Kloster Jasenitz

09.08.19

Der Weg führte den Historischen Arbeitskreis Stettin (HAST) von Odermünde nach Jasenitz (Jasienica). Der Ort am Rande der Ueckermünder Heide lag früher im Kreis Randow. Die heutige spätgotische Kirche wurde 1778 vom Feuer verschont und im 19. Jahrhundert etwas umgebaut. Das Kloster stammt aus dem Jahr 1329. Es wurde ursprünglich von Herzog Barnim I. in Ueckermünde gestiftet und bald von Victoriner Mönchen besiedelt, die aus Paris kamen und nach der Regel des Heiligen Augustinus lebten. Das Kloster wurde mehrmals verlegt bis es endgültig nach Jasenitz kam. Die Mönche nannten es ‚Donum Dei‘ (Gottesgeschenk). 1534 war das Kloster verschuldet. Nach 1535 wurde es zu einem fürstlichen Wohnsitz eingerichtet und vielfach als Jagdschloss genutzt. Von den Gebäuden sieht man heute nur noch wenig.

Umgebaut hat das ehemalige Jagdschloss die verbannte Prinzessin Elisabeth Christine, geschiedene Kronprinzessin von Preußen, aus dem Hause Braunschweig-Wolfenbüttel. Ihr Gemahl war der spätere König Friedrich Wilhelm II. Sie war eine gute Reiterin und soll vom Stettiner Schloss im Sommer nach Jasenitz geritten sein. 1809, sie war inzwischen 63 Jahre alt geworden, verkaufte sie das Sommerschloss. Den fürstlichen Wohnsitz übernahm Hans Georg Alexander Friedrich von Köller, und im Jahr 1837 wurde Otto Waldemar Zitelmann der Besitzer des Rittergutes. Er vererbte es 1858 an seine Frau Anna-Luise Zitelmann geborene Giesebrecht. Sie war eine Tochter des Dichters und Lehrers am Stettiner Marienstiftsgymnasium Heinrich Ludwig Theodor Giesebrecht. Dieser war Mitglied des Frankfurter Parlaments von 1848-1849. Die Universität in Königsberg verlieh ihm 1862, die Universität von Greifswald 1866 die Ehrendoktorwürde.

Welcher ehemalige Stettiner Schüler kennt nicht das Gedicht: „Der Lotse“. Zu seinen Schülern zählte auch Adolf Pompe, Verfasser des bekannten Pommernliedes: „Wenn in stiller Stunde“. Ludwig Giesebrecht starb in Jasenitz und wurde dort begraben. Seine Grabstätte und sein Denkmal verschwanden nach 1945.

Die Teilnehmer des HAST entdeckten in der Nähe der heutigen spätgotischen Marienkirche das Modell einer Malzmühle. Ein Pole hatte die Steffensche Malzmühle nachgebaut, die für Jasenitz und Umgebung von großer Bedeutung gewesen war. Paul Steffen besaß in Duchow-Jasenitz eine Mühle und ein Dampfsägewerk, in dem Material für Feldscheunen und Rinderställe hergestellt wurde. Er war der Onkel von Grethe Weiser, geborene Nowka, die eine Zeitlang bei ihm als junges Mädchen zu Besuch war.

Von Jasenitz fuhr der HAST zu einem verspäteten Mittagessen ins Hafenrestaurant nach Ziegenort (Trzebież). Eifrig fotografierten die Teilnehmer des HAST den kleinen Hafen mit der Segel-Schule. Hier lag bis 1945 das Segelschiff Admiral von Trotha als stationäres Schulschiff. Kadetten erhielten auf dem großen Segler ihre Grundausbildung. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges war der Segler nicht seetüchtig, wurde deshalb mit Flüchtlingen an Bord mit Schleppern in Richtung Stralsund gebracht. Die Admiral von Trotha sank im Barther Bodden. Ziegenort nennt sich heute Trzebież und liegt direkt am Stettiner Haff. Über Neuwarp (Nowe Warpno) am Warper See, dem nördlichsten Punkt des Festlandes am Haff, ging es zurück nach Stettin.

Brigitte Klesczewski


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