Koste es, was es wolle

Lieber soll ein Land dahinsiehen, als dass es sich ohne Euro berappelt

28.03.13
Noch sind die spürbaren Folgen der Euro-Krise für die Deutschen überschaubar: Aber der große Knall kommt bestimmt Bild: F1online

Politiker müssen Zyperns Rückkehr zur eigenen Währung verhindern, denn diese könnte belegen, dass der Euro nicht alternativlos ist.

Die „Rettung“ Zyperns hat gezeigt: Um die Abspaltung eines Landes aus der Euro-Zone zu verhindern, sind die Euro-Politiker zu letztlich jeder Maßnahme bereit. Die Brutalität der Eingriffe wird nur übertroffen von der Überforderung der politisch Verantwortlichen. Für Fachleute war seit langem absehbar, dass das zypriotische Geschäftsmodell, das unter der Glocke der Einheitswährung erst richtig erblühte, in die Katastrophe münden musste. Doch die Politik legte die Hände in den Schoß.
Nun beeilt sich die Bundesregierung zu erklären, dass eine Kontenplünderung wie auf Zypern für andere Euro-Länder, zumal für Deutschland, völlig ausgeschlossen sei. Doch wer kann das glauben? Der Damm wurde ein- gerissen, ab jetzt weiß jeder: Inwieweit er über sein Geld verfügen kann, ja, ob es ihm überhaupt noch gehört, das entscheiden Politiker, denen Recht und Vertrag egal sind, wenn es darauf ankommt. Sie entscheiden nach Kassenlage. Wenn der Staat Geld benötigt, dann holt er es sich.
Guthaben von mehr als 100000 Euro als „Reichtum“ zu bezeichnen und nahezulegen, dass solche Summen nur auf anrüchige Weise zusammengekommen sein können, ist verleumderischer Populismus. Selbst eine ausgezahlte Lebensversicherung, der Sparstrumpf eines Freiberuflers für sein Alter oder die Kasse eines Familienbetriebs übersteigt die Summe leicht. Das ist auf Zypern nicht anders als in Deutschland. Die berüchtigten „Oligarchen“ hingegen haben ihr Geld Experten zufolge längst aus Zypern abgezogen.
Die populistische Volte mit den „Reichen“ offenbart jedoch: Um ihr Euro-Projekt zu verteidigen, sind die Politiker auch bereit, die Menschen aufeinander zu hetzen: Die „Armen“ auf die „Reichen“ und sogar ganze Völker gegeneinander. Zypriotische Politiker schieben die Schuld für ihr Versagen auf Berlin, was im aufgewühlten Volk gern geglaubt wird und zu entsprechenden antideutschen Parolen verführt wie schon in Griechenland oder Italien.
Zypern war bloß ein weiterer Vorgeschmack auf das, was der Euro-Zone noch bevorsteht, heißt es. Spanien mit seinen ebenfalls maroden, aufgeblähten Banken wartet schon. Wer gesehen hat, wie das im Vergleich zu Spanien winzige Zypern die Euro-Zone ins Trudeln brachte, mag sich ausmalen, was uns blühen wird.
Eines wollen die Euro-Politiker dessen ungeachtet um alles in der Welt verhindern: Dass ein schwächelndes Land die Einheitswährung verlässt und mit eigenem abgewerteten Geld wieder erfolgreich wird. Dann nämlich wäre der Beweis erbracht, dass der Verbleib im Euro keineswegs „alternativlos“ ist. Bevor sich Zypern also mit eigenem Geld berappelt, soll es lieber endlos dahinsiechen, koste es den europäischen – vor allem den deutschen – Steuerzahler was es wolle.       Hans Heckel


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Kommentare

Karl Nagel:
2.04.2013, 18:15 Uhr

Die bisher durchgeführte und offenbar weiterhin mit aller Macht und Gewalt – nach der Devise „Koste es, was es wolle“ – vorgesehene fiskalische Gleichschaltung ethnisch, kulturell und wirtschaftlich unterschiedlich strukturierter Länder und Wirtschaftsräume, deren Stabilität gerade in ihrer Vielfalt, und nationalen Besonderheit und Eigenständigkeit begründet liegt bzw. lag, lässt nichts Gutes erahnen.
Wer trägt die Verantwortung, wenn Nationen von ihrer ureigensten Substanz und Vitalität entkoppelt, sich allein der angeblich alternativlosen €uro-Rettung hingeben (müssen?) und dabei letztendlich auch Volksvermögen geplündert und verschleudert werden? Und wer will es gewesen sein, wenn wirtschaftliche Not überhand nimmt, sozialer Unfrieden immer weiter um sich greift und in Unruhen und Aufruhr münden? Es sind sicherlich maßgebliche politische Entscheidungsträger, die mit oder ohne den Rückhalt einer Volksabstimmung, in die Verantwortung zu nehmen wären. Schlimmstenfalls wird´s aber – wie die Erfahrung lehrt – wohl niemand gewesen sein wollen. Der einzelne Bürger wird jedoch in seiner Funktion als potentiell unabhängiger Wähler ebenso nicht aus der Verantwortung genommen werden können.


Fredi Volkmann:
1.04.2013, 18:49 Uhr

Hallo,
es ist eben einfacher den Lebens-und Wirtschftsstandard eines Landes zu senken,statt ihn in anderen Ländern an zuheben.Durch den Euro wurden Arbeitsplätze vernichtet,den übergreifend wurden die Währungs- und Umrechnungs Abteilungen geschlossen.Der kleine Mann brauchte nicht mehr die Umrechnungstabelle wenn er mal in Urlaub fuhr.Wir wissen dies nur nicht zu schätzen.


sitra achra:
29.03.2013, 11:44 Uhr

Der Puppenspieler von "Europa" sitzt in Washington.
"Europa", die Stimme ihres Herrn.


Joern Gebert:
28.03.2013, 18:04 Uhr

"Wer alles verteidigt, verteidigt nichts mehr." Gerhard Johann David von Scharnhorst 1755 - 1813
P.S. Es wird tasächlich versucht alles aufrechtzuerhalten - damit ist der totale Systembruch und Zerfall der EU vorprogramiert. Hier hilft nur Gold und Silber + gute JuniorMinenAktien kaufen und auf den grossen Zusammenbruch warten.


egon sunsamu:
28.03.2013, 09:43 Uhr

Die EU ist eine sozialistische Diktatur. Da gehört es zum Handwerkszeug, Bürger zu entmündigen und zu enteignen.
Alles bestens...

Bisher kannte ich "siechen" nur mit "ch". Ist die Form im Titel neue Rechtschreibung?


Dietmar Fürste:
28.03.2013, 09:00 Uhr

Danke, sehr gut auf den Punkt gebracht! Zur Ergänzung sei die Analyse eines Beobachters in China empfohlen: http://tinyurl.com/bms4n7o

Ein so unterschiedlich strukturiertes Wirtschaftsgebiet wie Europa durch eine Gemeinschaftswährung gleichsam homogenisieren zu wollen, zeugt von unglaublicher Inkompetenz.

Das arrogante Festhalten an diesem falschen Weg erweist sich zunehmend als Unrecht, welches das Vertrauen der Märkte, aber auch der Menschen in die EU immer mehr beschädigt.


Maria-Anna Konietzko:
28.03.2013, 08:41 Uhr

Ich glaube, es ist den verantwortlichen Politikern völlig egal, ob der Euro alternativlos oder sonst was ist. Es ist ihnen auch egal, wie der einzelne Bürger lebt und zurechtkommt. Letztendlich werden sie auch keine Scheu haben, Polizei oder Militär gegen die aufgebrachte Bevölkerung einzusetzen. Sie haben mit diesem Spielgeld eine ungeheuere Macht erhalten und setzen diese nun hemmungslos ein (ihr eigenes Ein- und Auskommen bestimmen sie nach Gutdünken zudem selbst). Wir sind quasi ihr Eigentum. Würden sie den Mißerfolg des Euros öffentlich anerkennen und daraus Konsequenzen ziehen, verlören sie auch diese Macht wieder - das wird auf friedliche Art und Weise nie geschehen. Es zeigt sich, daß Politiker wie Barroso, Rompuy, Ashton, Merkel (auch Gauck) und andere die kommunistische Grundprägung ihrer Jugendzeit nie vergessen und nur übertüncht haben. Und von einem Finanzminister Schäuble, der den Verbleib von 100.000,- DM nie erklärt hat, sollte man (vorsichtig formuliert) sowieso nicht viel erwarten! Im übrigen äußerte er in einem Interview mit der NT doch deutlich genug, daß man zur Duchsetzung der politischen Union Europas eine KRISE brauche! Hier ist sie!


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