Konservative Offensive?

Zwei neue Formationen für eine konservativere CDU

17.02.10
Martin Lohmann, Sprecher des AEK in der CDU ©Privat
Martin Lohmann

Es rumort in der CDU. Die Stammwählerschaft aus bewussten Christen, dezidiert Konservativen, aufgeklärten Patrioten, Vertriebenen und Mittelständlern fühlt sich von der CDU immer weniger vertreten. Spätestens seit der "Berliner Erklärung", mit der die Unionsführung ihre Stammwähler sogar ganz offen an den Rand ihres Interesses drängen wollte, sind auch immer mehr Funktionäre aus dem Mittelbau der Partei mit dem Kurs in Richtung "linke Mitte" unzufrieden. Nun haben sich in den letzten Monaten gleich zwei neue Formationen gebildet, die die konservative Wurzel der Union pflegen wollen. Im November 2009 gründete sich der "Arbeitskreis engagierter Katholiken in der CDU" www.aek-online.de und am Sonntag machte die Aktion www.linkstrend-stoppen.de mit großformatigen Anzeigen in der „FAS“ und „WamS“ auf sich aufmerksam. Während sich der AEK, der nach eigenen Aussagen rund 1000 Mitglieder vertritt, bereits mit internen Schwierigkeiten befassen muss – die Bayern haben sich á la CSU sezessioniert  – ist die erst wenige Tage alte Initiative gegen den Linkstrend der CDU bisher vor allem im Internet aktiv und hat binnen zwei Tagen 800 Unterstützer gefunden. Die Preußische Allgemeine Zeitung sprach mit dem Publizisten Martin Lohmann, der als Sprecher des AEK und als Erstunterzeichner des Manifestes gegen den Linkstrend der CDU beide Formationen von Anfang an kennt. Weitere Informationen zu Martin Lohmann unter: www.lohmannmedia.de

PAZ: Herr Lohmann, Sie haben zusammen mit dem ehem. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel den AEK der CDU/CSU gegründet. Wie kam es dazu? Was waren Ihre Beweggründe?
Martin Lohmann: Es lag in der Luft, einen solchen Arbeitskreis ins Leben zu rufen. Die sofort einsetzenden leidenschaftlichen Diskussionen, die nach dem Erscheinen meines Buches „Das Kreuz mit dem C – Wie christlich ist die Union?“ bereits im Juni vergangenen Jahres geführt wurden, haben das mehr als deutlich gezeigt. Herr Goppel hat sich dieser Idee angeschlossen, so dass wir unseren AEK am 15. November 2009, also nach der Bundestagswahl, gegründet haben. Schließlich haben nicht zuletzt diese Wahlen und das Wahlverhalten vieler Wähler erneut deutlich offenbart, dass sich vor allem sehr viele engagierte und überzeugte katholische Christen offenbar nicht mehr richtig politisch beheimatet fühlen in dieser Union. Das ist tragisch, und das ist uns vom AEK nicht egal. Wenn sich konservativ-liberale Katholiken nicht mehr beheimatet wissen in einer Partei, die in den letzten Jahren in Fragen der Familienpolitik, des Lebensschutzes oder auch des Einstands füreinander in Solidarität und Subsidiarität leider zunehmend ihre Positionen geräumt hat, dann ist höchste Zeit, das verlorengegangene Vertrauen wieder zu gewinnen. Wir vom AEK wollen genau das: eine breites, überzeugendes und erkennbares Profil, zu dem selbstverständlich auch das katholische „C“ gehört. Und da unsere Partei ausdrücklich ökumenisch aufgestellt ist, leisten wir aus Überzeugung einen ökumenischen Beitrag. Denn zur Ökumene gehören mindestens zwei konfessionelle Partner, die zusammenarbeiten. Wir als Katholiken schließen also eine ökumenische Lücke in der Partei.

PAZ: Welche Verantwortung trägt die derzeitige Parteivorsitzende und Pfarrerstochter Angela Merkel für den von Ihnen beklagten Profilverlust?
Lohmann: Wenn es Profilverlust gibt, dann wäre es unfair, dies an einer einzigen Person festmachen zu wollen. Wir stehen hinter unserer Parteivorsitzenden und bieten ihr genau jenen Profilzuwachs an, der vielleicht nicht ihr ureigenster ist. Aber das ist doch nichts weiter als normal. Wissen Sie: Ich mag dieses ständige Schielen auf Frau Merkel nicht, als sei sie an allem schuld, wenn’s nicht so klappt wie gewünscht. Und ebenso abwegig sind alle Versuche, kritische inhaltliche Anmerkungen, also thematische Wortmeldungen reflexartig mit der Inquisitionsfrage zu kontern, ob man denn nun gegen Frau Merkel unterwegs sei. Diese vorauseilende Ängstlichkeit verstehen wir nicht. Sie ist auch völlig unbegründet. Frau Merkel ist Vorsitzende einer Volkspartei, der wichtigsten in Deutschland. Und die muss als solche breit und vielfältig aufgestellt sein. Und ganz wichtig: Wir schauen nach vorne. Gemeinsam mit Angela Merkel. Sie sehen: Der AEK steht für Kommunikation und Kooperation.

PAZ: Was erwarten Sie sich von den Terminen bei Angela Merkel und Horst Seehofer?
Lohmann: Wir erwarten als CDU-Mitglieder von unserem Gespräch mit unserer Parteivorsitzenden gegenseitigen Respekt, konstruktives Miteinander und entsprechendes gemeinsames Engagement für unsere Volkspartei. Da schon viel dummes Zeug über uns – aus Uninformiertheit oder auch vielleicht auch Böswilligkeit derer, die den demokratischen Diskurs scheuen – verbreitet wurde, freuen wir uns darüber, dass sich die Parteivorsitzende nun aus erster Hand authentisch informieren lassen möchte. Das ist gut so. Was die CSU-Freunde mit ihrer Katholiken-Kommission mit deren Parteivorsitzenden Horst Seehofer besprechen, ist deren Sache. Wir respektieren die bayerische Eigenständigkeit, so wie das ja Tradition in der Union ist.

PAZ: Reagiert die CSU insgesamt freundlicher als die CDU  auf die Gründung des AEK, oder gibt es da keine Unterschiede?
Lohmann: Es scheint auf den ersten Blick so. Aber bei genauerem Hinsehen sind  ja beide Parteien sehr unterschiedlich aufgestellt. Vielleicht haben es die Bayern da einfacher. Sie sind als Partei – im Unterschied zur CDU – ein eingetragener Verein. Und deshalb legen die CSU-Freunde ja auch großen Wert darauf, erst einmal die Genehmigung des Vereins- und Parteivorsitzenden einzuholen, bevor sie sich äußern. Mag sein, dass unser basisdemokratisches Denken und Handeln als CDUler, also als mündige Demokraten und engagierte Katholiken, nicht immer in Bayern von allen verstanden wird. Deshalb respektieren wir auch den bayerischen Wunsch, wenn Herr Goppel einen Gesprächszirkel als Katholiken-Kommission in der CSU gründet und sich gemeinsam mit Herrn Geis vom AEK in den 15 anderen Ländern abspaltet. Vielleicht haben wir da das Bedürfnis nach bayerischer Eigenständigkeit unterschätzt. Bayern ist halt anders, aber wir sehen auch in den anderen Vereinigungen in der CDU und CSU, dass wir auf diese Weise eher das gemeinsame Engagement in CDU und CSU verstärken. Der AEK gewinnt dadurch an Dynamik und ungebremst basisdemokratischer Unabhängigkeit, um im Sinne der CDU und ihres Anspruchs auf demokratische Vielfalt mit christlicher Mündigkeit sein Engagement für ein besser erkennbares breites und überzeugendes Profil zum Ausdruck zu bringen.

PAZ: Mit wem könnte die Union denn aus Ihrer Sicht die Leerstellen im personellen Angebot für bewusste Christen und Konservative besetzen? Äquivalente für Strauß und Dregger sind doch nicht in Sicht, oder?
Lohmann: Das wird sich zeigen. Mir scheint, es gibt solche Köpfe. Richtig ist, dass die Union gerade auch auf diesem Flügel wieder stark und überzeugend wird, und dass dafür auch authentische, profilierte, mutige und glaubwürdige Köpfe stehen. Sie müssen sich nur zu Wort melden, und das geschieht nunmehr ja auch nicht zuletzt durch uns.

PAZ: Und inhaltlich? Hat sich die CDU mit ihrer  "Berliner Erklärung" nicht ganz bewusst von ihrer Stammwählerschaft aus Vertriebenen, Christen, Konservativen, Patrioten und Mittelständlern verabschiedet?
Lohmann: Das wäre nicht nur tragisch, es wäre auch fahrlässig. Nichts wäre jetzt gefährlicher als selbstgerechte Arroganz, als brauche man die als unbequem empfundenen Kritiker ebenso wenig wie die von Ihnen genannten Gruppen. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, dass es eine derart große Angst vor Überzeugungen und Profilen gibt, die zu solchen Kurzschlüssen führen würde. Nichts wäre einfacher, als die kritischen und irgendwie noch im Innersten mit der CDU verbundenen Kräfte einzubinden, um so die Parteibasis zu verbreitern. Wer sich in der Partei äußert, will gerade innerhalb dieser Partei etwas zum Ausdruck bringen – und eben nicht weggehen. Da stimme ich Stefan Mappus zu, wenn er erkennt, dass man mit der Laufkundschaft wenig gewonnen, aber zugleich viel verloren hat bei der Stammkundschaft der Union. Nein, nein, die Union darf sich von niemandem dieser eigentlichen Stamm-Treuen verabschieden! Im Gegenteil: meinetwegen soll sie ruhig versuchen, „moderner“ zu werden, doch sollte sie nicht verkennen, wie modern wir als Katholiken und auch als Konservative sind und wie viel wir zu Fragen der Ethik und auch der Globalisierung beizutragen vermögen. Es wäre fahrlässig zu meinen, auf diesen Kern der Partei nicht mehr angewiesen zu sein.

PAZ: Befürchten Sie, dass die Union in der rechten Mitte ein derart großes Vakuum schafft, daß sich dort eine neue christliche, konservative Formation etablieren könnte?
Lohmann: Diese Gefahr sollte man nicht unterschätzen. Ein Blick auf die SPD zeigt, was da alles passieren könnte. Das aber wollen wir vom AEK ausdrücklich nicht. Wir wollen eben nicht, dass ein Vakuum im dann ehemaligen Kernbereich entsteht, das andere rasch füllen könnten. Verflixt noch mal: Ist das denn so schwer zu erkennen? Ich sage Ihnen ganz deutlich: Eine Alternative zur CDU erkenne ich nicht. Aber wer garantiert uns eigentlich, dass das auf ewig so bleiben muss. Die CDU sollte alles tun, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Und sie sollte jenseits des Elfenbeinturmes Berlin einfach mal hören und sehen, was viele Menschen in Deutschland denken und wollen. Die Käseglocke rund um den Reichstag verstellt bisweilen den ungetrübten Blick auf die Wirklichkeit.

PAZ: Sie haben sich der Aktion linkstrend-stoppen.de angeschlossen. Was versprechen Sie sich von der Initiative?
Lohmann: Es sind alles engagierte Demokraten und besorgte Bürger, denen all das, was ich eben zum Ausdruck bringen wollte, nicht gleichgültig ist. Wir wollen wachrütteln und aufmerksam machen. Und wir wollen vor allem eins: dass unsere Volkspartei mit dem „C“ eine christliche und wirkliche Volkspartei bleibt. Sie sehen: Nicht nur engagierte Katholiken sind besorgt. Das sollte man nicht wegignorieren wollen.

PAZ: Es geht also nicht darum, gegen Merkel zu sein?
Lohmann: Nein. Das ist bei uns kein Ansatz. Übrigens auch nicht beim AEK. Wir distanzieren uns aber von jeder Ängstlichkeit und jedem Kadavergehorsam. Der AEK steht vielmehr für den Diskurs, eine faire und lebendige Dialogkultur, demokratischen Mut und das Aushalten von Widerspruch. Der AEK versteht sich als berechtigter Teil eines notwendigen Pluralismus innerhalb der CDU.

PAZ: Wie lautet Ihre Prognose, wird die Union in einem Jahr für ihre Stammwählerschaft wieder attraktiver sein, oder sich noch weiter in die linke Mitte verabschiedet haben?
Lohmann: Das erstere ist zu hoffen. Und sie sollte gerade durch ihre pluralistische Breite und die in der Einheit versammelte Vielfalt möglichst überzeugend sein für möglichst viele Wähler. Erst für Stammwählerschaft, dann für Laufkundschaft. Dazu hat sie die Chance. Jetzt.

PAZ


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