun stellte Claudia Kemfert, Mitverfasserin des neuen Greenpeace-Papiers und Leiterin des Bereichs Energie, Verkehr, Umwelt am DIW, abweichend fest, es sei „keine Strompreisexplosion zu erwarten“. Außerdem gelte: „Ein möglicher Strompreisanstieg kann durch Energieeffizienzverbesserungen deutlich abgemildert werden.“
Sparen soll demnach weiteren Preisanstieg und drohende Versorgungsengpässe infolge der Abschaltung von (Kern-)Kraftwerken verhindern. Wie das Grundproblem der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei steigenden Preisen für grüne Energien gelöst werden kann, erklärt die neue Studie nicht. Die Großindustrie habe enorme Möglichkeiten zum Stromsparen, hieß es nun bei Vorstellung der Studie pauschal. Demnach sei bis zum Jahr 2020 mit einem Aufschlag von gerade einmal 0,2 bis 0,6 Cent pro Kilowattstunde auf den Großhandelspreis für Strom zu rechnen. Das entspreche einem Preisanstieg zwischen vier und zwölf Prozent, rechnet das DIW vor.
Die Deutsche Energieagentur Dena schätzte im Dezember hingegen den Anstieg auf rund 20 Prozent bis 2020. Auch die Bundesnetzagentur rechnet mit höheren Preisen als die Umweltschützer. Tatsächlich zahlen deutsche Verbraucher für eine Megawattstunde Strom bereits 80 Euro. In Italien sind es beispielsweise nur 60 und in den USA umgerechnet nur gut 40 Euro. Die Umweltaktivisten haben indes laut ihrer Studie vor allem das nationale Klimaschutzziel von 40 Prozent weniger Kohlendioxydausstoß bis 2020 im Blick. Um das zu erreichen, sollen Stromproduzenten gut die Hälfte weniger Treibhausgase produzieren, fordert die Studie nun. Bei Abschaltung der Atomkraftwerke sei dies nur im Rahmen eines funktionierenden europäischen Emissionshandels möglich, behauptet das Papier.
Statt einen kritischen Blick auf die realen Möglichkeiten sauberer Kraftquellen zu werfen, spricht Greenpeace sich so für noch mehr Bürokratie aus. Erst damit „würden die Investitionen in Kohlekraftwerke unattraktiv und emissionsärmere Gaskraftwerke begünstigt“, so die Empfehlung. Diese ist maßgeschneidert auf die Greenpeace-Forderung, Gaskraftwerke als Brückentechnik einzusetzen bei gleichzeitiger Abschaltung aller Atomkraftwerke bis 2015. Erst vor wenigen Wochen hatte sich Greenpeace für die Abschaltung sämtlicher Kohlekraftwerke ausgesprochen und Gaskraftwerke als vorübergehenden Ersatz gefordert, und zwar ungeachtet der Tatsache, dass deren Bilanz beim Kohlendioxyd kaum geringer ausfällt. Die Entscheidung fiel mit dem Bekanntwerden neuster Daten zu Deutschlands jüngst steigendem Kohleverbrauch zusammen. Das Beratungsunternehmen Ecofys berechnete daraufhin im Auftrag von Greenpeace für alle 140 deutschen Kohlekraftwerke, wie viel Strom diese noch liefern dürfen und wann sie vom Netz zu nehmen sind.
Die aktuelle Studie geht noch weiter. Wenn ein funktionierender Emissionshandel mit einer erfolgreichen Effizienzpolitik vereint werde, würde der Schadstoffaustoß im Stromsektor im Jahr 2020 um 48 Prozent geringer ausfallen als jetzt, im Jahr 2030 sogar um 64 Prozent. Falls es anders kommen sollte, benannte Greenpeace-Energie­experte Niklas Schinerl auch schon einen Schuldigen: „Wenn die Strompreise steigen, ist nicht der Atomausstieg der Sündenbock, sondern Wirtschaftsminister Rösler.“ Die schiere Hoffnung auf beständig weitere Stromsparmöglichkeiten bestimmt so den Blick auf die Energiewende. Sverre Gutschmidt


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Kommentare

W. Scholz:
16.07.2012, 23:38 Uhr

Diesen Kommentar habe ich schon mal auf der BR-Seite über E10 eingestellt. Aber immer noch aktuell in der CO2 Diskussion:

Wo kommt denn der "Bio"sprit her? Nicht wie in Schweden aus den vorher nicht genutzten Waldwirtschaftsabfällen, sondern aus Lebensmitteln! Wir verfahren das was Andere essen müssen und jetzt wesentlich teurer einkaufen. Für unseren Sprit werden Urwälder gerodet und Tiere ausgerottet. Wo bleibt da der Grünenprotest! Wir können dann aber bei "Brot für die Welt" unser gutes Gewissen durch Ablaß erkaufen. Wer ist bei uns der Ablaßverkäufer - Al 'Tetzel' Gore der mit einer Firma für CO2- Zertifikate Millionen verdient?! Dadurch hat er aber auch genügend Geld um mit Gas seinen Pool ganzjährig auf Badetemperatur zu halten.
In den 20iger Jahren wurde in Dt. ein Versuch gestartet in dem Kraftwerksabgase über Rohre in Felder geleitet wurden. Ergebnis: 4fach höherer Ertrag durch das "Giftgas" (lt. Obama) CO2!! Damals wurde festgestellt, daß aber wegen genügend vorhandenen Lebensmitteln das einführen nicht nötig ist.
Aber meine Autoabgase haben in den letzten 20 Jahren zu einer 2°C Erhöhung auf dem Mars geführt - ich schäme mich ja so dafür. Und nicht nur der Mars ist wärmer geworden, auch der Planetoid Eris im Kuipergürtel ist wärmer, der Saturnmond Enceladus, ebenso ein Jupitermond. Mea culpa, mea culpa mea maxima culpa!!! Und das alles nur wegen Nicht-Bio-Sprit Einsatz.
Wieso werden uns als vernunftbegabten Menschen dermaßen hohle Wissenschaftsargumente vorgesetzt? Etwa deshalb weil Nach- und auch Vordenken Zeit erfordert und wir dermaßen unter Streß gesetzt werden daß wir Menschen eigentlich keine Freizeit mehr haben?
Dr. T.V. Segalstadt von der Universität Oslo:
"Mindestens 96% des derzeit in der Atmosphäre befindlichen CO2 ist nichtfossilen Ursprungs, d.h. es ist marinen oder juvenilen (vulkanischen) Ursprungs. Was den CO2-Haushalt der Atmosphäre angeht, sind Gasabscheidungen marinen und juvenilen Ursprungs weit wichtiger und die Verbrennung von Treibstoffen und Material biologischen Ursprungs weit weniger wichtig als bisher angenommen."
Dieses Zitat stammt aus einem Papier, das Segalstadt 1992(!!!) auf der Chapman-Konferenz in Hawaii zum Thema "Klima und vulkanische Aerosole" vorlegte.
Man weiß daß die ersten 20ppm CO2 einen Temperaturanstieg von 1,8°C macht, 20-40ppm 0,3°C, 40-60ppm 0,2°C […] 400-420ppm nur ca. 0,05°C.
Daher werde ich erst E10 tanken wenn es nichts anderes gibt, selbst wenn mein Auto E10 vertragen würde. Wir müssen doch nicht jeden Schmarrn mitmachen - boykottiert den Blödsinn!.
PS. Ich habe einen Videorecorder der zwischen eingeschaltet und ausgeschaltet eine Differenz von 20 Watt hat. Es wird Zeit daß jemand einen AUSschalter erfindet der Geräte stromlos macht, - eine Herausforderung an Ingeneure.

PS: Wieso werde ich in einer dt. Zeitung auf englisch aufgefordert was einzugeben. Was soll der Sch... . Ging doch früher auch auf deutsch, und nach einer Beschwerde über das Duzen auch mit dem höflichen Sie.


Dietmar Fürste:
16.07.2012, 08:44 Uhr

Da der Ablasshandel mit CO2 Emissions-Zertifikaten auf unbewiesenen Behauptungen, gefälschten Statistiken und gekauften Pseudogutachten basiert, hat man mit den Milliardenumsätzen daraus lediglich den Beweis für die Möglichkeit erbracht, dass man den Massen so ziemlich jede Story unterjubeln kann. (Mehr unter: eike-klima-energie.eu)

Die Begründung, man müsse "das Klima" retten, (als gäbe es auf der Erde nur eines), und könne so eine drohende Erderwärmung verhindern (quasi mit gottgleicher Macht), dient jedoch nur der Geschäftsidee. Nachdem sie sich in der Realwirtschaft -wie geplant - zum Selbstläufer entwickelt hat, verhilft sie ihren Apologeten auch noch zu politischer Macht.

Deren Dogmatik hat inzwischen religiöse Züge angenommen und erklärt jeden Zweifler zum politisch unkorrekten Ketzer. Fakten und Fachwissen interessieren längst nicht mehr – jetzt geht es nur noch ums Geschäft und die Macht der Deutungshoheit, was als Gut und was als Böse zu gelten hat.


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