Krimineller Wildwuchs

Sisha-Bars gelten als Biotop von Straftätern – NRW will damit jetzt aufräumen

22.03.19

Hausdurchsuchungen in der Bundeshauptstadt Berlin, Messerstechereien in der Saar-Metropole Saarbrücken und Festnahmen im Ruhrgebiet – immer wieder geraten Shi­shabars in das Visier der Fahnder. Offenbar sind dort kriminelle Strukturen entstanden.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, viele Bars seien ein Brennpunkt für „krumme Geschäfte“. Es sei höchste Zeit durchzugreifen. In Dortmund, Essen, Recklinghausen, Duisburg und Gelsenkirchen durchsuchten Beamte Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Teestuben. In Essen wurde eine Person festgenommen. Es gehe um den Verdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und auch um Schwarzarbeit, sagte eine Ministeriumssprecherin.
Das Geschäft mit den Wasserpfeifen boomt. Zur jährlichen Shisha-Messe wie zuletzt in Berlin kamen nach Angaben der Morgenpost mehrere Tausend Besucher. Deutschlands Tabakbauern leben inzwischen fast ausschließlich von Shisha-Rauchern. 96 Prozent des Anbaus landen irgendwann in einer Wasserpfeife, jedes Jahr fast 5000 Tonnen.
Doch was genau in den Shisha-Bars geschieht, darüber herrschte lange Unklarheit. In der Hochburg Berlin weiß der Senat fast nichts über die Läden, die seit mehreren Jahren zahlreich eröffnet wurden. Er weiß nicht einmal, wie viele dieser Wasserpfeifen-Lokale es gibt. Offensichtlich ist nur, dass ziemlich selten kontrolliert wird. „Valide Angaben zur Zahl der Kontrollen“ könnten nicht gemacht werden, teilte  Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) kürzlich mit.
In Nordrhein-Westfalen ist man mit den Erkenntnissen schon einen Schritt weiter. In vielen Regionen habe sich die Anzahl der Shisha-Lokale seit 2009 vervier­facht, sagt Reul. Der Staat vermutet in vielen Etablissements immer wieder Familienclans, die sich anderer illegaler Machenschaften wie beispielsweise der Geldwäsche bedienen.
Die Art des Tabakrauchens wurde im 16. Jahrhundert in Indien erfunden und verbreitete sich vor allem in Persien. Das persische Wort Shisha bedeutet „Flasche“. Wasserpfeifen sind heute längst keine Eigenart von Einwanderern mehr, schätzungsweise jeder dritte Deutsche unter 25 Jahren greift regelmäßig zu einer Shisha. Erhitzt wird der Tabak mit Kohlestücken, rauchen kann man ihn in verschiedensten Geschmacksrichtungen von Aprikose bis Zitronenminze. Die Meldungen über Probleme mit den Bars haben in der Vergangenheit zugenommen, was aber nicht nur an kriminellen Umtrieben liegt. In mehreren deutschen Städten wurden verbindliche Regeln gefordert, nachdem es mehrfach zu Kohlenmonoxidvergiftungen von Gästen gekommen war.
Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will Shisha-Bars stärker in die Pflicht nehmen. Demnach soll die Ausnahmeregelung für Wasserpfeifen wegfallen – das vor zehn Jahren beschlossene Nichtraucherschutzgesetz gilt derzeit nicht für Shisha-Bars. Andere Bundesländer wollen nachziehen. Künftig sollen Shisha-Bars so behandelt werden wie Kneipen, Restaurants und Kantinen. Zigaretten, Zigarren und Pfeifen sind dort verboten.
Künftig sollen auch Shisha-Bars in Raucher- und Nichtraucherbereiche aufgeteilt werden – oder die Betreiber melden ihre Lokale explizit als Rauchergaststätte an. Dann dürften sie keine Speisen servieren. NRW-Innenminister Reul räumt ein, dass der Staat den Wildwuchs mit den Bars zu lange ignoriert habe. Es sei eine „in jeder Hinsicht gefährliche Subkultur entstanden“.    Peter Entinger


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