»Längst ein rot-grünes Projekt«

CDU-Politiker behauptet, Evangelische Kirche in Deutschland sei politisch unterwandert worden

24.09.12
In welcher Funktion steht Katrin Göring-Eckhardt an diesem Rednerpult? Die Grünen-Politikerin vertritt hier gerade die Evangelische Kirche in Deutschland. Bild: J. Schlueter/dapd

Die Kandidatur von Katrin Göring-Eckardt um eines der beiden Spitzenämter der Grünen für die Bundestagswahl 2013 hat den Blick auf die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gelenkt, wo die engagierte Politikerin unter anderem im Rat sitzt. Nun wird ihr unterstellt, die EKD als grünen Wahlverein zu missbrauchen.

Auf Drängen des Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Günther Beckstein, sollte am 21. September die Zukunft von Katrin Göring-Eckardt in ihrer Funktion als Präses der Synode dis-kutiert werden. Sollte sie eines der Spitzenämter bei den Grünen erlangen, dann sei das nicht mehr mit der Leitung der Synode und dem Spitzenamt der Vertretung aller evangelischen Christen vereinbar, so der ehemalige bayerische Ministerpräsident Beckstein (CSU), der 2009 Göring-
Eckardt bei der Wahl um das EKD-Spitzenamt unterlag. Beckstein verweist auf den CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, der sofort nach Übernahme des Parteiamtes 2009 den Sitz im Rat der EKD geräumt habe. Auch der Thüringer FDP-Generalsekretär Patrick Kurth merkte an, dass man nicht gleichzeitig Präses der EKD und Spitzenkandidat bei den Grünen sein könne. Die Kirche müsse aufpassen, nicht als grüner Wahlverein missbraucht zu werden, so Kurth.
Während Beck-stein und Kurth über die Zukunft reden, wenn Göring-Eckardt Spitzenkandidatin werden würde, was eher unwahrscheinlich ist, geht der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Arnold Vaatz, viel weiter: „Die evangelische Kirche ist nicht mehr neutral. Sie ist in ihren Führungsetagen längst ein rot-grünes Projekt.“
Doch was ist dran an diesem harten Urteil, das Vaatz gelassen ausspricht? Auf den ersten Blick scheint sich Vaatz Behauptung nicht zu bestätigen. In der sieben-köpfigen Synode ist kein anderer EKD-Vertreter bei den Grünen oder anderen linken Parteien engagiert. Von den 15 Mitgliedern des Rates ist auch nur Edeltraud Glänzer, Mitglied des Vorstandes der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, als politisch links stehend auszumachen. Unter www.evangelisch.de erfährt man allerdings, dass der Landesbischof von Sachsen und stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD, Jochen Bohl, in den frühen 90er Jahren stellvertretender Landesvorsitzender der saarländischen Grünen gewesen sein soll. Und Ellen Uberschär, Generalsekretärin des Kirchentages, ist bei der grünen Heinrich-Böll-Stiftung aktiv. Und der „Focus“ vermeldete, dass der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden, Hubertus Grass, zuvor in Sachsen Landesgeschäftsführer der Grünen war.
Doch ist es überhaupt notwendig, das Führungspersonal der EKD auf einen politisch linken Hintergrund zu durchleuchten, um zu erfassen, dass das, was die EKD macht, oft sehr stark an die Politik der Grünen erinnert? „Bischof Weber: Antisemitismus mit Zivilcourage entgegentreten“, „Interkulturelle Woche 2012 wird in Potsdam eröffnet ,Herzlich willkommen – wer immer Du bist‘“ und „Weltläden, Supermärkte und kirchliche Initiativen werben in den kommenden zwei Wochen für den fairen Handel“ lauten drei der vier aktuell angezeigten Meldungen auf der Internetseite der EKD. In der vierten wird angekündigt, dass eine Arbeitsgruppe aus Politikern und Bischöfen die Reformation unter dem Aspekt der Toleranz neu beleuchten wolle. Natürlich ist Nächstenliebe eine urchristliche Tugend, doch in Sprache und Art der Aufbereitung erinnern jene Meldungen sehr an grüne Politik. Bibelbezüge findet man nur in einigen Pressemitteilungen, die sich immerhin mit der Frage der Verantwortung für das Leben aus christlicher Sicht auseinandersetzen. Auch gab die EKD eine Studie zur Patentierbarkeit von Pflanzen und Tieren ihrer Kammer für nachhaltige Entwicklung heraus. Das sehr grün anmutende Thema wird aber immerhin so betrachtet, dass es zur EKD passt. Das Fazit lautet dann auch: „Zu fragen ist, wie Biopatente mit dem Schöpfungsauftrag zu vereinbaren sind, die Gaben der Schöpfung so zu bewahren und zu nutzen, dass sie allen zu Gute kommen.“ Trotzdem sorgen Grußbotschaften des Vorsitzenden der EKD, Präses Nikolaus Schneider, an die Muslime zum Ramadan oder der Aufruf der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, sich am Protest für einen generellen Abschiebestopp für Asylbewerber und die sofortige Schließung aller Lager in Deutschland einzusetzen, für einen komischen Beigeschmack. Auch Kampagnen wie „Klimawandel – Lebenswandel“ oder Broschüren mit Titeln wie „Gender Mainstream für die Zukunft der Kirche“ passen eher zu linken Parteien als in die klassische Vorstellung von Kirchenprogrammen. Ähnlichkeiten hingegen mit den im Bundestag vertretenen Parteien, die noch ein auf ihren christlichen Ursprung hinweisendes „C“ im Namen tragen, gibt es deutlich seltener. Gerade angesichts des Umstandes, dass viele Konservative beklagen, CDU und auch CSU seien im politischen Spektrum massiv nach links gerutscht, sagt dies viel über den politischen Standpunkt der einst konservativen EKD aus, die die Union offenbar noch links überholt hat.  
 Rebecca Bellano


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Kommentare

Friedemann Winter:
2.12.2012, 17:06 Uhr

Die EKirD sympathisiert doch schon lange mit SPD und Grünen, da nicht der Glaube an Gott gewollt ist, sondern die Bewahrung der Schöpfung. Verstehe dies wer will.


Marco S.:
27.09.2012, 10:41 Uhr

Ein evangelischer Pfarrer aus Jena beteiligt sich an linksautonomen Demonstrationen am Jahrestag der Bombardierung Dresdens und wird anschliessend vom Verfassungsschutz beobachtet. Die deutsche Familienministerin Schröder (CDU) spricht bei homosexuellen Lebensgemeinschaften von "erzkonservativen" Werten. Gute Nacht Deutschland!


Christopher R.:
24.09.2012, 11:59 Uhr

Wir leben eigentlich in einer Zeit, wo man Politik und Religion voneinander trennen sollte. Denn das eine hat doch mit dem anderen nichts mehr zu tun.


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