Erfolgreiche Kleine

Regionalbanken treffen die niedrigen Zinsen vergleichsweise wenig

20.04.19

Schon eine kurze Andeutung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) auf einer Veranstaltung hat ausgereicht, die Kurse von europäischen Bankaktien steigen zu lassen. In Frankfurt am Main war Mario Draghi unlängst in recht allgemeiner Form kurz auf die Folgen der Negativzinsen für die Banken eingegangen. Seit März 2016 müssen die Banken für überschüssige Liquidität, die sie über Nacht bei der EZB parken, einen Strafzins von Minus 0,4 Prozent zahlen.
Bereits mehrmals hat Hans-Walter Peters, der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), die Negativzinsen als eine Art von „Sondersteuer“ kritisiert und deren Abschaffung gefordert. Schätzungen gehen dahin, dass die negativen Zinsen die Banken in der Eurozone pro Jahr 7,5 Milliarden Euro kosten. Im Kontrast dazu überweist die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Banken in den USA jedes Jahr einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag für geparkte Liquidität.
Draghis Eingehen auf die Folge des Negativzinses hat zu Spekulationen geführt, die EZB könne, nach dem Vorbild Japans und der Schweiz, den Banken Freibeträge für geparkte Liquidität einräumen.
Auch die Deutsche Bundesbank hat wiederholt darauf hingewiesen, dass sich die Ertragslage der deutschen Banken durch die Niedrigzinspolitik verschlechtert hat. Zinsüberschüsse sind mit Abstand die wichtigste Ertragsquelle der Banken in Deutschland.
Erstaunlich gut sind bislang viele der regional ausgerichteten Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen mit der Niedrigzinspolitik zurechtgekommen. Ein wichtiger Faktor war dabei die Ausweitung des Kreditgeschäfts. Den Regionalbanken ist es insbesondere gelungen, ihre Marktanteile im Firmenkundengeschäft zu vergrößern. Dabei haben Sparkassen und Volksbanken mehrere Umstände geholfen. Bislang lief die Konjunktur gut, entsprechend hoch war auch der Bedarf an Krediten. Mit der guten Wirtschaftslage war obendrein auch das Ausfallrisiko bei bestehenden Krediten nicht sehr hoch.
Viele Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen haben auf der einen Seite die Einnahmen durch Gebührenanhebungen erhöht und auf der anderen Seite Ausgaben gespart, indem sie seit dem Jahr 2012 Tausende Filialen geschlossen und Personal abgebaut haben. Hunderte Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben in den letzten Jahren mit anderen Instituten fusioniert.
Profitieren konnten die kleineren Banken ganz stark vom Kundenverhalten. Viele deutsche Kunden halten bei der Geldanlage den Sparkassen und Volksbanken trotz Minizinsen bislang weitgehend die Treue. Dies hat die Einlagen wachsen lassen und damit auch die Eigenkapitalbasis gestärkt. Das Verhalten der Kunden könnte auch bei einer Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank ein entscheidender Faktor werden. Eine Analyse von „YouGov“ hat ergeben, dass die Deutsche Bank bei den Commerzbank-Kunden nicht sonderlich beliebt ist. Die Abneigung scheint so groß zu sein, dass Kommentatoren in der Wirtschaftspresse bereits die Möglichkeit sehen, dass viele Privatkunden der Commerzbank nach einer Fusion mit der Deutschen Bank zur Konkurrenz abwandern könnten.    Norman Hanert


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