Kommt der lachende Dritte aus China?

Handelsstreit zwischen den großen Flugzeugproduzenten EU und USA eskaliert

23.04.19
Sie macht bereits der Boeing 737 und dem Airbus A320 Konkurrenz: Die Comac C919 Bild: Imago

Im Handelsstreit zwischen den USA und der EU ist eine neue Eskalationsstufe erreicht. Wa­shington und Brüssel werfen sich gegenseitig vor, den Flugzeugbauern Airbus und Boeing unerlaubte Beihilfen zu gewähren. Profiteur des Streits könnte ein chinesischer Staatskonzern sein.

Als Vergeltung für Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit mit der EU neue Zölle angekündigt. Auf einer vorläufigen Liste, die der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer veröffentlicht hat, stehen Produkte aus der EU wie Flugzeugteile, Hubschrauber und Ferngläser, aber auch Milchprodukte und Wein. Auf diese Produkte will Washington Abgaben in Höhe von rund elf Milliarden US-Dollar erheben. Nur kurz nach Veröffentlichung der Liste legte Präsident Trump per Internetdienst Twitter nach: „Die EU hat die USA beim Handel jahrelang ausgenutzt. Das wird bald aufhören!“ Im Gegenzug bezeichnete die EU-Kommission die angekündigten Zölle als „stark übertrieben“ und kündigte ihrerseits Gegenmaßnahmen auf US-Produkte an.
Der Konflikt um staatliche Beihilfen für Flugzeugbauer schwelt mittlerweile bereits seit 15 Jahren. Bis zum Jahr 2004 war ein Abkommen gültig, das staatliche Hilfen für große Zivilflugzeuge regelte. Beide Seiten hatten dabei vereinbart, dass die Hilfen des Staates maximal ein Drittel der Entwicklungskosten betragen können.
Auf Druck des damaligen Boeing-Chefs Harry Stonecipher kündigten die USA das Abkommen. Seitdem beschäftigt sich die Welthandelsorganisation (WTO) in Genf mit der Frage der Beihilfen. Die WTO ist inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass beide Seiten gegen die Regeln verstoßen hätten. So kann sich Präsident Trump im aktuellen Streit auf ein WTO-Urteil aus dem Mai 2018 stützen. Die WTO war zu dem Schluss gekommen, dass Airbus eine illegale Anschubfinanzierung beim Bau seiner Maschinen erhalten habe. Streitpunkt waren hierbei Darlehen, die Länder mit Airbusstandorten wie Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Spanien dem europäischen Flugzeugbauer gewährt haben.
Erst Ende März hatte die WTO allerdings auch geurteilt, die Regierung der USA wäre der Forderung nicht nachgekommen, alle steuerlichen Begünstigungen für Boeing zurückzunehmen. Dabei geht es vor allem um milliardenschwere Steuernachlässe des Bundesstaates Washington, in dem viele Endmontagelinien von Boeing angesiedelt sind. Auf diese Entscheidung beruft sich die EU bei ihrer Ankündigung von Ge­genmaßnahmen.
Lachende Dritte im Streit könnten Flugzeugbauer in China und Russland sein. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire warnte: „Ein Streit zwischen Boeing und Airbus wäre absurd, da die Branche eng verflochten ist. Wir sind bei einer Reihe von Komponenten aufeinander angewiesen.“ Aus Sicht von Le Maire würde bei einer Eskalation des Subventionsstreits zwischen Airbus und Boeing der chinesische Flugzeughersteller Commercial Aircraft Corporation of China Ltd. (Comac) profitieren. Der staatliche Flugzeughersteller versucht mit russischer Hilfe, in China eine eigene Flugzeugindustrie aufzubauen, die auf dem Weltmarkt mitmischen kann. Vor zwei Jahren hob mit der C919 Chinas erstes großes Passagierflugzeug zum Jungfernflug ab. Die C919 ist als Konkurrenzprodukt zu dem Boeing-Modell 737 und zum Airbus A320 konzipiert. Inzwischen hat Comac auch das Projekt eines Langstreckenflugzeugs vorgestellt.
In Russland läuft ein staatlich finanzierter Versuch des Flugzeugbauers Irkut, mit dem Passagierflugzeug MC-21 Airbus Konkurrenz zu machen. Bislang wird der Weltmarkt für zivile Großraumjets von Boeing und Airbus beherrscht. Die Konkurrenz aus China und Russland dürfte auf dem Weltmarkt erst langfristig eine Chance haben.
Rückenwind erhalten die Flugzeugbauer Comac und Irkut bei ihrer Aufholjagd nicht nur durch den schwelenden Subventionsstreit zwischen Washington und Brüssel, sondern der Airbus-Rivale Boeing steckt auch wegen Problemen mit seinem Modell 737 MAX 8 derzeit in einer tiefen Krise. Nach Abstürzen zweier Flugzeuge dieses Typs in Indonesien und Äthiopien dürfen die 737 MAX 8 derzeit weltweit nicht mehr abheben. Der auf sparsamen Kerosinverbrauch getrimmte Flieger gilt bislang als Verkaufsschlager von Boeing. Das entsprechende Konkurrenzmodell von Airbus ist der A320neo, der sich ebenfalls bestens verkauft.
Aktionäre wollen nach den Abstürzen nun den US-Flugzeugbauer verklagen. Nach Angaben einer großen Anwaltskanzlei werfen Anleger dem Luftfahrtkonzern vor, entscheidende Fakten zur Boeing Baureihe 737 Max verheimlicht zu haben. Dem Flugzeugbauer aus Seattle drohen zudem Schadensersatzklagen von Angehörigen der Todesopfer. Der Börsenwert von Boeing ist nach den beiden Abstürzen zeitweise um 30 Milliarden US-Dollar geschrumpft. Boeing ist im Aktienindex Dow Jones Industrial Average (DJIA) der am stärksten gewichtete Einzeltitel und auch das größte Exportunternehmen der USA.    
    Norman Hanert
    (siehe auch Personalie S. 24)


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Kommentare

Siegfried Hermann:
23.04.2019, 13:25 Uhr

Ein kurzer Blick zurück in die jüngste Wirtschaftsgeschichte:
Der Transrapid
einst als Krönung der deutschen Technologiekunst gepriesen und von aller Welt bestaunt.
Nachdem Siemens richtig eingeschätzt hat, dass der Zug wirtschaftlich nie Gewinn abwerfen wird, hat man ihn halt an die Chinesen verhökert. Die wiederum sind seit Maos" Großen Sprung" daran interessiert den westlichen, besonders deutschen Technologievorsprung einzukaufen, dann zu kopieren, oder ganz frech durch Spionage und kriminellen Elementen sich eben so zu beschaffen.
Den Transrapid haben sie völlig überteuert eingekauft... samt Streckenbau wie sie glaubten.
Thyssen-Krupp-Hoesch wiederum hatte überhaupt absolut kein Interesse die Streckenbau-Technologie preiszugeben, weil sie damit an anderer Stelle ganz gut Profit machen können und haben mit eignen Technikern eben in China eine "Demo-Strecke" gebaut.
Die Chinesen haben zwar Kopien entwickelt, aber nicht annähernd die Leistungsfähigkeit von Thyssen-Krupp-Hoesch erreicht. Und dann ist das Ding geräuschlos eingeschlafen.
Im Prinzip läuft das mit den Flieger genauso. Sie haben Airbus bei der Vermarktung ihrer Flieger in China zur Bedingung diktiert, eine Montagelinie des alten A-320 in China mit chinesischen Arbeitern zu bauen. Boeing hatte das konsequent, auch auf Druck aus dem Kapitol, abgelehnt.
Dieser "uralte" A-320 war die Grundlage für die Eigenentwicklung und einfach auch deshalb, weil es nichts in China vorher gab.
Ganz anders in Russland, wo es insbesondere mit Hilfe zwangsverschleppter deutschen Ingenieuren nach den WK-II steil bergauf ging. Irkut ist der Zusammenschluss der kompletten russischen Großflugzeugindustrie: Tupolew, Iljuschin, Suchjoi, Berijew.
Der neue russische Mittelstrecken-Jet
besteht aus Russentechnik und viel Airbus-Avionik und soll den postkommunistischen und III.Welt-Billigheimer Markt bedienen.

So gesehen ist der globale Markt eher aufgeteilt. Amis und Europäer streitet sich eher um Kuchenanteile.

Das ganze ist jetzt komplett aus dem Ruder gelaufen, weil mit der 737 max praktisch ein 40 Jahre alter Opa mit "Viagra" hochgepusht wurde und die Anordnung der Triebwerke sich in der Praxis als kapitale Bruchlandung heraus stellt, während der neue A320 neo im Grunde eine komplette Neuentwicklung darstellt. Also macht Trump aus der Not eine patriotische Tugend mit seinen Strafzöllen. Das zündet bestenfalls in Europa und wie sie selber feststellen, lachen sich alle anderen einen Ast ab und hoffen auf Resteverwertung.

Mit Sicherheit wird künftig in den Hochtechnologie-Ländern und neuen Regierungen darauf geachtet, dass weder Russland und noch weniger China neuste hightech erwerben können, egal wie viel geboten wird.


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