Märkischer Arbeitsmarkt boomt

Brandenburger Unternehmen finden immer öfter nicht ausreichend viele geeignete Kräfte

21.10.18
Brandenburgs Wirtschaft wächst stärker als im Bundesschnitt: Facharbeiter in einer Frankiermaschinenfabrik in Wittenberge Bild: pa

Für Berlin und Brandenburg war über lange Zeit der Mangel an Arbeitsplätzen eines der größten Probleme. Mittlerweile ist die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand seit 1991 gesunken.  In den kommenden Jahren wird es immer öfter darum gehen, für  freie Stellen die geeigneten Bewerber zu finden.

Auch für 2019 sagen die Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit für Brandenburg voraus. Bei einem anhaltenden Wachstum der Wirtschaft um 1,7 Prozent können nach den Berechnungen des IAB im kommenden Jahr in der Mark Brandenburg 15300 neue Stellen entstehen. Dies entspräche einem Beschäftigungszuwachs von 1,8 Prozent.
Sieht man von Berlin ab, dann steht Brandenburg damit an der Spitze der östlichen Bundesländer. Das IAB erwartet mit Blick auf die deutsche Hauptstadt, dass es dort sogar zu einem Plus von drei Prozent bei den Arbeitsplätzen kommt.
Bereits seit mehreren Jahren liegt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von Berlin über dem Bundesschnitt. Erst vor Kurzem meldete das Landesamt für Statistik, dass Berlins Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent zugelegt habe. Deutschlandweit wurde ein Durchschnittswert von 1,9 Prozent ermittelt. Auch das Wachstum in Brandenburg übertrifft das der Bundesländer im Westen Deutschlands.
Beim Wirtschaftswachstum in der Region Berlin-Brandenburg spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Berlin ist eine stark wachsende Stadt. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Hauptstadt-Bewohner um mehr als 41000 auf über 3.7 Millionen Menschen gestiegen. Die Neu-Berliner benötigen Wohnungen, richten sich ein und kurbeln den Konsum an. Starken Anteil an dieser Entwicklung hatte in den vergangenen Jahren der Zuzug von außerhalb, nicht zuletzt durch die Massenimmigration über das Asylrecht.  
Dazu laufen aber inzwischen auch die IT- und Kreativwirtschaft sowie allgemein der Dienstleistungsbereich immer besser. Hinter London und Paris hat sich Berlin zu einer der wichtigsten Metropolen für Firmenneugründungen in diesem Sektor entwickelt. Laut Statistik wird an der Spree alle  20 Stunden ein neues großes IT-Unternehmen gegründet. Unter den tausenden Neugründungen der vergangenen Jahre befinden sich Unternehmen wie Zalando, Immobilienscout24 oder rebuy, die sich immer mehr zu Jobmaschinen entwickeln. Diese Entwick­lung strahlt mittlerweile immer stärker nach Brandenburg aus.
Die neu entstanden Arbeitsplätze in Berlin haben den Arbeitsmarkt im Land Brandenburg stark entlastet. Die Zahl der Brandenburger, die in Berlin arbeiten, ist im vergangenen Jahr auf 210000 gestiegen. Umgekehrt haben mittlerweile auch viele Berliner im prosperierenden Speckgürtel rund um die deutsche Hauptstadt einen Arbeitsplatz gefunden.
Die Dynamik in der Hauptstadtregion führt dazu, dass sich Brandenburgs Arbeitsmarkt regional immer stärker auseinander entwickelt: Der an Berlin angrenzende Landkreis Dahme-Spreewald ist mit einer Arbeitslosenquote von weniger als vier Prozent mittlerweile auf dem besten Wege zur Vollbeschäftigung. Die Uckermark hat dagegen noch immer mit einer Quote von mehr als zehn Prozent zu kämpfen.
Der Wirtschaftsaufschwung in Brandenburg stößt inzwischen aber auch immer stärker auf Hemmnisse: Überfüllte Bahnen und Staus auf den Straßen zeigen, dass die Politiker in Berlin und Potsdam den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur über Jahre verschlafen haben. Viele Pendler werden sich vermutlich noch bis Ende der 2020er Jahre gedulden müssen, bis bestehende Schienenwege und Straßen nachgebessert oder neu gebaut sind. Dabei bleibt abzuwarten, ob sich die Lage überhaupt deutlich verbessert. Skeptische Stimmen weisen darauf hin, dass die Pendlerzahlen weiter wachsen werden und daher die beschlossenen Verbesserungen den tatsächlichen Mehrbedarf kaum decken dürften.
Allein durch die demografische Entwicklung ist damit zu rechnen, dass auch der Fachkräftemangel weiter zunehmen wird: Die sogenannte Babyboomer-Generation wird ab dem kommenden Jahrzehnt in den Ruhestand gehen und auf dem Arbeitsmarkt fehlen. Schon jetzt haben kleine und mittelgroße Firmen in Brandenburg häufig Probleme, offene Stellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen.
Laut IAB finden unter Kleinstbetrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern mehr als die Hälfte (53 Prozent) nicht ausreichend qualifiziertes Personal. Ein Faktor ist dabei das Lohnniveau in Brandenburg. Im Jahr 2016 lag der durchschnittliche Monatsverdienst nur bei 81 Prozent des Westniveaus. Probleme gibt es allerdings auch bei der Ausbildung von Nachwuchs. Unternehmen in Brandenburg machen immer wieder die Erfahrung, dass es Schulabgängern an grundlegenden Fähigkeiten mangelt. Über dem bundesweiten Durchschnitt liegt zudem auch der Anteil der Schulabbrecher in Brandenburg.      Norman Hanert


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