Gegen den "Stern"

Offener Brief von Klaus Rainer Röhl an den "Stern"

10.05.10

In einem mehrseitigen Beitrag im Magazin „Stern“ von vergangener Woche wird PAZ-Autor Klaus Rainer Röhl von seiner Tochter aus erster Ehe, Anja Röhl, bezichtigt, sie in ihrer Kindheit sexuell bedrängt zu haben. In einem offenen Brief an „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn verwehrt sich Klaus Rainer Röhl gegen die Anwürfe. Wir dokumentieren den Brief in voller Länge:

Sehr geehrter Herr Osterkorn,

im „stern“ 19/2010 behauptet meine Tochter aus erster Ehe, Anja Röhl, unter dem Titel „Die Zeit ist reif“, ich hätte sie vor 5O Jahren während der Ferien in Rottach-Egern und bei anderen Gelegenheiten sexuell belästigt und bedrängt. Ich weise sämtliche dieser Anwürfe als erfunden zurück. Ferner ist die Darstellung meiner Person als jemand, der Frauen verachtet und von ihnen ständig als „Nutten“ und „Huren“ gesprochen habe, für jeden, der mich kennt, absurd und lächerlich. Ebenso grotesk sind Anja Röhls Schilderungen gemeinsamer Urlaube auf Sylt, den Gepflogenheiten im Hause Röhl u.v.a.m.

Die Gründe für die Verleumdungen liegen, denke ich, nur zum kleineren Teil in der Tatsache, dass Anja Röhl ein Buch schreibt und sich durch die aktuelle Missbrauchsdebatte sicher auch für dieses Projekt Aufmerksamkeit erhofft.

Der eigentliche Hintergrund ist ein politischer. Es geht um die Weißwaschung der RAF-Ikone Ulrike Meinhof. Man muss dazu einige Fakten kennen, die nicht im „stern“ standen. Seit Mitte der siebziger Jahre bemüht sich Anja Röhl um die Rehabilitierung der RAF, deren Mitglieder sie als „mutige Kämpfer für eine andere, gerechtere Welt“ missversteht. Siehe u.a. in diesem Artikel

Besonders engagiert kämpft Anja Röhl von jeher für die posthume Heldenverehrung der Ulrike Meinhof, als deren ideologische Nachlassverwalterin sie sich wähnt. Sie hat diese Frau immer bewundert, idealisiert und nach eigenem Bekunden „keinen einzigen Tag an einen Selbstmord geglaubt“. Anja Röhl war aktiv in der RAF-Sympathisantenszene, wo nach Inhaftierung einer Reihe von Terroristen unter anderem Parolen wie die von der „Isolationsfolter“ ersonnen wurden. Bei öffentlichen Auftritten dieser Gruppe gab sie sich gern als „Ulrikes Pflegetochter“ aus. Auch bei der Beerdigung von Ulrike Meinhof trat sie als deren Tochter auf, obwohl ihre leibliche Mutter bis heute lebt. Mit mir brach sie nach dem Erscheinen meines Buches „Linke Lebenslügen“ 1994 den Kontakt ab; mit dem Argument, ich hätte darin „die Linke verraten“.

Ich selber habe die RAF von Anbeginn im linken Spektrum - sehr zum Unmut vieler Linker und Linksliberaler – publizistisch vehement bekämpft (etwa im „konkret“-Leitartikel „Gib auf, Ulrike!“). Ich wurde deshalb auch von Ulrike M. gehasst. So sehr, dass diese die gemeinsamen Kinder in ein palästinensisches Lager entführen ließ, wo sie hätten umkommen können.

Diese Kinderentführung ist aus Sicht der Meinhof-Fans, von denen es in der linksextremen Szene nach wie vor wimmelt, der einzige Fleck auf Ulrike Meinhofs ansonsten makelloser „antiimperialistischer“ Weste. Ein Fleck, der jetzt, auf dem Höhepunkt der Missbrauchsdebatte, mit nachgeschobenen Anwürfen gegen mich getilgt werden soll. Einem „Kinderschänder“ wollte die Meinhof, so wird nun suggeriert, die Zwillinge nicht überlassen.

Vor drei Jahren wurde in einer verklärenden Ulrike-Meinhof- Biografie aus der Feder der Ultralinken Jutta Ditfuhrt bereits spekuliert, Ulrike Meinhof habe womöglich gar nicht vorgehabt, ihre Zwillingsmädchen in ein Palästinenserlager bringen zu lassen; sie sollten lediglich ihrem Vater aus Furcht vor möglichem Missbrauch entzogen werden. Eine erwiesenermaßen falsche These, die auch vom RAF-Kenner Stefan Aust, der die Entführung der Meinhof-Zwillinge beendete, widerlegt wurde. Missbrauchs-Verdächtigungen sind in den harten juristischen Auseinandersetzungen um das Sorgerecht für die Röhl/Meinhof-Zwillinge von Seiten der Anwälte Ulrike Meinhofs nie auch nur angedeutet worden.

Klaus Rainer Röhl

Klaus Rainer Röhl


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Kommentare

Anne Beck:
1.06.2010, 14:41 Uhr

Auch Bettina Röhl wirft ihrem Vater pädophile Übergriffe vor.
"Die Publizistin Bettina Röhl beschuldigt ihren Vater Klaus Rainer Röhl, sie als Kind sexuell belästigt zu haben. Der Verleger habe sie zudem häufig als "Pissgör" oder " alte Nutte " bezeichnet. " (Spiegel online, 1.06.2010)
Ich hoffe, daß Anja Röhl nun endlich aus der Kritik herauskommen, ihr geglaubt und von ihren KritikerInnen rehabilitiert wird.


Anne Beck:
19.05.2010, 14:49 Uhr

Ich glaube Anja Röhl und halte sie für absolut glaubwürdig. Auch ihre Artikel auf ihrer Homepage finde ich sehr interessant und lesenswert.
Ekelhaft empfand ich schon früher die Pädo-Porno-Postille `Konkret`.


Ellen Wardack:
12.05.2010, 10:26 Uhr

Klaus Rainer Röhl hat nach der Trennung von Ulrike Meinhof (die er nach Aussagen mehrerer Zeitzeugen auch geschlagen hat) die Konkret in eine Wixvorlage verwandelt und ihrer eigentlichen Funktion beraubt. Die Konkret wurde so zur Blaupause seines nächsten Produktes "dass da" und so Blättern wie die "st.pauli nachrichten". Außerdem agierte Röhl später als "Teil der neuen Rechten" im Historikerstreit und Betrieb ein aggresives 68er Bashing.

aus Wikipedia: "Nach seiner Trennung von konkret vollzog Röhl langsam eine politische Kehrtwende. Schließlich promovierte er 1993 bei dem Historiker Ernst Nolte (FU Berlin). Röhl schreibt dazu in Linke Lebenslügen (Berlin 1994): „Im Sommer 1987, zwei Jahre vor der Wende, habe ich angesichts der maßlosen und ungerechtfertigten Kampagne gegen Ernst Nolte beim sogenannten Historikerstreit‚ an diesen geschrieben und ihm den Vorschlag gemacht, solidarisch, gewissermaßen demonstrativ bei ihm zu promovieren. Die Wahl des Doktorvaters war also keineswegs ein Zufall.“ Die Promotionsschrift trägt den Titel: Nähe zum Gegner. Die Zusammenarbeit von Kommunisten und Nationalsozialisten beim Berliner BVG-Streik von 1932.

Röhl trat 1995 der FDP bei. Er engagierte sich im nationalliberalen Flügel der Partei um Alexander von Stahl, Heiner Kappel und Rainer Zitelmann („Liberale Offensive“), der die FDP in den 1990er Jahren in eine rechtskonservative Richtung lenken wollte.

Auf Röhls Initiative kam es 1995 zu dem mit Rainer Zitelmann, Ulrich Schacht und Heimo Schwilk verfassten Aufruf 8. Mai 1945 – Gegen das Vergessen, in dem der Begriff der „Befreiung“ für das Kriegsende durch die Alliierten als „einseitig“ in Frage gestellt wurde. Dies führte zu teilweise scharfer Kritik u. a. von Vertretern aller im Bundestag vertretenen Fraktionen.

Röhl schreibt heute u. a. für die Preußische Allgemeine Zeitung (ehemals Ostpreußenblatt). Er publiziert, nach eigener Angabe, um über die „tiefgreifenden, zum Teil verheerenden Folgen der kommunistischen und linksutopischen Aktivitäten, an denen ich als Herausgeber und Kommentator beteiligt gewesen war“, aufzuklären." ( http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Rainer_R%C3%B6hl)

Mitte der Neunziger haben einige Menschen in KL (aber auch in anderen Städten) Veranstaltungen mit ihm verhindert, in denen er ein sein 68'er Bashing betreiben wollte und (wie es heute ja teilweise bei einigen sog. Linken (von Kraushaar bis Wertmüller) üblich ist, die damalige und heutige radikale Linke mit Nazis gleichsetzte. Seinem Publikum schrie er gegen unsere Lärmdemo protestierend entgegen, dass wir Terroristen wären und mann schon damals (68) gesehen hat, dass aus Trillerpfeifen Kalashnikows werden können.

Ein Zitat von K.R.Röhl zur Geschichte:
"Deutschland 1999. Die Berliner Republik bezieht ihre Hauptstadt. Die Abgeordneten ziehen in den neuen Reichstag. Aber es ist Krieg. Die Stimmung ist ernst, wird aber von seltener Einmütigkeit getragen. Eine historische Zäsur. Die Nachkriegszeit ist endgültig vorbei. Der deutsche Nationalmasochismus hat ausgespielt. Das Volk der Zerknirschten und Büßer ist in die Reihe der Freien Völker getreten, die einst Hitler besiegt hatte, um den Völkermord in Europa zu beenden. Der seit 1945 den Deutschen eingepflanzte Selbsthass findet keine Anhänger mehr. Deutsche Soldaten, mit Billigung der 68er Richter als Mörder beschimpft, bekämpfen die Mörderbande des serbischen Diktators. Statt wohlfeile Mahnmale gegen den Völkermord zu errichten, haben die Deutschen beschlossen, nunmehr Völkermord in Europa nie wieder zuzulassen."

Dass als Einschätzung zu ihm als politischen Menschen. Wem es richtig schlecht werden will, kann ja auf seiner Homepage weiterlesen (http://klausrainerroehl.de/). Auffällig ist auch, dass er seine Artikel jetzt bei "political incorrect" absetzt. Dort ist er in guter Gesellschaft.

Zu den Legenden um die Kinder von K.R. Röhl und Ulrike Meinhof:
Illegalität und Kinder (ND, 1.12.2007)
- http://www.jutta-ditfurth.de/ulrike-meinhof/Presse/ND-Rezension-Ditfurth-Meinhof-20071201.pdf
und wer meint sich über Anja Röhl ein Urteil erlauben zu können, sollte erstmal ihre Texte und Artikel lesen:
- http://www.anjaroehl.de/


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