Feuerwehr gehen die Leute aus

Kaum noch Nachwuchs: Bei Waldbränden in Brandenburg »am Limit« − Prämien sollen helfen

09.09.18
Personalnot und Störer machen die Arbeit immer schwieriger: Rettungseinsatz der Feuerwehr nach Unfall auf einer Spreebrücke Bild: Imago

Mehr als 400 Waldbrände haben Brandenburgs Feuerwehrleute in diesem Jahr an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Da Nachwuchs fehlt und immer weniger Menschen bei den freiwilligen Feuerwehren aktiv sind, setzt die Landesregierung nun sogar auf finanzielle Anreize.

Nach Angaben des Innenministeriums waren Ende 2017 in Brandenburg nur noch rund 38200 Menschen bei den freiwilligen Feuerwehren aktiv. Verglichen mit dem Stand von 2003 hat das Land damit 12000 freiwillige Feuerwehrleute verloren. Eine Prognose geht davon aus, dass die Zahl der Freiwilligen bis zum Jahr 2025 auf nur noch 30000 sinken wird.
Um gegenzusteuern, will Brandenburg zusätzliches Geld in die Hand nehmen. Regierungschef Dietmar
Woidke (SPD) kündigte an, freiwillige Feuerwehrleute würden künftig alle zehn Jahre eine Jubiläumsprämie erhalten. Für die Prämien und eine bessere Ausrüstung sollen im Landeshaushalt mehrere Millionen Euro bereitgestellt werden.
Die finanziellen Anreize werden allerdings ein gravierendes Problem vieler Ehrenamtlicher nicht beheben: Hunderte Waldbrände und Großfeuer wie in diesem Sommer führen dazu, dass die Angehörigen der freiwilligen Feuerwehren immer öfter nicht an ihrem Arbeitsplatz sein können. Die Arbeitgeber erhalten zwar eine Entschädigung, wenn Mitarbeiter zum Einsatz bei der Feuerwehr ausrücken müssen, allerdings häufen sich Berichte über Probleme, die mitunter bis zum Verlust des Arbeitsplatzes führen.
Gerade in Brandenburg sind die Belastungen für die freiwilligen Feuerwehrleute hoch. Allein bis Mitte August zählten die Behörden dieses Jahr bereits 405 Feuer in den märkischen Wäldern. Deutschlandweit für Aufsehen sorgte insbesondere ein Feuer in der Nähe von Treuenbrietzen, bei dem Ende August südwestlich von Berlin 400 Hektar Wald in Flammen standen. Dabei handelte es sich um einen sogenannten Vollbrand, bei dem nicht nur der nach monatelanger Dürre knochentrockene Waldboden brannte. Ähnlich wie bei den verheerenden Bränden, die man sonst eher aus den USA oder Australien kennt, breitete sich das großflächige Feuer auch über die Baumkronen aus.
Die Auswirkungen waren bis in das mehr als 50 Kilometer entfernte Berlin zu spüren. Selbst in der Hauptstadt waren durch den Waldbrand ganze Straßenzüge verraucht. Um ein Übergreifen des Brandes auf anliegende Dörfer zu verhindern, waren 600 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Polizei im Einsatz. Selbst Wasserwerfer der Polizei wurden aufgeboten, Hubschrauber der Bundespolizei und der Bundeswehr löschten zusätzlich aus der Luft.
Im Kampf gegen den größten Waldbrand, den das Land Brandenburg je erlebt hat, kamen auch Feuerwehrleute aus Berlin zu Hilfe. Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte zur Entsendung der Kräfte: „Die Brandenburger Feuerwehr arbeitet bei der Bekämpfung der schlimmen Waldbrände am Limit.“ Geisel weiter: „Es ist völlig normal, dass wir in einer solchen Situation unseren Kolleginnen und Kollegen solidarisch mit Hilfe zur Seite stehen.“
Diese freundlich klingende Sichtweise trug dem Senator nicht nur Lob ein. Der Verein „Berlin brennt e.V.“ schrieb in einer Mitteilung zu Geisels Hilfsangebot an seinen brandenburgischen Amtskollegen: „Die Puste der Berliner Feuerwehr reicht dazu aber leider nicht aus.“ Der Verein von Feuerwehrleuten wies darauf hin, dass Berlin von vier Brandschutzstaffeln, die es eigentlich vorhalten müsse, selbst nur eine einzige aufstellen könne.
Die Berliner Feuerwehr arbeite nicht „am Limit“, sondern sei schon darüber hinaus, so der Verein in seiner Mitteilung. Tatsächlich ist die Lage der Berufsfeuerwehr in der Millionenstadt ebenso prekär wie die der freiwilligen Feuerwehrkräfte im waldbrandgeplagten Brandenburg. Auch die Berliner Feuerwehr leidet unter Nachwuchsmangel, dazu kommen eine wenig attraktive Bezahlung, viele Überstunden, sanierungsreife Wachen und eine überalterte Ausrüstung.
So war vor einigen Monaten bekannt geworden, dass 80 Prozent der Löschfahrzeuge in der Hauptstadt mittlerweile ihre vorgesehene Nutzungsdauer überschritten haben. Landesverbandschef Sascha Guzy warnte sogar davor, dass die Berliner Feuerwehr kurz davor stehe, ihre „Handlungsfähigkeit im Regeleinsatzdienst“ zu verlieren. Über Monate haben Feuerwehrleute unter dem Motto „Berlin brennt“ Mahnwachen vor dem Roten Rathaus abgehalten, um auf die Zustände bei der größten Berufsfeuerwehr Deutschlands aufmerksam zu machen.
Ein bundesweites Problem stellen mittlerweile die Angriffe auf Rettungskräfte bei ihren Einsätzen dar. Erst vor Kurzem wurde ein Fall bekannt, bei dem in Berlin-Neukölln 75 Mitglieder eines arabischen Großclans Notärzte und Sanitäter bei einem Einsatz in einer Wohnung aggressiv bedrängt haben. Am Ende war die Lage derart bedrohlich, dass ein Großaufgebot der Polizei zum Schutz der Rettungskräfte anrücken musste.     Norman Hanert


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