Exoten im EU-Parlament

Sonneborns Spaßpartei konnte ihr Ergebnis fast vervierfachen

16.06.19

Wie das bisherige bietet auch das neugewählte EU-Parlament Vertretern von Randgruppen und Exoten eine politische Bühne. Die meisten kamen mit den linken und grünen Listen ins Parlament.
Der 29-jährige somalische Flüchtling Magic Magid, der über die britischen Grünen ins EU-Parlament gewählt wurde, ist einer von ihnen. Er floh mit seinen Eltern vor der Harakat al-Shabaab al-Mujahideen (HSM, Bewegung der Mudschahedin-Jugend) aus Somalia, wurde ein Apologet von rassischer Toleranz und sozialer Inklusion. Im letzten Jahr wurde er Oberbürgermeister der nordenglischen Industriestadt Sheffield.
Ein weitaus bekannterer bunter Vogel am europäischen Himmel ist Enrico Berlusconi, der es nach 20 Jahren politischer Laufbahn und dreimaliger Führung der italienischen Regierung mit 82 Lebensjahren noch einmal auf die europäische Bühne geschafft hat, obwohl noch einige Korruptionsverfahren gegen ihn anhängig sind. Offenbar plant er, sich in Brüssel für längere Zeit einzurichten, hat er doch bereits ein entsprechendes Appartement für seine berühmten Bunga-Bunga-Partys erworben. Allerdings muss er vorher noch einen Prozess wegen Zeugenbeeinflussung in einer Bunga-Bunga-Affäre gewinnen. Politisch kämpft Berlusconi in seinen alten Tagen zusammen mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder für bessere Beziehungen zu Russland, mit dessen Präsidenten Wladimir Putin beide befreundet sind.
Der im Jahr 2014 ins EU-Parlament gewählte deutsche Satiriker Martin Sonneborn konnte den Stimmenanteil seiner Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basis­de­mo­kra­tische Initiative auf 2,5 Prozent fast vervierfachen. Mit ihm wurde auch der Kabarettist Nico Semsrott, der aus der ZDF-Satiresendung „Heute-Show“ mit seinem Markenzeichen, einer Kapuze, bekannt ist, ins Europäische Parlament gewählt. Der „Heute-Show“-Macher Oliver Welke hatte beide in seinen Sendungen vor der Wahl sehr geschont, obwohl Sonneborn eine miserable Bilanz nach seiner ersten Wahlperiode aufzuweisen hatte. Neben Sonneborn und Semsrott kandidierten Personen mit Namen wie, Bombe, Krieg, Göbbels, Göring, Speer, Bormann, Eichmann und Keitel für das EU-Parlament. Sonneborn, der eigentlich nur einen Monat lang EU-Abgeordneter sein wollte, will erklärtermaßen in seiner zweiten Amtsperiode fünf weitere Jahre die „EU entlarven und ihre Vertreter öffentlich brüs­kieren“. „In der vergangenen Woche habe ich zwei Mal 60 Se­kun­den gearbeitet“, erzählte der Satiriker zum Beispiel in einem Gespräch. Sonneborn ließ als Parlamentarier kaum eine Gelegenheit aus, um mit Spott und Sarkasmus die etablierten Parteien durch den Kakao zu ziehen. Die etablierten Parteien sahen in den Auftritten des Satirikers lediglich den Versuch, die EU lächerlich zu machen.
Aus dem katalanischen Barcelona stammt der neue EU-Abgeordnete der national-konservativen Partei Vox (Stimme) Jorge Buxade. Der katholische Rechtsanwalt war von 2004 bis 2014 Mitglied der konservativen Partido Popular (PP, Volkspartei). Nun wolle er im Europäischen Parlament seine Arbeit dem Kampf gegen die Feministen widmen, die „Frauen vormachen wollen, wie sie sein müssen“.    Bodo Bost


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