Kostenexplosion in Berlin

Übersicht des Bundesbauministeriums offenbart Fehlplanungen

18.11.16

Nicht nur das Land Berlin hat mit großen Bauprojekten wie der Staatsoper und dem Flughafen Berlin-Brandenburg seine Probleme, sondern auch der Bund. Aus einer Übersicht aus dem Haus von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) geht hervor, dass sich große Bauvorhaben des Bundes in der deutschen Hauptstadt gegenüber den ursprünglichen Kostenplanungen um fast eine Milliarde Euro verteuert haben. In der Liste nicht einmal aufgeführt werden das Terminal der Bundesregierung am geplanten Berliner Großflughafen BER und der Neubau des Depots der Staatlichen Museen Berlin. Für beide Projekte ist ein Baustopp verhängt worden. Bei einigen der aufgeführten Bundesprojekte sind die Mehrkosten derzeit noch nicht einmal zu beziffern.
Massiv aus dem Ruder gelaufen ist der Bau der neuen BND-Zentrale in Berlin. Waren ursprünglich 720 Millionen Euro eingeplant, ist nun die Marke von einer Milliarde überschritten. Völlig überholt ist auch die Kalkulation bei der James-Simon-Galerie, dem künftigen Eingangsgebäude zur Berliner Museumsinsel. Bei dem Projekt haben sich die Kosten von kalkulierten 71 Millionen auf mittlerweile 134 Millionen Euro erhöht.
Für Schlagzeilen sorgt derzeit allerdings ein anderer Problemfall: die Sanierung des Pergamonmuseums. Ursprünglich waren hierfür 261 Millionen Euro veranschlagt. Mittlerweile rechnet der Bund mit Kosten von 477 Millionen Euro. Ob es bei dieser Summe bleiben wird, ist abzuwarten.
Der Umbau des Museums mit seinem weltberühmten Pergamonaltar wird vermutlich noch bis Mitte 2023 dauern – vier Jahre länger als geplant. Als Hauptgrund für den Zeitverzug und die gestiegenen Kosten gibt das Bundesbauministerium zwei überraschend aufgetauchte Pumpenhäuser im Baugrund an.
Die Pumpen hatten während der Erbauung zwischen 1910 und 1930 Grundwasser abgesaugt, wurden danach laut Ministerium jedoch offenbar nicht entfernt. Vor Beginn der Sanierung soll es keine Hinweise auf diese Hindernisse im Baugrund gegeben haben. Wie das Ministerium mitgeteilt hat, ist auf Probebohrungen verzichtet worden, um den Museumsbetrieb nicht früher als nötig zu stören.
Diese Entscheidung hat erhebliche Folgen: Als Kernstück der Berliner Museumsinsel war das Pergamonmuseum in der Vergangenheit das meistbesuchte Museum in der deutschen Hauptstadt. Durch die Sanierungsarbeiten sind allerdings derzeit zwei Drittel der Sammlungen für die Öffentlichkeit nicht mehr zu sehen. Finanziert aus privaten Geldern soll deswegen nun für die Besucher des Museums eine Zwischenlösung geschaffen werden. Zumindest Teile des Pergamonaltars sollen während der der Renovierung in einem temporären Neubau zu sehen sein, der direkt gegenüber der Museumsinsel gebaut wird.
Schlampige Planungen wie bei der Sanierung des Pergamon-Museums gelten nur als einer von mehreren Gründen für die regelmäßige Sprengung des Kostenrahmens bei Bundesbauprojekten. Eine Rolle spielt ebenfalls, dass bei langandauernden Bauvorhaben die über die Jahre zu erwartenden Preissteigerungen in der Planung ignoriert werden. Allein im Falle des Pergamonmuseums werden die Mehrkosten durch derartige Preissteigerungen auf fast 60 Millionen Euro geschätzt.    
    Norman Hanert


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