Giftgas gegen Sudans Christen

04.11.16

Khartum – Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sind durch Luftangriffe mit Giftgas in den vergangenen acht Monaten in der Gebirgsregion Jebel Marra im Sudan, die vorwiegend von Christen bewohnt wird, bis zu 250 Zivilisten bei insgesamt 30 chemischen Luftangriffen getötet worden sein. Den rund 100 Seiten umfassenden Bericht stützt Amnesty auf eine Reihe „furchtbarer Beweise“, darunter Satellitenbilder und Interviews mit Überlebenden. Zudem veröffentlichte die Organisation schockierende Bilder und Videos der Opfer mit Verätzungen und großflächigen Wunden. Etliche der Überlebenden litten infolge der Gasangriffe unter Blindheit und blutigen Atemwegsverätzungen, heißt es. Medizinische Grundversorgung bleibe den meisten verwehrt, auch weil die Welt wie gebannt auf Syrien schaue und den weitaus älteren Konflikt im Sudan längst vergessen habe. Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation sind die Angriffe mit Chemiewaffen Teil eines großangelegten Kampfeinsatzes der Regierung. Infolge von Bombenangriffen der Zentralregierung unter General Omar el-Baschir, starben in Darfur seit 2003 mehr als 300000 Menschen, der Großteil davon Zivilisten, drei Millionen wurden vertrieben. Der Einsatz von Chemiewaffen ist nicht nur ein neuer Tiefpunkt in der Reihe internationaler Kriegsverbrechen seitens der sudanesischen Armee, er zeigt zugleich die Überheblichkeit der Regierung gegenüber der internationalen Gemeinschaft. Amnesty appelliert an den Weltsicherheitsrat, das bestehende Waffenembargo zu überprüfen, den Einsatz von Chemiewaffen zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.    B.B.


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