Lautlose Enteignung

Paradox: Trotz sprudelnder Leistungsbilanz schrumpft Vermögen der Deutschen

22.08.18
Griff in die Tasche: Mit realen Negativzinsen bedient sich der Staat beim Bürger Bild: Imago

Die Folgen der unanständigen Zinspolitik der EZB schlagen nun voll durch. Der Skandal erreicht die Brieftaschen.

Anfang der Woche wurden zwei Zahlen bekannt, die einander vollkommen zu widersprechen scheinen. In Wahrheit entlarven sie einen Skandal, der die Deutschen teuer zu stehen kommt.
Die erste Zahl: Deutschland wird im laufenden Jahr Weltmeister bei der Leistungsbilanz mit einem Plus von fast 300 Milliarden Euro. In der Leistungsbilanz sind der Saldo von Ex- und Importen von Waren und Dienstleistungen sowie im Zahlungsverkehr mit dem Ausland gebündelt.
Mit einem Plus von annähernd 300 Milliarden Euro müssten die Deutschen eigentlich im Geld schwimmen, müsste sich ihr Vermögen eigentlich fabelhaft entwickeln. Tut es aber nicht, wie die zweite, gerade veröffentlichte Zahl enthüllt: Erstmals seit Jahren schrumpft das Vermögen der Bundesbürger sogar statt zu wachsen.
Wie das? Ursache für diese paradoxe Entwicklung ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie hält die Zinsen bei nahe Null, was nach Abzug der jährlichen Geldentwertung (Inflation) einen Realwert von unter null ergibt. Mittlerweile geht über diesen „Negativzins“ mehr verloren, als durch andere Kapitalerträge wie Aktiendividenden ausgeglichen werden kann.
Der boomende Export läuft wiederum zum erheblichen Teil auf Pump. Das Geld für die Einfuhr deutscher Waren, die hauptsächlich in andere Euro-Länder gehen, leihen sich die Käufer. Am Ende steht eine Art Gutschrift, welche die Deutsche Bundesbank bei der EZB bekommt. Das Problem: Diese Gutschrift (Fachjargon: „Target 2“) wird so gut wie nicht verzinst, und es gibt für diese Ausleihungen auch keinerlei Sicherheiten.
Heißt: Nach Abzug der Inflation wird dieses Geld also Jahr für Jahr weniger wert, es schrumpft dahin. Faktisch schenken die Deutschen den Käufern ihrer Waren im Ausland Geld, mit dem diese die deutschen Produkte bezahlt haben.
So konnte es kommen, dass die Deutschen trotz astronomischer Einnahme-Überschüsse mit dem Ausland tatsächlich ärmer statt reicher werden. Hauptprofiteur sind neben Exportunternehmen bankrotte Euro-Staaten, etwa in Südeuropa, sowie ebenso faktisch insolvente Banken und Firmen. Sie können sich auf diese Weise billig Geld besorgen, das ihnen deutsche Sparer zur Verfügung stellen müssen.
Aber auch der deutsche Finanzminister schlägt Kapital aus dieser schrittweisen Enteignung. Private Renten- und Lebensversicherer sind es, die ihm Geld leihen. Wenn es jetzt heißt, „Deutschland“ spare Geld wegen des niedrigen Zinsniveaus, so bedeutet dies in Wahrheit: Die Politik nimmt den eigenen Bürgern viel Geld ab, ohne dass sie (unpopuläre) Steuererhöhungen durchsetzen müsste. Die Enteignung geschieht lautlos. Solange, wie die Deutschen sich diesen stillen Raubzug gefallen lassen.     Hans Heckel


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