Jetzt sind wir dran

EZB erzwingt lieber gigantische Massenenteignung deutscher Sparer als Reformen

11.06.14
EZB-Chef Mario Draghi: Er senkt den Druck auf südeuropäische Krisenländer und lässt Nordeuropäer dafür zahlen. Bild: action press

Bislang mochten die Deutschen die Euro-Krise für ein Phänomen halten, das ausschließlich in den sogenannten „Krisenländern“ des Süden wütet, sie selbst aber weitgehend ungeschoren lässt. Das war von Anfang an eine Illusion, die sich nun auflöst.

Mit den schmerzlichen Kürzungen bei den zur Auszahlung fälligen Lebensversicherungen haben die Deutschen einen ersten akuten Schlag einstecken müssen – also einen, der nicht erst langfristig wirkt wie Kreditausfälle bei den „Rettungsschirmen“ und real negative Zinsen.
Die Entscheidung der EZB, den Einlagenzins für Banken ins Minus zu drücken, ein historischens Novum, kündigt an, dass dies erst der Anfang einer gigantischen Massenenteignung war, mit der die Deutschen für den Fortbestand des Euro bluten sollen.
Den Einlagenzins zahlen Geschäftsbanken, die Geld bei der Zentralbank deponieren. Ab sofort bekommen sie dafür Laut EZB-Chef Mario Draghi keine Zinsen mehr, sondern müssen welche bezahlen. Kein Zweifel, dass sie die Kosten dafür den Sparern aufdrücken.
Ziel sei es, die Banken, vor allem in Südeuropa, dazu zu drängen, mehr Kredite an Privat- und Geschäftskunden auszugeben, statt Geld zu horten, so die EZB. Damit solle die lahmende Wirtschaft angekurbelt werden.
Experten weisen dies als Blütentraum zurück. In dem verheerenden Wirtschaftsumfeld Süd- europas werde auch dann kaum jemand investieren, wenn Kredite noch billiger seien.
Die Fachwelt befürchtet etwas ganz anderes: Die dringend reformbedürftigen Länder werden die noch niedrigeren Zinsen nutzen, um schmerzhafte (und daher unpopuläre) Einschnitte zu unterlassen. Dies fällt ihnen nun noch leichter, denn da neue Kredite nun so günstig sind, wie nie zuvor, machen sie einfach neue Schulden. Damit verlieren ihre Länder aber nur weitere Jahre, fallen weiter zurück und erleben danach ein noch brutaleres Erwachen.
Damit zahlen die deutschen Sparer nur dafür, dass die Politiker in den einstigen Weichwährungsländern, welche die Euro-Zone heute beherrschen, sich abermals zurücklehnen können. Dafür, dass sie sich nach der Devise „Nach uns die Sintflut“ Ruhe für die nahe Zukunft kaufen können, weil für sie die fernere sowieso nicht so wichtig ist.
Längerfristig gewinnen wird ledigleich eine winzig kleine, aber märchenhaft reiche Schar von Riesenspekulanten, die mit dem
Billiggeld, zu dem die Euro-Zentralbank die Ersparnisse der Deutschen gemacht hat, weitere Blasen aufpumpt und absahnt. Die Immobilien- und Aktienpreise laufen bereits heiß.
Wer ein Gedächtnis hat, der weiß noch, wie die erste Euro-Krise begann: genauso. Nur dass wir heute auf einem weitaus brüchigeren Fundament mit viel höheren Schulden balancieren. Verblüffend ist, wie regungslos die Deutschen ihre Enteignung hinnehmen.     Hans Heckel


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Kommentare

Helmut Josef Weber:
12.06.2014, 20:10 Uhr

Ich fühle mich nicht durch Draghi enteignet.
Ich spare seit 1986 für meine Altersversorgung in physischem Gold.
Bis 2009 ist der Kurs um etwa 500% gestiegen und von 2009 bis heute (aktuell) um 69%.
Worüber soll ich da meckern.
Gut- andere Leute haben sich für Riester, Allianz und Co. entschieden; eben Papierwerte.
Daher müssen sie auch damit leben, dass Papiere immer dahin gehen, wo sie immer hingegangen sind; es weiß doch jeder seit etwa 4.000 Jahren.
Man muss dem Onkel eben nicht alles glauben, wenn er einem was aufschwatzen will; deshalb darf man solche Papier auch erst kaufen, wenn man volljährig ist.

Viele Grüße
H. J. Weber


Hein ten Hof:
12.06.2014, 15:57 Uhr

Vielen Dank für diesen Artikel.
Wir sind allerdings nicht erst JETZT dran, wir sind schon LANGE dran.
Dazu zähle ich u.A. die Besatzungskosten (Art. 120GG), die Deregulierung der Finanzmärkte in Deutschland. Cross border leasing Geschäfte, PPP usw.
Zu den Lebensversicherungen hat das Landgericht Hamburg schon 1983 festgestellt, dass es sich dabei um "legalen Betrug" handelt. Az 74 047/83.
Urteils Begründung:
"Die streitige äußerung dient der Aufklärung der Verbraucher über das Wesen der Lebensversicherung zur Altersversorgung. Durch die Einstufung dieser Versicherung als „Legaler Betrug“ wird von dem Abschluss solcher Verträge abgeraten. Es ist ein öffentliches Interesse daran vorhanden, dass potentielle Versicherungsnehmer über die verschiedenen Möglichkeiten, das Todesfallrisiko zu versichern, aufgeklärt werden.
http://www.gegen-altersarmut.de/Wissen_Gerichtsurteile.htm#LV-Legaler-Betrug


Dietmar Fürste:
11.06.2014, 15:04 Uhr

Lieber Hans Heckel,

ein wirklich gelungener Beitrag, herzlichen Dank dafür!

Eine Kleinigkeit noch: Für die Versicherten war es leider nicht der "...erste akute Schlag...".

Die Politik hat bereits per Januar 2004 für die Auszahlsummen von betrieblichen Direktversicherungen die nachträgliche Beitragspflicht über 10 Jahre (!) für die Krankenversicherung eingeführt.

Und hat damit rückwirkend in bestehende Altverträge eingegriffen und gleich zwei Grundprinzipien des Rechtsstaates verletzt:
1. Verträge müssen eingehalten werden
2. Unrecht schafft kein neues Recht


Alexander Golmann:
11.06.2014, 14:55 Uhr

Bei negativen Zinsen werden die Banken Staatsanleihen kaufen aber sicherlich nicht in negativverzinste Anlagen investieren. Da gibt es wohl noch einige Defizite beim Author bezüglich der Funktionsweise von Finanzmärkten!


Andreas Müller:
11.06.2014, 12:54 Uhr

... Verblüffend ist, wie regungslos die Deutschen ihre Enteignung hinnehmen...

Absolut zutreffend Herr Heckel.
Solangsam beschleicht mich das Gefühl, dass an den chemtrails u. harpp doch etwas mehr dran sein muss...
Andererseits wird das Thema Staatsbankrott genauso mit der Rot-GRÜNEN Inquisition verfolgt wie Aufmucken gegen die Migrantenkriminalität und ungehemmte Zuwanderung in unsere
Sozialsysteme.
Das ganz dicke Ende wird aber auch von diesen deutschfeindlichen Demagogen und Raffgeiern nicht aufzuhalten sein.


Dan Cooper:
11.06.2014, 12:52 Uhr

Die Enteignung läuft ja bereits seit Jahren. Jeder, der eine Lebensversicherung hat, kann sehen, wie Jahr für Jahr der zu erwartende Auszahlungsbetrag nach unten korrigiert wird.

"Verblüffend ist, wie regungslos die Deutschen ihre Enteignung hinnehmen." Das ist mir auch unverständlich. Vielleicht wollen es die Menschen auch gar nicht so genau wissen und sie verlassen sich weiter auf die Leute, die sie in die Krise gebracht haben.


Dietmar Fürste:
11.06.2014, 09:15 Uhr

Indem Prof. Dr. Draghi von Goldman Sachs' Gnaden auf diese Weise die neue Umverteilung der Vermögen von Nord nach Süd und - vor allem - von unten nach oben potenziert, mag er vielleicht den großen Crash des maroden EU-Konstruktes und dessen anglo-amerikanischer Finanzordnung noch etwas hinauszögern. Auf Dauer vermeiden können wird er ihn nicht. Die EU als Konglomerat von Staaten, die sich allesamt in astronomische Schulden haben treiben lassen, ist jedenfalls nun genau da angekommen, wo sie nach all den Lügen und Vertragsbrüchen (No-Bailout) auch hingehört:

Ein historisch einmaliger Fehlversuch, einen ganzen Kontinent 'zum Besseren' umzugestalten. Oder war das gerade nicht das Ziel der "Schöpfer" an der Wallstreet, der City of London und in all den geheimen Zirkeln, Round Tables, Think Tanks, Stiftungen, Bündnissen und Pakten? Ging es vielleicht vielmehr von Anfang an um den ganz großen Crash, nach welchem die dann verelendeten EU-Bürger willig ihre alten Nationen aufgeben, der Neuen Weltordnung folgen und eine Weltregierung anerkennen sollen, wie David Rockefeller es erträumte und Prof. Zbigniew Brzeshinsky es umsetzen sollte?


Robert Schwänz:
11.06.2014, 01:51 Uhr

Das wird daran liegen, dass die Menschen sich mit der Geldthematik nicht wirklich auskennen. Auch wurde die Meldung mit dem Negativzins nur kurz angerissen, seitens der Medien und kein großes Tohuwabohu drum gemacht. Welche Banken betrifft das denn jetzt genau? Betrifft das "nur" die großen Zockerbanken (Deutsche Bank, Kommerzbank etc) oder auch Sparkassen/Volksbanken? Folgendes soll jetzt nicht falsch verstanden werden, aber vielleicht könnte sich auch die PAZ ein wenig um Hintergrundinfos bemühen, statt ständig nur richtigerweise auf Tagesaktuelle Informationen zu stürzen. Falls es sowas schon gibt, hab ich es nicht gelesen und wäre über eine Verlinkung dankbar. Mit Hintergrundinfos meine ich, allgemein ein wenig Ordnung in die Wirren des Geldsysstem, Fiat-Moneys etc. bringen.

Beste Grüße

Robert =)


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