Keine Zeit für den Pool

Mit einem Tanzschiff an der Küste Marokkos entlang – Eine Kreuzfahrt auf der »Costa Pacifica« zu den Kanarischen Inseln

05.04.19
Badespaß mit Wasserrutsche: Das Sonnendeck der „Costa Pacifica“ Bild: tws

Kreuzfahrten sind beliebt, aber nicht jedermanns Sache: zu voll, zu teuer, zu umweltschädlich.  Wer aber seine Vorbehalte überwindet und sich erstmals mit einem Hotelschiff auf See begibt, kehrt dennoch meist mit positiven Ferienerlebnissen zurück.

Bereits im Bus wird der Kreuzfahrt-Debütant belehrt, wie man „Costa Pacifica“ richtig ausspricht. „,Patschifika‘“ mit ,tsch‘, weil man im Italienischen das ,ci‘ so spricht.“ Der aus Sachsen stammende Werner ist wahrer Kreuzfahrtprofi. Im Busshuttle der Reederei, der die deutschen Gäste von Mailands Flughafen Malpensa zum Hafen von Savona an der ligurischen Küste bringt, erzählt Werner, dass er in den vergangenen vier Jahren schon acht Kreuzfahrten mit Costa-Schiffen mitgemacht habe. Als Rentner gönnt man sich ja sonst nichts. „Nu, mit der ,Patschifika‘ bin ich schon dreimol gefohren, sie iss die bäschte“, sächselt er.
Nach einer Stunde Fahrt springt er im Bus auf: „Da ist sie!“ und zeigt mit dem Finger nach draußen. Ein weißer Gigant mit gelb-blauen Aufbauten, fast 300 Meter lang und 17 Decks hoch, hebt sich im Hafen von Savona wie ein Wolkenkratzer vom malerischen Stadtbild ab. Mit ihm werden in den nächsten zwölf Tagen etwa 3500 Passagiere, die von einer über 1000-köpfigen, überwiegend aus Südostasien stammenden Crew bedient werden, zu den Kanarischen Inseln und wieder retour fahren.
Aber erst einmal muss man auf das Schiff kommen. Und das dauert. Im Terminal harren manche zwei Stunden aus, ehe die zuvor ausgehändigte Einschiffungserlaubnis aufgerufen wird. Kaum an Bord und die – geräumige – Kabine aufgesucht stürzen sich die ersten statt in die Schwimmbecken auf dem Oberdeck erst einmal auf das Büffet. Andere versuchen verzweifelt, mittels Bordplan diese Kleinstadt zu erkunden. Hier könnte Werner helfen, aber der ist wie vom Erd-, pardon: Schiffsboden verschwunden.
Marseille, die drei Kanareninseln Lanzarote, Teneriffa und Madeira sowie Málaga und Civitavecchia bei Rom sind die Ziele, welche die „Costa Pacifica“ im April und Mai sowie von September bis November ansteuert. Wer meint, abseits der Ferienzeiten auf ein nur mäßig gefülltes Schiff zu treffen, der irrt. Auf dem Sonnendeck ist fast jede Liege belegt. Also ab in den Pool? Nein, noch zu voll, dann lieber später.
„Scusi“, eine Dame zwängt sich gerade entschuldigend in den gläsernen Fahrstuhl, von dem aus man mehrere Decks bis nach un­ten in die Lobby blicken kann. Italiener sind in der Mehrzahl, doch es gibt auch viele deutsche Passagiere. Die „Costa Pacifica“ – nahezu baugleich mit der 2012 vor der Mittelmeerinsel Giglio auf Grund gelaufenen „Costa Concordia“ – gehört der in Genua ansässigen Reederei Costa Crociere, diese aber hat mit Michael Thamm einen deutschen Chef, der zuvor für das deutsche Kreuzfahrtunternehmen Aida tätig war. Seit 2004 fahren Aida Cruises und Costa Crociere unter gemeinsamer Re­gie. Zusammen kommen sie auf 27 Schiffe mit 76000 Betten. Und weitere Schiffe sollen demnächst hinzukommen. Völlig selbstständig sind Aida und Costa Crociere nicht, gehören sie doch zu der in den USA ansässigen Carnival Corporation, dem mit über 100 Schiffen größten Kreuzfahrtkonzern der Welt.
Die riesige „Costa Pacifica“ ist da nur ein kleiner Teil des lukrativen Kreuzfahrtgeschäfts. Mit aufwendigen Sport-, Mitmach- und Showprogrammen will man die Kundschaft bei Laune halten. Nach der Abfahrt von Marseille beginnt der Terminstress. 9.30 Uhr: Morgengymnastik, 11 Uhr: Sudoku, 12 Uhr: Salsa-Kurs ... so geht das den ganzen Tag weiter, und man will ja nichts verpassen. Da bleibt für den Pool keine Zeit.
Sportlich Beflissene drehen selbst unter der afrikanischen Mittagsonne kurz vor den Kanaren einige Runden um den Schornstein. Ob es gesund ist, auf der 150-Meter-Bahn zu joggen oder zu walken, ist die Frage. Je nachdem wie der Wind weht, riecht man die Abgase. „Eigentlich ist es ein ökologisch perverser Wahnsinn, was wir hier treiben“, meint eine asketische Sportlerin, während sie weitertrabt.
Der Schadstoffausstoß dieser schwimmenden Schweröl-Kraftwerke hat zuletzt für viel Diskussion gesorgt. Für Aufsehen sorgte der deutsche Naturschutzbund mit der Äußerung: „Ein einziger Ozeanriese stößt so viele Schadstoffe aus wie Millionen von Pkw.“ Tatsächlich hat man dabei leicht übertrieben. Zwar sind auch Schiffe Dreckschleudern, was Rußpartikel angeht, doch pro Passagier und gefahrenen Kilometern erzeugt solch ein Schiff weniger CO2 als ein Auto.
Nachdem man durch die Straße von Gibraltar gefahren ist und die  Uhrzeit um eine Stunde zurück­gestellt hat, ist die Vulkaninsel Lanzarote erreicht. Draußen stehen Busse für eine Inseltour be­reit. Wer Kosten sparen will, teilt sich mit mehreren Personen ein Taxi und handelt mit dem Fahrer einen Preis aus. Ähnliches gilt an den Folgetagen für Teneriffa und Madeira. Die Inseltouren per Bus kann man auf dem Schiff vorher buchen. Günstig sind sie nicht gerade. Und wer auf Teneriffa auf den höchsten Berg Spaniens will, sollte sich nicht überschätzen: Von Meereshöhe auf 3700 Meter in kürzester Zeit mit der Seilbahn zum Pico del Teide hochzufahren, hat schon bei so manchem zur Höhenkrankheit geführt.
Nach der zu Portugal gehörenden Blumeninsel Madeira und dem Abschiedslied „Time to Say Goodbye“, dass bei jedem Auslaufen aus den Außenlautsprechern dröhnt, geht es schon wieder zurück: wieder bei Nacht durch die Straße von Gibraltar, Málaga wird angelaufen, danach die Zeit um eine Stunde vorgestellt, ehe man tanzend Civitavecchia er­reicht. Die „Costa Pacifica“ ist ein Tanzschiff mit mehreren Bühnen, auf denen Musiker abends Tanzmusik spielen. Dazu kommt noch ein großes Showtheater mit oft grandioser Live-Unterhaltung.
Von Civitavecchia aus fahren die meisten Passagiere für sieben Stunden nach Rom. Endlich die Gelegenheit, auf dem fast leeren Schiff in den Pool zu springen. Doch jetzt spielt das Wetter nicht mit: Es ist kalt und windig. Dafür herrscht kein Gedränge und Ge­schubse am Buffet. Auch Churros, eine Art iberische Krapfen, gibt es zur Genüge. Nachmittags stehen sonst Passagiere nach dieser frittierten Leckerei Schlange. Kaum füllt der Koch welche nach, stapelt sich der Erste die frischen Churros bergeweise auf den Teller, sodass die anderen gleich wieder das Nachsehen haben.
Und wo blieb Werner die ganze Zeit? Nach der Ankunft in Savona trifft man sich im Shuttlebus Richtung Flughafen Malpensa wieder. Er habe keine Ausflüge mitgemacht und die Tage nur im Pool und auf dem Sonnendeck verbracht. So ging man sich also aus dem Weg und so hatte irgendwie jeder seinen Spaß auf der „Costa Patschifika“.     Harald Tews


Die „Costa Pacifica“ fährt vom 12. April bis 26. Mai sowie vom 22. September bis 16. November neun Mal zu den Kanaren. Infos unter Telefon (040) 570121316 oder www.costakreuzfahrten.de. Unter www.royaldance.de kann man darüber hinaus Tanzreisen auf Costa-Schiffen buchen.


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