Ich bin beleidigt!

Wie sich ein Sturm als Furz entpuppt, was Gauland (nicht) gesagt hat, und warum verfolgte Christen gefälligst die Klappe halten sollen / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

04.06.16

Endlich kann ganz Deutschland wieder in einem „Sturm der Entrüstung“ („Focus“) zu neuen moralischen Höhepunkten segeln! Diesmal sind es zwei Kollegen von der „Frankfurter Allgemeinen“, die den Wind machen. Sie wissen schon, die Geschichte mit Jérôme Boateng und seinen Nachbarn.
Die Journalisten hatten den Namen des Fußballnationalspielers listig in ein Hintergrundgespräch mit AfD-Vize Alexander Gauland hineingeschmuggelt. Warum sie den in Berlin geborenen Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers zum Gegenstand einer vertraulichen Unterredung über „Fremd sein in Deutschland und Integration“ gemacht haben, bleibt das Geheimnis der Redakteure.
Was einem blühen kann, wenn man ihnen beim Hintergrundgespräch das Herz ausschüttet, weiß jetzt dagegen ganz Deutschland. Politiker und Prominente aller Schattierungen werden es sich künftig zweimal überlegen, ob sie sich den Frankfurtern anvertrauen.
Den beiden ist es gelungen, einem verblüffend arglosen Gauland eine Äußerung zu entlocken, die sich prächtig skandalisieren ließ. Solche Kniffe kannte man bislang vorzugsweise von Boulevardblättern oder Hetzpostillen vom linken Rand. Nun sind derlei Praktiken also auch bei einem „anerkannten Qualitätsblatt“ eingezogen, wie Bettina Röhl die „Frankfurter Allgemeine“ trotzdem noch nennt. Fürwahr, Deutschland verändert sich.
„Gauland beleidigt Boateng“ lautete die donnernde Überschrift (Oder sollten wir sagen: „Headline“? Weil das Schimpansen-Englisch der Revolverblatt-Redaktionen in diesem Zusammenhang besser passt?), mit welcher die Sonntagsausgabe der „FAZ“ besagten Sturm gesät hat, der die Woche hindurch übers Land fegte.
Wer sich das Gauland-Zitat allerdings näher ansieht, dem entpuppt sich der rasende Sturm als fauler Furz. Auch wenn Sie’s vielleicht schon x-mal gelesen haben, sollten wir es uns ruhig noch einmal gemeinsam ansehen. Gauland sagte, die Leute mögen zwar dem Fußballspieler zujubeln, als Nachbarn wollten sie „einen Boateng“ aber nicht.
Was hat er damit über Boateng gesagt? Genau: gar nichts. Der AfD-Vize meint bloß, in Deutschland einen weitverbreiteten Zwiespalt anzutreffen. Wir täten vordergründig so, als wäre uns ein farbiger Deutscher ganz selbstverständlich, während wir ihn insgeheim immer noch als Fremden, ja vielleicht sogar als unangenehmen Fremden betrachteten, den wir lieber auf Distanz hielten.
Wenn Gauland also überhaupt jemanden „beleidigt“ hat, dann sind wir es. Ich für meinen Teil weise diese Unterstellung eines verkappten Vorbehalts gegen Farbige jedenfalls entschieden zurück, Herr Gauland!
Interessant ist es zu beobachten, wer sich trotz dieses klaren Sachverhalts alles über Gaulands vermeintliche Boateng-Beleidigung „empört“ hat. Darunter Politiker und Journalisten ohne Zahl, aus deren Kreisen immerfort behauptet wird, dass der Rassismus in Deutschland ein Massenphänomen sei, das „aus der Mitte unserer Gesellschaft“ komme. Die uns, bringen wir es auf den Punkt, seit Jahren etwas ganz ähnliches zutrauen wie das, was uns der AfD-Mann am Beispiel des Fußballspielers unterjubeln möchte.
Und woher dann die Aufregung? Das wüsste ich auch gern. Im ersten Anlauf möchte man sich übergeben angesichts der Verlogenheit der künstlich „Empörten“ und ausrasten wegen der Dummheit der vielen, die den Mist gefressen haben. Wenn wir aber genauer hinsehen, bemerken wir, dass in Wahrheit etwas ganz Wunderbares passiert ist.
Wie gesagt, es gehört zu den Lieblingsübungen unserer Volkserzieher und -ermahner, den Deutschen ganz pauschal einen verdeckten Rassismus anzuhängen. Nun warten Sie einfach mal ab, bis in Ihrer Umgebung jemand, der die Gauland-Äußerung „ganz entsetzlich“ fand, einen Satz sagt wie: „Die Deutschen haben im Kern doch immer noch Vorbehalte gegen Farbige“, und fragen Sie den Guten daraufhin: „Sie meinen also, die Leute möchten einen Boateng nicht zum Nachbarn haben? Hm?“ Das wird ein Spaß, glauben Sie mir! Heuchelei zu enttarnen, bringt einem zwar keine neuen Freunde, dafür aber unvergessliche Momente.
Zu mehr Ehrlichkeit dagegen hat neulich Finanzminister Schäuble beigetragen. Nachdem die jüngste Griechenlandhilfe über 10,3 Milliarden Euro beschlossen war, verkündete er mit trockener Mine: „Nach jetzigem Stand gehen wir nicht davon aus, dass es ein viertes Programm geben wird.“
Danke, Herr Minister, damit haben Sie uns endlich reinen Wein eingeschenkt: „Nach jetzigem Stand“ bedeutet nämlich, dass es schon in einer schlappen Stunde völlig anders aussehen könnte. Doch nicht einmal des „jetzigen Standes“ ist sich Schäuble sicher, weshalb er bloß „nicht davon ausgeht“, dass wir nach derzeitiger Einschätzung noch mehr zahlen müssen. Mit anderen Worten: Er kennt den aktuellen Stand der Dinge gar nicht so genau.
Oder, was wahrscheinlicher anmutet, er kennt ihn sehr genau und weiß, dass schon nach heutiger Kenntnis das vierte Hilfspaket sicher ist. Sowie das fünfte, das sechste ... und so weiter. Alles andere hätte uns auch schwer gewundert.
EU-Europa geht damit den Weg des Sozialismus bis in den Untergang: Jede noch so marode Bruchbude wird solange über Wasser gehalten, bis auch die gesunden Betriebe, die die Hilfen bezahlen müssen, unter den Lasten kollabieren. Dann fällt der ganze Laden auseinander – so wie weiland die DDR, nur jetzt eben das komplette Euro-System. Man könnte es vielleicht retten, indem man die Scheintoten einfach bankrott gehen ließe. Das aber wäre unsolidarisch. Deshalb wurde in der DDR niemand arbeitslos und deshalb fliegt aus der Euro-Zone auch keiner raus. Aber, wie gesagt, wenn der Abgang unrentabler Bereiche zwanghaft verhindert wird, gehen irgendwann alle gemeinsam den Bach runter.
Skeptiker fürchten, dass die Zuwandererwelle den Niedergang noch verstärken könnte, weil die Lasten noch mächtiger werden. Das darf uns aber nicht kümmern, entgegnen die Kirchen, denn es handele sich um Menschen in Not, die wir schützen müssten aus Nächstenliebe.
Oder aus anderen guten Gründen, die uns der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, neulich enthüllt hat. Weil geflüchtete Christen in deutschen Asyllagern von muslimischen Mitbewohnern oder gar islamischem Wachpersonal drangsaliert werden, hat jemand vorgeschlagen, die Christen zu ihrem Schutz getrennt unterzubringen.
Kommt nicht in Frage, weist Sternberg dieses Ansinnen zurück, denn dann „leisteten wir dem Eindruck Vorschub, wir seien nicht fähig zur friedlichen Koexistenz“. Mit anderen Worten: Nicht zu ihrem Schutz nehmen wir die geflüchteten Christen auf, sondern damit er, Sternberg, seine wunderbare Fähigkeit zur „friedlichen Koexistenz“ ins Fenster stellen kann. Dafür müssen seine bedrängten Glaubensbrüder in den Lagern dann eben ein biss­chen leiden – das ist es ihm wert, diesem tapferen Mann.
Allerdings wäre es dringend zu wünschen, dass die Christen beim Leiden die Klappe halten, statt die irritierenden Vorgänge öffentlich zu machen. Das Gerede trägt nur zur Verbreitung von Vorurteilen bei, denn, so Sternberg weiter: „Man muss sich davor hüten, es als typisch islamisch darzustellen, wenn Christen in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Flüchtlingsheimen bedrängt werden.“ Soll wohl heißen: Das hat alles nichts mit der Religion zu tun, klar?
Wie es sich „friedlich koexistieren“ lässt mit Fremden, die schon im Asyllager ihrem Hass und ihrer Verachtung für die Mehrheitsreligion des Aufnahmelandes freien Lauf lassen, werden wir  bald erfahren. Aber wie gesagt: Immer schön den Mund halten.


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Kommentare

Jürgen Imber:
8.06.2016, 19:29 Uhr

Das was Herr Heckel "verkappten Vorbehalt gegen Farbige" ist in meinen Augen das Normalste der Welt. Ich kenne niemand, der nicht entschieden die Nachbarschaft von Farbigen ablehnen würde. Nicht einen!


Dieter Porten:
4.06.2016, 15:23 Uhr

Wieder mal wundervoll ins Rot-Grün-Schwarze getroffen, Hans Heckel!
aber vielleicht hat das Ganze auch mit Geld zu tun. Die "Flüchtlinge" sind auch Botschafter des Islam und dieser ist in den meisten arabischen Ländern identisch mit der Staatsmacht. Wieviel Petrodollar kostet denn heute eine europäische Regierung? Letztlich ist doch alles käuflich im Sinne der FDJ Sekretärin, die die Marktwirtschaft wohl nie verstehen wird.


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