Heimat in vier Sprachen

24. Landestreffen der Ostpreußen in Mecklenburg-Vorpommern – 1200 Teilnehmer aus allen Landesteilen

09.10.19
Das bunte Treiben und der gefüllte Saal im Jahn-Sport-Forum künden von einer erfolgreichen Veranstaltung: LO-Sprecher Stephan Grigat, Landesvorsitzender Manfred Schukat, Gudrun Smolinski, Matthias Manthei und Udo Erdmann (v.l.) Bild: Gesa Bierwerth

Das 24. Landestreffen der Ostpreußen am letzten Septemberwochenende in Mecklenburg-Vorpommern stand ganz im Zeichen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit für eine gemeinsame Heimat. 1200 Teilnehmer waren der Einladung nach Neubrandenburg gefolgt.

Beim Landestreffen der Ostpreußen in Mecklenburg-Vorpommern waren nicht nur deutsche, sondern auch polnische, russische und litauische Stimmen zu hören. Das volle Haus, der gute Geist und die fröhliche Atmosphäre sind Markenzeichen bei den Ostpreußen in Mecklenburg-Vorpommern. Am 28. September kamen 1200 Landsleute aus der näheren und weiteren Umgebung nach Neubrandenburg. 40 fleißige Helfer hatten das große Jahn-Sport-Forum mit leuchtenden Sonnenblumen, den Fahnen und Schildern aller ostpreußischen Stadt- und Landkreise prächtig geschmückt. An der Hallendecke schwebten ein riesiges Ostpreußen-Transparent und das Trakehner Tor, vor der Halle wehten große Ostpreußenfahnen.
Der Landesvorsitzende Manfred Schukat verwies in seiner Begrüßung erfreut auf die seit 24 Jahren kaum nachlassenden Besucherzahlen. Aus allen drei Teilen der Heimat sowie aus Hinterpommern und Stettin waren 200 Landsleute dabei, aber auch aus allen 16 Bundesländern und allen 40 ostpreußischen Heimatkreisen. Die meisten Besucher kamen jedoch aus Mecklenburg-Vorpommern. Als Ehrengäste erschienen der Landtagsabgeordnete Matthias Manthei, der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat, und der Stellvertretende Oberbürgermeister von Neubrandenburg, Peter Modemann. Die Justizministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Katy Hoffmeister, sandte ein wohlwollendes Grußwort.  
Das Blasorchester Rostock umrahmte die Fest- und Feierstunde am Vormittag. Emotionaler Höhepunkt war der festliche Einzug von 72 Heimatfahnen zu den Klängen von „Preußens Gloria“, von den Landsleuten mit stehendem Applaus begrüßt. Zum „Yorckschen Marsch“ folgte als höchster Ehrengast des Treffens Königin Luise von Preußen, im passenden Kostüm dargestellt von Gudrun Smolinski aus Neubrandenburg. Begleitet wurde sie von ihrer Oberhofmeisterin Sophie von Voss alias Dorelise Putzar aus Reutlingen, und Oberst Carl Friedrich Wilhelm von Leslie in der Original-Uniform des 1. Grenadier-Bataillons beim 2. Ostpreußischen Infanterie-Regiment, dargestellt von Udo Erdmann aus Mestlin.
Königin Luise zitierte ihren Wahlspruch von Goethe „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“. Sie thematisierte ihre Flucht vor Napoleon nach Ostpreußen, den Tilsiter Frieden und ihr Ende in Hohenzieritz bei Neubrandenburg. Gräfin von Voss gab Zeugnis vom Opfergang der Königin und ihrem frühen Tod. Luises Tochter Charlotte hatte den russischen Zaren Nikolaus I. geheiratet. Das Paar brachte 1838 den Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“ als Geschenk nach Preußen, unter dessen Klängen die hohen Gäste die Bühne verließen.
Nach dem bewegenden Totengedenken stimmten die Ostpreußen ihre Heimathymne vom „Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen“ an.
Mit dem Ruf „Ostpreußen lebt!“ grüßte der Sprecher der Landsmannschaft, Stephan Grigat, seine Landsleute und forderte sie auf, der Heimat und den Zusammenkünften treu zu bleiben. Grüße aus der Heimat überbrachten Klaus Grudzinskas und Magdalena Piklaps vom Verein der Deutschen in Memel, Heinrich Hoch vom Dachverband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, Paul Gollan aus Neudims, der mit 87 Jahren noch seinen Hof in der Heimat bewirtschaftet, und Alexander Michel von der Diakoniestation Gumbinnen. Für die Arbeit der deutschen Kriegsgräberfürsorge warb Landesgeschäftsführer Karsten Richter. Eine Spendensammlung im Saal zugunsten des Volksbundes erbrachte über 1000 Euro. Die gemeinsam gesungene deutsche Nationalhymne beendete den Vormittag.  
Das ostpreußische Kulturprogramm war prall gefüllt – selbst die Mittags- und Kaffeepausen wurden von Heimatsänger Bernstein zügig durchmoderiert. Alle Ensembles stellten ihr Können unter Beweis. Ob die Chöre „Stimme der Heimat“, Lötzen, „Warmia“, Heilsberg, oder die Schülerinnen des Hermann-Sudermann-Gymnasiums Memel, der Chor „Heide“ aus Heydekrug oder die Jugendtanzgruppe „Saga“, Bartenstein, – die musikalischen Grüße aus der Heimat verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Darbietenden hatten tagelange Hin- und Rückreisen auf sich genommen, nur um in Neubrandenburg dabei zu sein.
Seit 2006 werden die Heimatchöre nun schon das 14. Mal zu den Landestreffen eingeladen. Auch der russische „Kant“-Chor, Gumbinnen, war eigens aus dem Königsberger Gebiet gekommen und brillierte durch seine phantastischen Stimmen und prächtigen Chorgewänder.
Das Mecklenburg-Pommeraner Folklore-Ensemble Ribnitz-Damgarten vertrat das Gastgeberland und führte wunderschöne Volkstänze in Originaltrachten und mit echter Instrumentalmusik auf. Zuletzt traten das Ensemble „Russisches Lied“ aus Königsberg und 80 Landsleute aus Hinterpommern und Stettin auf. Zum großen Finale kamen alle Mitwirkenden noch einmal auf die Bühne, stimmten gemeinsam mit den Besuchern das Ostpreußenlied an und reichten sich dabei die Hände. Der Landesvorsitzende dankte den Ostpreußen für ihre große Treue, der fleißigen Helferschar am Einlass, der Kasse und den Ständen, den Gästen aus der Heimat sowie den vielen kleinen und großen Spendern und dem Justizministerium Mecklenburg-Vorpommerns für die Förderung. So steht unter dem Strich wie immer eine „schwarze Null“. Auch der gute Umsatz am Büchertisch und über 5000 Fläschchen verkaufter Bärenfang halfen mit, die Kosten zu decken.
Manfred Schukat lud die Ostpreußen herzlich zum 25. Landestreffen Mecklenburg-Vorpommern am 26. September 2020 in die Kongresshalle Schwerin ein – „so Gott will und wir leben und gesund sind“.     Friedhelm Schülke


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