Mehr Auswanderer als Rückkehrer

Trendwende im nördlichen Ostpreußen – Viele zieht es in die Bundesrepublik

27.03.19
Regionalregierung möchte ihre Zuwanderung begrenzen: Usbekinnen in Königsberg Bild: J.T.

Erstmals seit zehn Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die das nördliche Ostpreußen Richtung Westen verlassen, wieder erhöht. Gleichzeitig ist die Zahl der russischen Rückkehrer geschrumpft.

Erstmals seit zehn Jahren haben wieder mehr Menschen das Königsberger Gebiet verlassen, um ständig in der Bundesrepublik Deutschland zu leben, 2018 waren es 534 Auswanderer. Ins nördliche Ostpreußen kehrten hingegen nur 253 russische Staatsbürger zurück. 2017 war die Situation eine andere. Zum Vergleich: Damals reisten 253 Bürger aus dem Königsberger Gebiet in die Bundesrepublik aus und 265 kehrten zurück.
Soziologen vermuten, dass die Tendenz des Vorjahres auch in diesem Jahr anhalten wird. Dafür gibt es offensichtliche soziale und wirtschaftliche Gründe. Dazu trägt die Verringerung der Reallöhne der Bevölkerung seit einigen Jahren in Folge bei, was dazu führt, dass besonders qualifizierte Fachkräfte aus Königsberg abwandern, um ihr Glück in der Bundesrepublik zu suchen. Umso stärker zeigt sich dieser Trend, als in der Königsberger Exklave immer noch viele Russlanddeutsche leben, die Verwandte in der Bundesrepublik haben.
Die allgemeine Bevölkerungsstatistik sieht folgendermaßen aus: Am 1. Januar 2019 betrug die Zahl ständig im Königsberger Gebiet lebender Einwohner 1,2271 Millionen. Sie erhöhte sich damit in einem Jahr um 7672 Bürger. Es stieg auch die Zahl der natürlichen Todesfälle im Jahr 2018 im Vergleich zu 2017. Die Zahl der Todesfälle überstieg die der Geburten um das 1,2-fache. Dies wurde jedoch vollständig kompensiert durch den Zuzug von Immigranten in die Region.
2018 stieg die Zahl der zugereisten Immigranten um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Königsberger Gebiet als neuen Wohnort wählten vor allem Einwohner der ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Ukraine. Die Exklave „Kaliningradskaja oblast“ gehört nach wie vor zu den Regionen der Russischen Föderation mit dem höchsten Bevölkerungsaustausch mit anderen Regionen des Staates.
Vor einiger Zeit hatte Gouverneur Anton Alichanow erklärt, die Politik der Regionalregierung sei darauf fokussiert, die Einwanderung aus den zentralasiatischen Republiken zu begrenzen. Seine Begründung lautete:  „Wir haben Geld für das Umsiedlungsprogramm zugesagt, das heißt, um Arbeiter aus anderen Regionen Russlands anzuziehen. Wir brauchen keine Arbeiter aus Zentralasien. Diese würden wieder die Situation ungeklärter Arbeitsverträge haben, dass Steuern nicht gezahlt würden und vieles mehr. Und wie viele Zellen des Islamischen Staates, die auf dem Territorium Russlands verboten sind, sind hier entstanden? Unsere Politik zielt darauf ab, die Quoten zu senken und die Abhängigkeit von diesen Arbeitskräften zu reduzieren.“
2018 reduzierten die regionalen Behörden die Quoten für die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens um die Hälfte. Gleichzeitig haben aber Ausländer, die das Recht haben, ohne Visum nach Russland einzureisen – und das sind nur Bürger der ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens – Patente erworben, die ihnen die Selbstständigkeit in Russland ermöglichen. Dies bedeutet, dass sie der gesetzlichen Quote für ausländische Arbeitskräften in der Region nicht unterliegen.
Für das laufende Jahr plant die Regierung der Königsberger Exklave umgerechnet knapp fünf Millionen Euro Einnahmen durch die Einkommensteuer ein, die Arbeitsimmigranten abführen müssen. 2017 waren es etwa 4,3 Millionen Euro.
Etwa 90 Prozent der Arbeitsimmigranten, die ohne Visum nach Russland und somit auch ins Königsberger Gebiet einreisen können, sind Usbeken. Die anderen zehn Prozent sind ebenso Bürger mittelasiatischer Republiken, hauptsächlich aus Kirgistan und Tadschikistan. Über die Hälfte der Arbeitsimmigranten ist im Baugewerbe beschäftigt. Viele Familienangehörige üben völlig unterschiedliche Berufe aus, insbesondere sind sie im Einzelhandel aktiv vertreten.
Soziologen glauben, dass eine Integration von Menschen aus muslimischen Republiken möglich sei. Jedoch würden sie erst in der dritten Generation vollständige assimiliert sein. Bei der ersten Generation bleibe die Erinnerung an die Heimat, die kulturelle und Familienbindung  sehr stark erhalten. Die zweite Generation, ihre Kinder, würden schon im Einwanderungsland geboren. Sie seien in diese Umgebung eingetaucht, gingen zur Schule und hörten die russische Sprache. Diese zweite Generation sei in der Regel zu 80 Prozent angepasst. Die dritte Generation werde fast vollständig angepasst sein. Für die Integration und Eingliederung in die Gesellschaft seien mindestens 20 bis 30 Jahre vonnöten.    Jurij Tschernyschew


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