Erfolgreich, aber nicht auf Linie

Zwei Schulen mit Vorbildcharakter fielen 2018 bei der Berliner Schulinspektion durch

10.03.19
Soll in den Ruhestand geschickt werden, obwohl er seine Schule mit großem Geschick geleitet hat: Michael Rudoph, Direktor der Friedrich-Bergius-Schule Bild: Imago

Berlins Bildungsverwaltung löst gegen den Willen von Eltern, Schülern und Lehrern zum Sommer den Leiter der Friedrich-Bergius-Schule ab. Die Sekundarschule ohne Oberstufe gilt bislang als gelungenes Beispiel im Kampf gegen Schulschwänzerei, auch die Berufsorientierung gilt als vorbildlich. Vor allem fällt die Schule aber dadurch auf, dass überdurchschnittlich viele Schüler gute Abschlüsse erzielen:

Erreicht hat die Schule dies, obwohl die Bedingungen wie vielerorts in Berlin nicht sonderlich günstig sind. Zwei Drittel der Kinder kommen aus nichtdeutschen Elternhäusern, über die Hälfte der Kinder stammt aus Familien, die Sozialtransfers erhalten.
Ein Teil des Erfolgsrezeptes der Bergius-Schule lautete bisher: klare Regeln, die konsequent durchgesetzt werden. Schüler, die beispielsweise morgens zu spät kommen, müssen sich erst einmal beim Hausmeister melden, um dann den Schulhof sauberzumachen. Die Schüler dürfen zudem auch keine Mobiltelefone zum Unterricht mitbringen, ebenso ist das Kaugummikauen unerwünscht. Sollten Schüler unentschuldigt fehlen, dann informieren die Lehrer gleich morgens die Schulleitung. Diese setzt sich dann sofort mit den Eltern in Verbindung. An der Bergius-Schule ist es damit erfolgreich gelungen, die Schulschwänzerei zu bekämpfen.
Obwohl die Regeln an der Schule streng sind, liegen seit Jahren deutlich mehr Anmeldungen vor, als es überhaupt Plätze gibt. Angestoßen hat die Entwicklung ganz maßgeblich der Schulleiter Michael Rudolph. Der inzwischen 65-Jährige würde gern weiter arbeiten, die Bildungsverwaltung lehnt sein Ansinnen allerdings ab und will den erfolgreichen Schulleiter ab dem Sommer in die Pension schicken. In diesem Zusammenhang wird über ein „dienstliches Gespräch“ zwischen Rudolph mit einem hohen Beamten der Berliner Bildungsverwaltung berichtet. Dabei soll gegenüber dem Schuldirektor auch ein „Missfallen“ über Äußerungen in der Presse zur Rede gekommen sein.
Das Verhältnis zwischen der Bildungsverwaltung und dem Schuldirektor ist bereits seit dem letzten Jahr angespannt. Im Juni 2018 fiel die Schule bei der Berliner Schulinspektion durch und bekam „erheblichen Entwicklungsbedarf“ attestiert. Die Inspektoren bemängelten unter anderem, es würde zu viel Frontalunterricht geben und der Unterricht sei zu „lehrerzentriert“. Nachholbedarf sah die Bildungsverwaltung auch bei der Umsetzung des „Inklusionsgedankens“. Die Leiterin der Berliner Schulinspektion kritisierte seinerzeit auch, die Schule habe „keinen demokratischen Ansatz“, es gebe an ihr „keine Partizipation“.
Neben der Bergius-Schule gibt es auch schon seit längerer Zeit einen zweiten Fall, bei dem der Vorwurf geäußert wurde, dass eine erfolgreiche Schule auf die pädagogische Linie der Bildungsverwaltung gebracht werden soll. Dabei geht es um die Johanna-Eck-Schule in Tempelhof. Der Schule wurde in der Vergangenheit bescheinigt, sie kümmere sich mit großem Erfolg um sogenannte Flüchtlingskinder. In Anwesenheit von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) war die Schule im Jahr 2015 mit dem Helga-Moericke-Preis für Soziales Lernen ausgezeichnet worden.
Die Begleitumstände sind im Fall der Tempelhofer Sekundarschule etwas komplizierter als bei der Friedrich-Bergius-Schule: Die Schulleiterin Mengü Özhan-Erhardt ist erst im Jahr 2017 ins Amt gekommen. Ein Teil der Lehrer hatte sich gegen sie positioniert und von ihr sogar „eine professionelle Einsicht in die eigene Inkompetenz“ gefordert. Im Raum steht aber auch der Vorwurf, an der Schule sei es in der Vergangenheit zu Unregelmäßigkeiten gekommen.
Im Kern scheint es allerdings auch bei der Tempelhofer Schule darum zu gehen, dass die vorgegebene Linie der Bildungsverwaltung befolgt wird. Die bisherige Besonderheit der Schule ist das Sprachlernkonzept für die ausländischen Kinder.
An der Johanna-Eck-Schule gibt es Klassen, die sich nur aus Kindern sogenannter „Willkommensklassen“ zusammensetzen. Gemeint sind damit Schüler, die ohne Deutschkenntnisse an die Schule kommen. Diese blieben an der Tempelhofer Schule über Jahre in eigenen Klassen zusammen, damit sie zunächst richtig Deutsch beherrschen, bevor sie in eine Regelklasse überwechseln.
An anderen Berliner Schulen ist es dagegen üblich, dass Kinder bereits nach einem Jahr Sprachunterricht in die Regelklasse überwechseln. Dieses Vorgehen orientiert sich ganz am Gedanken einer möglichst schnellen Integration. In der Praxis scheint es aber so, dass bei vielen Kindern die Deutschkenntnisse zu gering sind, um in den Regelklassen bestehen zu können.
Das Sprachlernkonzept der Tempelhofer Schule war im Gegensatz dazu so erfolgreich, dass es noch vor einiger Zeit von der Bildungsverwaltung gelobt wurde. Allerdings hat das Tempelhofer Beispiel auch gezeigt, welche Bemühungen nötig sind und welche Kosten entstehen, wenn die Sprachvermittlung für Immigrantenkinder gelingen soll. Die Sprachlernklassen binden nämlich viele Lehrerstunden, die im übrigen Schulbetrieb dann fehlen.
     Norman Hanert


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