Friedrich Merz’ Brötchengeber

Was der Schwarze Fels (BlackRock) ist, für den der Ex-Fraktionschef der Schwarzen (CDU/CSU) arbeitet

13.11.18
Blackrock: Die Zentrale des Finanzkonzerns in New York Bild: pa

Mit der Kandidatur von Friedrich Merz für den CDU-Parteivorsitz ist auch dessen Arbeit für das Unternehmen Blackrock ins Visier der Öffentlichkeit gerückt. Die Vermögensverwaltungsgesellschaft aus den USA ist nicht nur wegen ihrer schieren Größe eine Ausnahmeerscheinung.

Mit einem Anlagevermögen von 6,29 Billionen US-Dollar ist Blackrock der größte eigenständige Vermögensverwalter der Welt. Zu den Kunden zählen Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen, Banken, Stiftungen, aber auch Privatanleger aus über 100 Ländern. An allen 30 DAX-Unternehmen ist Blackrock beteiligt, bei Schwergewichten wie Siemens oder Bayer ist der Vermögensverwalter aus den USA sogar größter Einzelaktionär.
Beeindruckend ist nicht nur das verwaltete Vermögen, sondern auch das Tempo des Aufstiegs von Blackrock. Der Firmenchef Laurence Douglas „Larry“ Fink gründete das Unternehmen gemeinsam mit drei Kollegen erst im Jahr 1988. Als ein Erfolgsfaktor wird regelmäßig das firmeneigene Datenanalysesystem „Aladdin“ (Asset, Liability, and Debt and Derivative Investment Network) genannt, welches die Risikomanagementplattform des Unternehmens ist.
Beim extrem schnellen Wachstum des Konzerns spielten immer wieder kluge Übernahmen eine Rollen. Blackrock kaufte beispielsweise im Jahr 2005 State Street Research & Management und 2006 Merrill Lynch Investment Managers. Ein wichtiger Schritt für das Unternehmen war die Übernahme des Fondsanbieters Barclays Global Investors (BGI) von der britischen Barclays Bank im Jahr 2009. Blackrock wurde mit dem Schritt zum führenden Anbieter von börsengehandelten Indexfonds, sogenannten exchange-traded funds (ETF).
Börsengehandelte Indexfonds kommen ohne aktive Fondsmanager aus und bilden die Entwicklung von Börsenindizes wie etwa dem deutschen DAX ab, indem die im Index enthaltenen Aktien erworben werden. Dabei handelt es sich zwar um ein margenschwaches Geschäft, allerdings auch um eines der wenigen Geschäfte an der Wallstreet, das nach der globalen Finanzkrise noch stark wächst. In solchen passiven Fonds stecken mittlerweile zwei Drittel des Vermögens, das Blackrock für seine Kunden verwaltet.
Das Geschäft mit Rentenfonds für Anleihen von Staaten und Unternehmen hat Blackrock wiederholt den Vorwurf eingebracht, eine Schattenbank zu sein. Fink sagte wiederholt, das Unternehmen lege lediglich das Geld seiner Kunden an. Auch Friedrich Merz äußerte sich im Jahr 2016 in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“ ähnlich: „Wir sind keine Schattenbank, und das sehen auch die Regulierer bislang so. Wir verleihen kein Geld. Wir nehmen kein Geld bei der Zentralbank auf. Wir sind kein Kredithaus. Wir sind ein treuhänderischer Vermögensverwalter – und als solcher voll transparent und reguliert.“
Regelmäßige Kritik entzündet sich an einem weiteren Standbein des Finanzgiganten. Blackrock bietet über sein Tochterunternehmen „BlackRock Solutions“ Beratungsdienstleistungen an. Zu den Kunden zählen auch große Zentralbanken. Seit dem Jahr 2011 hat etwa die Europäische Zentralbank (EZB) immer wieder Experten der Blackrock-Tochter als externe Berater engagiert. Kritiker warnen vor einem möglichen Interessenkonflikt. Zum einen ist Blackrock über die Tochtergesellschaft zum Beispiel bei der Durchführung der Bankenstresstests involviert. Auf der anderen Seite hält der Vermögensverwalter große Aktienpakete der geprüften europäischen Banken. Der Bankökonom Martin Hellwig kritisierte im „Tagesspiegel“ die Beauftragung als Berater  als „grundsätzlich falsch“, da werde „einem privaten Unternehmen eine hoheitliche Aufgabe anvertraut“.
Inzwischen wird auch immer öfter die Frage diskutiert, welche Effekte sich daraus ergeben, dass einigen wenigen Vermögensverwaltern wie den „großen Drei“ Blackrock, Vanguard und State Street Global immer mehr Geld anvertraut wird.
Nach Berechnungen, die der Finanznachrichtendienst Bloomberg im letzten Jahr vorlegte, werden die beiden Vermögensverwalter Blackrock und Vanguard in weniger als einem Jahrzehnt insgesamt 20 Billionen US-Dollar verwalten. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten lag 2017 bei etwa 19,4 Billionen Dollar. Mit der steigenden Bedeutung der großen Vermögensverwaltungsgesellschaften wächst die Frage nach der Zukunft der Marktwirtschaft. Im Zusammenhang mit dem Boom bei passiven Anlageformen wie Indexfonds sehen einige Marktbeobachter die Gefahr, dass der Druck auf Unternehmen nachlässt, nachhaltig gut zu wirtschaften. Auch einige Ökonomen in den USA warnen, dass die Beteiligungen einiger weniger Großinvestoren an mehreren Unternehmen einer Branche zu nachlassendem Wettbewerb auf dem Markt führt.    Norman Hanert


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