Kommentar: Das Parteiensystem ist am Ende

Der Bürger kann sowieso immer nur die Falschen wählen

05.05.14
Eva Herman

Die Europawahl steht vor der Tür. Doch wer geht überhaupt hin? In meinem Bekanntenkreis kenne ich niemanden. Viele Menschen können dem unpersönlichen Zentralkonstrukt in Brüssel immer weniger abgewinnen, weil ihre persönlichen Interessen dort gar nicht vertreten werden. Im Gegenteil: Einige wenige „hochrangige“ Leutchen treffen dort Entscheidungen, die die Bürger niemals unterstützen würden, wenn man sie nur fragte: Ob es um die Euro- oder die Finanzpolitik geht, um familienpolitische Aspekte, um die Bewältigung der Zuwanderungsprobleme oder auch nur um die Abschaffung der alten Glühbirne: Die Ablehnung steigt!
Spannenderweise übt nun EU-Ratspräsident Herman van Rompuy selbst umfassende Kritik an dem EU-Zentralkonstrukt: In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ äußerte er am 19. April ausdrücklich Verständnis für die Leidenschaftslosigkeit der Europäer an der EU-Wahl: „Wirklich entschieden“ werde nämlich anderswo und nicht im Parlament. Ja, wo denn dann? Rompuy, der es als Erster wissen muss, antwortet: „Im Europäischen Rat, unter den Staats- und Regierungschefs. Dieser Unterschied zwischen dem Parlament und denen, die wirklich entscheiden, ist den Bürgern sehr klar.“
Und wer sind die wahren Mächtigen, die hinter den Staats-und Regierungschefs stehen und denen wiederum ihre Anweisungen geben? Es ist keine sogenannte Verschwörungsthese, wenn man die Antwort nennt, da sie ja vom EU-Ratspräsidenten selbst kommt: „Wir hängen ab von den Finanzmärkten“, so Rompuy, der noch weiter geht: „Am Anfang der Krise hatten wir oft den Eindruck, die Märkte seien mit in dem Raum gewesen, in dem wir Beschlüsse gefasst haben …“ Man sollte den Satz mehrmals lesen, denn er ist das künftige Hauptargument für die Ablehnungshaltung gegenüber jeder weiteren politischen Wahlveranstaltung. Die Märkte im politischen EU-Raum? Wer sind die Märkte? Es sind die Käufer und Verkäufer, und zwar die ganz großen, mächtigen, es sind die sogenannten Global Players und ihre Millionen Lobbyisten. Letztere tragen die entsprechenden Pläne in die Parteizentralen, in die Gremien, die Politiker tanzen wie Puppen an den Fäden.
Auch wenn es anders aussieht, doch unsere Volksvertreter, das wissen wir nach Rompuys Aussagen nun ganz gewiss, können nichts für uns ausrichten. Die Macht sitzt „in den Märkten“. Diese bestimmen alles: Die internationalen Verträge, die Preise, die globalen Handelsbedingungen. Sie entscheiden, wer Gewinner und wer Verlierer ist, wer gehen muss und wer bleiben darf. Welchen Platz die 740 Millionen EU-Bürger dabei einnehmen dürfen, wird immer klarer. Es sei dem EU-Ratspräsidenten gedankt für seine Offenheit, aus welchen Gründen dieser sich auch immer hat in die Karten schauen lassen. Wir haben es jetzt amtlich: Der Wille der EU-Völker spielt keine Rolle mehr. Auch wenn ihnen etwas ganz anderes vorgespielt wird.
An dieser Stelle sollte auf eine der folgenreichsten Entwicklungen hingewiesen werden, die derzeit hinter den verschlossenen Türen der Global Players entschieden wird: das sogenannte Freihandelsabkommen TTIP zwischen Europa und den USA. Für TTIP gibt es – offiziell – übergeordnete Gründe. Die USA und die EU wollen mit einem gemeinsamen Handelsblock einen Gegenpol zu Asien schaffen. Schnell wird klar, dass es um Handelsrichtlinien und Regularien geht. Vor allem die US-Lobbyisten erweisen sich als Impulsgeber. Was auf den ersten Blick vielleicht gut klingen mag, birgt in Wahrheit unabsehbare Gefahren. Wohl nicht umsonst hatte US-Präsident Barack
Obama die Abschlussverhandlungen zwischen der EU-Kommission und der US-Regierung zum TTIP mit dem Hinweis angekündigt, diese würden in geheimer Runde stattfinden. Warum geheim?
Es hatte sich schon ordentlich Widerstand formiert in Europa, denn beim TTIP geht es vor allem um die Interessen der amerikanischen und europäischen Global-Konzerne, die im Windschatten der Politiker eine Freifahrtkarte zum weltweiten Vertrieb ihrer Produkte erlangen sollen, gegen den Widerstand anderer Länder, die diese Waren aus ganz bestimmten Gründen gar nicht haben wollen. Multinationale Konzerne, Pharma- und Lebensmittel-Riesen oder Ölfirmen erhalten besondere Befugnisse, um Recht und auch Gerichtsentscheide in der EU anzufechten. Dieselben ausländischen Firmen können Steuergelder in unbegrenzter Höhe als Erstattung für „finanzielle Einbußen“ kassieren, wenn erwartete Gewinne durch Maßnahmen zum Schutz inländischer Finanz-, Gesundheits-, Arbeits-, Umwelt- oder Landnutzungs-Gesetze gegen ihre neuen TTIP- Privilegien ausbleiben. Horrorgebilde wie Genmais, Fracking, Kloning oder weitere Menschenversuche würden zu EU-Recht werden. Wer nicht mitmachen will, wird empfindlich bestraft.
TTIP wird derzeit unauffällig durchgewinkt. Doch was soll der Bürger jetzt tun? Kann er noch etwas verhindern, vielleicht bei der Europawahl am 25. Mai? Ein klares Nein! Er hat keinen Einfluss, und er kann sowieso immer nur die Falschen wählen. Eine flächendeckende Wahlverweigerung hingegen würde das politische Parteiensystem kippen. Und das kann nur noch das Ziel sein.
Unsere Politiker sind hilflose Marionetten geworden. Und ihre Parteiensysteme sind wie Krebsgeschwüre. Der erste und genau genommen einzige Zweck jeder politischen Partei sei ihr eigenes Wachstum, bis jegliche Grenze erreicht sei, schrieb die französische Autorin Simone Weil vor 70 Jahren schon. Danach beginne das Sterben. Solange beherrscht das Parteien-Kollektiv noch die denkenden Wesen, und zwar hauptsächlich durch sämtliche Mittel der Propaganda, also unserer Massenmedien. Diese dienen eilfertig den Mächtigen, doch auch sie nähern sich ihrem Ende, wie man derzeit immer klarer erkennen kann. Jahrzehntelang sorgten die Medien in fremdem Auftrag für die Abschaffung wichtiger Instanzen wie Werte und Moral, Fürsorge und Verantwortung – sorgten für das Ende der Nächstenliebe.
Es ist, als ob jetzt eine neue Zeit heranbräche. Alte Systeme brechen zusammen, denn kein noch so glänzender Prachtbau kann langfristig auf faulen Fundamenten stehen. Das politische Konzept der Parteien hat ebenso ausgedient wie die Machtstellung des Medienkartells. Wir schauen beim Siechtum einst großer Institutionen zu und fragen uns: Was kommt danach?
Es gibt nur einen Zweck, ein Überlebensziel für die Menschheit: Es ist weder Wachstum noch Einfluss auf das Kollektiv oder Machtausübung, sondern es ist viel einfacher, bestechender und richtiger: Es ist das Gute! Aus dem Herzen soll die schöpfende Kraft kommen, nicht aus dem nur wunschgesteuerten Intellekt. Das Gute ist die einzige Lösung, doch muss sie hart erkämpft werden, bevor sie flächendeckend installiert werden kann, diese edelste aller Lebenssituationen. Jeder kann damit anfangen: Noch in diesem Augenblick, jetzt gleich.
Die Arbeit beginnt bei uns selbst. Es ist das, was Simone Weil einst als „sanfte Revolution“ bezeichnete. Diese wird in Wahrheit jedoch der härteste Paukenschlag aller Zeiten sein: Zeit für die generelle Abschaffung aller politischen Parteien! Zeit für die Umkehr – und die Liebe. Eva Herman


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Kommentare

Bodo Krause:
20.05.2014, 15:18 Uhr

Dieser Kommentar entspricht in keiner Weise dem gewohnten journalistischen Standard der PAZ. Falsche Tatsachen (Einwohnerzahlen) werden mit Verschwörungstheorien zu einem ungenießbaren Ergebnis verschnitten die in einem postkapitalistischen Utopia enden. Realisierbare Alternativen nennt die Verfasserin nicht. Wer, wenn nicht "die Märkte" soll denn die Preise festlegen? Der Staat?

Ich glaube, dass Frau Herrmann nicht die Märkte, sondern bestimmte Marktteilnehmer meint. Hier wäre Kritik durchaus angebracht gewesen, dafür bedürfte es aber einem erheblich höheren Maß an intellektueller Bohrtiefe, als in dem Beitrag zum Ausdruck kommt.


Jürgen Kunz:
8.05.2014, 13:37 Uhr

Hier hat sich Fr. Hermann, bekannt von Kopp- Online und durch ihre Bücher, vergaloppiert!
Wer das Parteiensystem für "am Ende" erklärt. der steht womöglich nicht mehr für das Grundgesetz.
Ich sehe keine Alternative zum Wahlsystem, weil es keine gibt.


Dieter Schmitz:
7.05.2014, 19:11 Uhr

Als Ziel finde ich die Abschaffung aller Parteien gut. Abgeordnete werden von ihren Wahlkreisen gewählt und können auch von Wahlkreisversammlungen (alle Wahlberechtigten innerhalb des Wahlkreises) Aufträge erhalten, wie sie sich bei bestimmten wichtigen Abstimmungen zu verhalten haben. Das wäre das "imperative Mandat", das es heute offiziell nicht gibt - faktisch aber schon - eben durch die Partei - dann wäre es durch das Volk, was allemal besser ist. Kann der Abgeordnete dieser Weisung aus Gewissensgründen nicht nachkommen, kann er das Mandat zurückgeben. Bei Abstimmungen im Parlament, wo er keine Weisungen erhalten hat, handelt er nach seinem Gewissen - muss sich aber vor der Wählerschaft verantworten. Den ganzen Wasserkopf mit Parteivorsitzenden, Franktionsvorsitzenden etc., das korrumpierbar macht, bräuchte man dann nicht. Allerdings wären dann die Ergebnisse Abstimmungen weniger vorhersagbar als heute. Jeder Abgeordnete darf nur einmal maximal 5 Jahre und muss dann wieder zurück ins normale Volk.

Allerdings z.Z. gibt es dieses System nicht. Deshalb nicht zu wählen, sehe ich persönlich nicht als die richtige Lösung an. Ich kann die Argumente nachvollziehen, sehe es aber etwas anders. Selbst wenn nur 10 % zur Wahl gingen, würden 100 % der Sitze verteilt. Wenn nur 10 % zur Wahl gingen, wäre dieses natürlich ein Absinken der Legitimation. Das würde aber von den Abgeordneten wegdiskutiert werden. Falls es dann nicht zu einer Revolution von unten käme, würden die selbst mit 5 oder 1 % Wahlbeteiligung so weitermachen wie bisher. Meine Alternative: die Kleinen wählen (und zwar egal welche) -keine der auf dem Wahlzettel oberen 5 Parteien. Die Kleinen haben zwar auch meist keine vernünftigen Konzepte und auch dort könnte sich, falls sie größer werden, Opportunismus breitmachen. Darum geht es nicht. Es geht um "Sand im Getriebe". Bei der Europawahl gibt es keine 5 %-Hürde. Das heißt, viele ehemalig chancenlose Parteien hätten eine Chance reinzukommen - wenn auch nur mit einem Sitz. Was wäre, wenn sich die 99 deutschen Sitze 12 Parteien teilen? - Und: Für jeden der "Kleinen", der reinkommt, fliegt ein "Großer" raus. Das würde auch diese zum Nachdenken bewegen.


Rolf Weichert:
6.05.2014, 14:15 Uhr

Es kann sein, daß die Alternative für Deutschland nicht anders sind wie die jetzige Blockparteien. Wenn die UKIP in Grossbritanien Ihre 40 % kriegen würde, dann kann der britische Premierminister Cameron nicht schnell genug aus der EU heraus mit seinem England ziehen. Das gleiche auch in Frankreich mit La Pen. Wenn man an den Atomausstieg denke, dann ist es klar das Frau Merkel eine staatlich geprüfte Wendehälsin ist. Auch wenn man im europäische Parlament die Alternative für Deutschland nicht viel machen kann. Mann kann als Wähler den Blockparteien in Berlin die gelbe Karte oder sogar die rote Karte zeigen. das ist meine Stimme schon wert.


Gerald Tepper:
6.05.2014, 07:18 Uhr

Vielen Dank für diesen Artikel Frau Herman.
Zum Thema Wahlteilnahme möchte ich gern einen Punkt in den Raum stellen. Welchen Satz sondern die Politiker nach jeder Wahl unisono ab? Genau: "Wir bedanken uns bei DEN WÄHLERN für ihr VERTRAUEN."
Sie bedanken sich bei ALLEN Wählern für ihr Vertrauen, nämlich dem naiven Vertrauen in unser Parteiensystem.


Thomas Wagner:
6.05.2014, 05:27 Uhr

Sehr gut von Frau Herman erkannt, wer im globalkapitalistischen System und seiner Europasektion (auch EU genannt) das Sagen hat. Lediglich im letzten Absatz gleitet sie ins naiv Unpolitische ab. In der Tat ist es heute, und dies schon seit langer Zeit, so, dass die in den Parlamenten vertretenen Parteien nur noch der politisch/exekutive Arm der Interessen des transnationalen "Grossen Geldes" sind. Ueberdeutlich und fuer alle erkennbar, zumindest fuer die, die es sehen wollen, tritt dies bei der sogenannten Eurorettungspolitik zu Tage. Die Buerger Europas wurden zu Buergen fuer das Geschaeftsrisiko von Banken degradiert. Die internationale Finanzoligarchie scheucht die Politiker wie Hasen vor sich her. Die durch diese Buergschaften erlangten Kredite kommen dann aber nicht den einfachen Buergern der notleidenden Laender zu Gute - die muessen naemlich den Guertel enger schnallen - sondern fliessen wieder an die Finanzoligarchie zurueck. Es handelt sich um einen wunderbaren Kreislauf des Geldes. Aber die "Maerkte" wollen es nun einmal so. Wenn unsere Systemelite/-medien diesen euphemistischen Verschleierungsausdruck benutzen, dann hat man immer den Eindruck, dass von einem goettlichen Wesen die Rede sei, dessen Wege zwar unergruendlich fuer den Normalmenschen sind, dessen Ratschluss man sich aber, da alternativlos, ohne zu hinterfragen zu unterwerfen habe. Die "Finanzmaerkte" sind aber nun einmal nichts anderes als die Summe der Interessen der internationalen Hochfinanz. Die Mitglieder dieser Hochfinanz sind jedoch nicht uebernatuerlichen Ursprungs, sondern auf dieser Erde angesiedelt und aus Fleisch und Blut. Man koennte hier einmal stellvertretend fuer viele andere folgende Namen nennen: George Soros, Warren Buffet, David Rockefeller und Larry Fink. Letzterer ist uebrigens Mitbegruender und Vorsitzender des Finanzkonzerns "Black Rock", welcher ca. 4 Billionen Dollar verwaltet, was ungefaehr dem 10-fachen des deutschen Bundeshaushalts entspricht. In der Systempresse wurde er daher auch schon als der maechtigste Mann der Wallstreet bezeichnet. Und die Lobbyisten dieses Geldadels sitzen ja ueberall. Im Bruesseler Regierungsviertel zum Beispiel befinden sich Tausende von denen und man darf annehmen, dass dies nicht wegen des guten Wetters oder der guenstigen Miet-/Immobilienpreise so ist. Diese Lobbyisten wirken dann u.a. in den sogenannten Expertenkommissionen der EU-Kommission mit, wenn es um die Ausarbeitung von EU-Gesetzen geht. Das EU-Parlament hat damit ueberhaupt nichts zu tun, da nur die EU-Kommission das Recht hat Gesetze auszuarbeiten (alleiniges Initiativrecht der EU-Kommission). In diesem Zusammenhang solte es einen auch nicht erstaunen, dass der u.a. fuer Deutschland zustaendige Geschaeftsleiter von Goldman/Sachs, Alexander Dibelius, der Berater von Bundeskanzlerin Merkel ist. Ebenso ist es fuer denjenigen, der ein "Systemverstaendnis" besitzt, nicht verwunderlich, dass sowohl Dibelius als auch Merkel Mitglieder in der transatlantischen Kaderschmiede "Atlantik-Bruecke" sind. Transatlantische Netzwerke, wie die Atlantik-Bruecke, American Council on Germany, Aspen Institute, Deutsche Atlantische Gesellschaft und unzaehlige andere, welche fuer grosse Teile der Welt zustaendig sind, zuechten die "future global leaders" (O-ton American Council on Germany) heran und sind zugleich ein Transmissionsriemen fuer die Machtinteressen der USA und der Internationalen Finanzoligarchie. Wobei man sich im klaren sein sollte, dass die USA lediglich der politisch/militaerische Dienstleister des transnationalen Kapitals sind. Sie sind das Schwert und das Schild des Globalismus. Die hierarchisch ueber der Politik stehende Finanzoligarchie kann man aber nicht abwaehlen. Die vom Volk gewaehlten Parteien koennen nur innerhalb der systemeigenen Parameter funktionieren, d.h. die Politik muss sich den Interessen der "Maerkte" unterordnen und diese vollstrecken. Das in Artikel 20 GG postulierte Prinzip der Volkssouveraenitaet, welches schlicht die Basis oder besser noch das Wesen der Demokratie hoechstselbst darstellt, ist also von den tatsaechlichen Machtverhaeltnissen ad absurdum gefuehrt worden. Es muesste also vielmehr heissen: "Alle Staatsgewalt geht von den Maerkten aus". Hier noch ein Zitat von Allen Greenspan (Ex-Fed Praesident) aus dem Jahre 2007: "Wir haben das Glueck, dass die politischen Beschluesse in den USA dank der Globalisierung groesstenteils durch die weltweiten Kraefte des Marktes ersetzt worden sind. Mit Ausnahme des Themas der nationalen Sicherheit spielt es kaum eine Rolle wer der naechste Praesident wird".


Björn Wilde:
5.05.2014, 20:49 Uhr

Sehr geehrter Frau Hermann, inhaltlich möchte ich, da es sich um einen Kommentar und somit um eigene Meinung handelt, nichts beitragen. Dennoch bitte ich Sie, ihr Versehen bei der Einwohnerzahl der europäischen Union zu korrigieren. Die Zahl scheint mir mit einer dreiviertel Milliarde (also 740 Millionen) doch recht hoch angesetzt. Ebenso kann ich nicht erkennen, was ein "EU-Bürger" sein soll? Ich besitze die deutsche Staatsbürgerschaft, eine weitere Mitgliedschaft in einer irgendwie gearteten Bürgerschaft schließt sich daher aus. Mit freundlichem Gruße, Wilde.


Andreas Damm:
5.05.2014, 14:45 Uhr

Sehr geehrte Frau Herman,

sehr häufig schon haben Sie mir mit den Aussagen in Ihren Büchern und Kommentaren "aus der Seele gesprochen".
Diesmal ist dies jedoch nicht der Fall, im Gegenteil, ich bin der Meinung, daß Sie mit diesem Kommentar einen völlig falschen Standpunkt vertreten!

Ich stimme mit Ihren Einschätzungen darin überein, daß die herrschende Kaste in Europa (Europäischer Rat) und die Wirtschafts-Unternehmen (Banken, Industrie etc.) sich einen Dreck um die Interessen der Bürger scheren, sondern nur eine Optimierung ihrer eigenen Interessen und der Wege zur Erlangung ihrer Ziele im Auge haben. Das ist leider richtig!

ABER: Ich bin der Meinung, daß jeder von uns UNBEDINGT an der Europa-Wahl teilnehmen muß!
Es mag zwar stimmen, wenn man Herrn v. Rompuy´s Aussagen ernst nimmt, daß auch ein neues, von uns gewähltes EU-Parlament nicht in der Lage sein wird, unsere (des Bürgers) Interessen zu vertreten, ABER die Parteien in den einzelnen EU-Mitgliedsländern werden sich doch mit Stimmabgaben, welche nicht für sie selber erfolgten, auseinandersetzen und dann eventuell doch einmal ihre Positionen anfangen zu überdenken.

Ich halte es sogar für erwünschenswert, wenn möglichst viele kleine Parteien ihre Vertreter in das EU-Parlament entsenden können, weil somit eine neue Stimmen-Vielfalt dort entstehen wird.
Glücklicherweise gibt es, aus Sicht Deutschlands, neben der NPD, welche wohl leider im EU-Parlament vertreten sein wird, noch eine ganze Reihe anderer Parteien, welche durchaus ehrenwerte Ziele verfolgen, denen wir uns je nach persönlicher Einstellung mehr oder weniger euphorisch anschließen würden.

Diese kleinen Parteien bekommen zuerst einmal ein Podest, von dem aus sie sichtbarer für den Wähler sein werden. Das ist gut.
Diese kleinen Parteien werden bei Abstimmungen hoffentlich (die Integrität der betreffenden Abgeordneten vorausgesetzt) neue Mehrheitsverhältnisse schaffen und so zumindest die Formulierung des einen oder anderen Gesetzes im Sinne der Bürger beeinflussen können.

Darüber hinaus werden das Auftreten und Wirken dieser Parteien hoffentlich auch etwas nach Deutschland zurückstrahlen und somit auch die Politik in Deutschland im Sinne der Bürger beinflussen.
Dies kann sich wiederum auf die Art und Weise, wie EU-Politik in Brüssel von Deutschland aus beinflußt wird, im Sinne der Bürger auswirken.

Ehrlich gesagt habe ich eine ganz andere Befürchtung:
Weil es die etablierte politische Kaste in Deutschland (noch) nicht interessiert, was die deutschen Bürger eigentlich wirklich wollen, bzw. die Interessen der Bürger den Interessen des Establishments im Wege stehen, befürchte ich vielmehr, daß wir immer mehr den Tatbestand der WahlFÄLSCHUNG in Deutschland erleben werden.

Die Bundestagswahl 2013, mit all ihren, bis heute nicht geklärten, "Vorkommnissen" ist mir dafür ein warnendes Beispiel!

Durch Ihren Aufruf an Ihre Leser, von ihrem Wahlrecht anläßlich der Europawahl 2014 nicht Gebrauch zu machen, verhindern Sie, daß wir überhaupt noch eine Chance (und sei sie noch so klein!) bekommen, das Establishment unter Druck zu setzen.
Sollte ich mit meiner Befürchtung der Wahlfälschung (damit stehe ich übrigens bei weitem nicht alleine!) richtig liegen, dann ist eine hohe Wahlbeteiligung (bei der eben nicht die etablierten Parteien die Stimmen abräumen), ein Hindernis für Wahlfälscher, weil die Wahlfälschung dann Ausmaße annehmen müßte, die nicht mehr zu verheimlichen wären.

Gerade Sie, Frau Herman, müßten aus eigenen leidvollen Erfahrungen wissen, daß man dieses Establishment in Deutschland/Europa nur durch proaktives Handeln in seine Schranken verweisen kann und nicht, indem man gar nichts tut. Darüber lachen diese Herrschaften nur!

Mit freundlichem Gruß,

Andreas Damm


René Lehmann:
5.05.2014, 14:07 Uhr

Nun, ich meine, es gibt sehrwohl noch etwas zu wählen.

Wem das derzeitige Konstrukt "EU" unbehagt, für den lohnt sich die Mühe sich mal das europäische Parteiensystem anzuschauen. Auch in diesem gibt es genügend Parteien, die sich für ein eindeutig anderes Europa einsetzen.

Dem Großteil der Leserschaft der PAZ strebt da sicher etwas in Richtung "zurück" zu mehr nationaler Verantwortung vor.

Aber auch für jene, die sich in erster Linie für Ihre Region begeistern und das Nationale als Teil des Problems ausgemacht haben, hält die europäische Parteienlandschaft etwas bereit.

Gerade für mich als Preußen, der diesen Begriff territorial etwas enger fast als er sich auf der Landkarte zum Zeitpunkt des Niedergangs Preußen im Deutschen reich gab, gerade für mich also bietet die Europäische Freie Allianz ein interessantes Programm. Ziel ist das Europa der Regionen und Bürger, eine Verlagerung von Kompetenzen nicht auf die immernoch zu weit entfernte nationale Ebenen sondern auf die regionale Ebene in Verbindung mit der Stärkung direktdemokratischer Elemente.

Einzige bundesweit antretende Partei mit diesem Europabild ist die Bayernpartei. Macht man sich mit der Idee eines Europas der Regionen und Bürger vertraut und findet gefallen daran, so ist der Sezessionswunsch unserer bayerischen Freunde kein Schreckgespenst mehr, sondern logische Konsequenz dieses Europakonzeptes und gleichsam Empfehlung an alle anderen Regionen der deutschen und europäischen Länder.

So wird zumindest in meinem Falle ein Weis-Schwarzer Blau-Weiß wählen....


Johann Simmering:
5.05.2014, 10:17 Uhr

Diese Machtsphäre bleibt bestehen und man wird schon darum kämpfen müssen,sonst wird diese einfach von anderen besetzt.


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