Gewalt vor den Augen der UN

Westafrika im Griff islamischen Terrors − Internationale Schutztruppen können Morde nicht verhindern

25.11.19
Seit 2013 in Mali: Bundeswehrsoldaten im Rahmen der UN-Mission „Minusma“ Bild: imago/Markus Heine

In den Sahelstaaten Mali, Burkina Faso und Niger kommt es mehrmals wöchentlich zu islamischen Anschlägen, obwohl die Militärpräsenz der Vereinten Nationen immer weiter aufgestockt wird. Schuld sind auch die offenen Grenzen der Westafrikanischen Union, zu der alle betroffenen Staaten gehören.

Im Schatten der Bürgerkriege in Libyen, Syrien und in dem Irak hat auch die islamische Gewalt in Westafrika bislang ungeahnte Ausmaße angenommen, und dies trotz der Anwesenheit einer großen Zahl internationaler Soldaten und Polizisten, darunter auch der Bundeswehr. Das Gros der Soldaten der Vereinten Nationen ist in Mali stationiert. Die Gewalt in der Region nahm in den vergangenen Wochen aber trotzdem zu. Die Terroristen in Allahs Namen suchen sich am liebsten den kleinsten Staat der Region, nämlich Burkina Faso, aus.
Der jüngste Angriff galt einem  Konvoi mit Beschäftigten des kanadischen Goldproduzenten Semafo, bei dem mindestens 37 Menschen getötet und mehr als 60 verwundet wurden. Der Konvoi stand unter Militärschutz. Deshalb war die Botschaft deutlich: Terrorgruppen haben keine Angst mehr vor den Militärs und wollen allerorts Ängste und Misstrauen in der Zivilbevölkerung schüren. Das hat die Zahl der Binnenflüchtlinge erneut sprunghaft ansteigen lassen.
Fast eine halbe Million Menschen sind nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) im Sahel auf der Flucht. Seit Beginn des Jahres hat sich die Zahl mehr als verzehnfacht. Sie liegt doppelt so hoch wie im Norden Syriens, auf den sich im Moment die Presse der ganzen Welt konzentriert.
Dabei sind allein in Mali im Zuge der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen für Mali (Minusma) aktuell fast 16000 Blauhelm-Soldaten sowie Polizisten stationiert. Es ist die drittgrößte UN-Mission weltweit.
Hinzu kommen verschiedene Ausbildungsinitiativen. Und dennoch breitet sich der Terror weiter in Richtung Süden aus. Wie mächtig die islamischen Rebellen sind, haben sie erst Anfang Ok­tober in Mali demonstriert, als sie Kasernen in Boulkessy und Mondoro besetzten und über 40 Soldaten töteten.
Während in Syrien und dem Irak der Islamische Staat militärisch besiegt ist, breitet er sich in Westafrika und rund um Nigeria, wo Boko Haram der Arm des IS ist, militärisch und territorial weiter aus. Es besteht sogar die Gefahr, dass beide Dschihadzentren sich vereinen und einen noch größeren Einzugsbereich bekommen. Erste Terrorangriffe werden bereits aus Benin und Kamerun gemeldet.
Rund um den Tschadsee, vor allem aber in Nigeria, werden als Folge der Terrorherrschaft der besonders gewalttätigen Boko Haram aktuell schon mehr als 2,5 Millionen Binnenflüchtlinge gezählt. In der ganzen Region sind seit Jahresbeginn bereits Tausende Menschen ums Leben gekommen. Ein solch großes Ausmaß an Sicherheitsrisiken hat Westafrika noch nicht erlebt.
Infolge der Zunahme des Terrors verbessern sich zusehends die Bedingungen des Terrors, denn viele Staaten müssen wegen der Flüchtlingsströme und der Gewalt die Basisversorgung weiter Teile der Bevölkerung einstellen. Vielerorts ist das Justizsystem zusammengebrochen, die Jugend bleibt sich selbst überlassen, Schulen und Betriebe müssen infolge der Terrorgefahr schließen, der Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem existiert kaum noch.
Dies alles soll die Bevölkerung bereit machen, in den neuen starken Männern mit Bärten und schwarzen Fahnen ihre Retter zu sehen. Der Staat, der nur in der bewaffneten Repression des Terrors eine Überlebenschance sieht, verliert deshalb jedoch immer mehr an Glaubwürdigkeit. Mit Militäreinsätzen allein lässt sich der islamische Terror allerdings nicht bekämpfen.
Besonders betroffen von dem wachsenden islamischen Terror sind die Grenzgebiete, da es ähnlich wie im Schengenraum, in der Westafrikanischen Gemeinschaft keine Grenzkontrollen mehr gibt. Verantwortlich dafür ist ein Abkommen zur Reisefreiheit innerhalb der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft aus dem Jahr 1979. Einst galt es als Meilenstein, heute fördert es jedoch die Ausbreitung des Terrors.
In Westafrika kommt jedoch noch hinzu, dass die Grenzregionen sehr dünn besiedelt sind und oft hunderte Kilometer von den Hauptstädten entfernt liegen. Größere Militäreinheiten gibt es jedoch oft nur in den jeweiligen Hauptstädten.
Die Reisefreiheit war zwar gut für den überregionalen Tourismus, aber sie hat auch der Ausbreitung des islamischen Terrors gedient. Dass beides zusammengehört, wurde deutlich, als radikale Moslems im letzten Jahr in einem von Touristen gern besuchten Nationalpark in Benin ein Dutzend Franzosen als Geiseln nahmen. Als sie mit diesen gen Norden zur Grenze von Burkina Faso flüchten wollten, wurden zwar die Geiseln gerettet, aber bei einer Befreiungsaktion französischer Soldaten kamen zwei Soldaten ums Leben.
Grenzgebiete werden von Terroristen gerne als Rückzugsorte genutzt, vor allem weil die Sicherheitskräfte kaum grenzübergreifend zusammenarbeiten und sich austauschen. In Mali kommt jetzt noch eine weitere innere Gefahr hinzu: Dort gibt es wieder Gerüchte über einen Putsch.
2012 hatte dort bereits der Sturz von Präsident Amadou Touré für eine Ausbreitung des islamischen Terrors gesorgt, der dann auch die Intervention der UN und westlicher Staaten nach sich zog. Diese internationalen Schutztruppen konnten zwar verhindern, dass der IS in Westafrika wie in Syrien oder dem Irak ein eigenes Territorium unter seine Kontrolle bringt.
Dafür konnten aber die radikalen Moslems in den letzten Monaten und Jahren durch ihren Terror, den Schrecken und die Angst, die sie verbreiten, ihre Verwurzelung in der einheimischen Bevölkerung verbessern. Bodo Bost


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Kommentare

Peter Müller:
28.11.2019, 09:53 Uhr

Aber das ist doch "gut", wenn die Islamisten in Afrika die Leute umbringen.
Denn der "Islam gehört ja zu Deutschland".


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