Meinungsfreiheit?

Wie Trump den Rubikon überschritt, wohin das Dritte Geschlecht verschwand, und wieso die Grünen so beliebt sind / Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel

09.03.19

Nun hat er den Rubikon endgültig überschritten. US-Präsident Donald Trump fordert „Meinungsfreiheit“ an den Universitäten seines Landes! Mehr noch: Er droht Hochschulen, welche diese Freiheit auf ihrem Gelände nicht sichern, mit dem Entzug von Bundesmitteln. Konkret beklagt der Präsident „repressive Sprachvorgaben, Zensur, politische Korrektheit“, welche die Meinungsfreiheit an vielen Unis beeinträchtigten.
Auf diese neueste Zumutung von Trump müssen wir reagieren und unser deutsches Paradies noch fester gegen solche Einflüsse verschließen. Sonst schwappt das irgendwann zu uns herüber. Denn gegen die Zuwanderung weiterer Millionen von Immigranten aus dem orientalisch-afrikanischen Raum haben wir natürlich nichts, ganz im Gegenteil. Nur der Zuwanderung gefährlicher Gedanken, der müssen wir Einhalt gebieten.
„Meinungsfreiheit“ bedeutet schließlich, dass ein jeder kritische Fragen stellen darf. Da könnten Widersprüche ans Licht gebracht werden, die wir aus gutem Grunde lieber unter dem Teppich halten. Beispiel: CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer wird gerade kielgeholt, weil sie einen Karnevalswitz über männliche „Sitzpinkler“ gemacht und dabei das Wort „Drittes Geschlecht“ in den Mund genommen hat.
Das Dritte Geschlecht umschreibt Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht eindeutig Mann oder Frau sind. Die hätte „AKK“ beleidigt. Hat sie zwar gar nicht, macht aber nichts. Die Rechte des Dritten Geschlechts sind gerade ein großes Thema, gerade bei Linksgrün. Diese Leute dürften nicht diskriminiert werden, denn deren Geschlecht habe den gleichen Rang wie männlich und weiblich.
Gleichzeitig hat Linksgrün gerade ein Gesetz eingebracht, wonach Kandidatenlisten zu Parlamentswahlen hälftig von Frauen und Männern zu besetzen sind. Und die vom Dritten Geschlecht? Die sollen sich gefälligst entscheiden, ob sie unter „Mann“ oder „Frau“ gelistet werden wollen. Auf diese Weise wird das Dritte Geschlecht praktisch wieder abgeschafft. Von den gleichen Leuten, die sich eben noch zu dessen Anwalt aufgeschwungen haben.
Wer diesen schreienden Widerspruch aufdecken will, dem darf man keine „freie Meinungsäußerung“ zugestehen. Den muss man niederbrüllen mit „Hass ist keine Meinung!“ oder so, sonst fliegt alles auf.
Überhaupt hatten wir doch gelernt, dass die Geschlechter bloß „soziale Konstrukte“ seien. Ob man Mann oder Frau oder sonst was wird, hänge allein von der Prägung und dem eigenen Willen ab. Kaum hatten wir das endlich geschluckt, entzückt uns Claudia Roth im Interview mit einer Hymne auf den „weiblichen Blick“ auf die Welt, der so ganz anders sei als der männliche − und selbstverständlich besser. Dabei spricht alles dafür, dass Roth die Eigenschaft Frau für durchaus angeboren hält. Wie passt das zusammen?
Den Gipfel linken Argumentationsgerümpels erklomm neulich eine Anti-AfD-Demonstrantin vor laufender Kamera in Münster. Die AfD ist ja gegen Ausländer und so und deshalb böse. Dann erzählt die Frau wutentbrannt von einem AfD-freundlichen Arbeitskollegen, der aus dem Ausland eingewandert sei, und dreht fast durch vor Empörung: „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber wenn Leute aus anderen Ländern hierhin kommen, die dann AfD wählen, das geht gar nicht! Der soll wieder in das entsprechende Land zurückgehen! Mehr sag’ ich dazu nicht!“
Muss sie auch nicht, ist ja alles klar und verständlich gewesen: Immigranten? Ja klar, je mehr, desto besser! Aber nur solche, die nach unserer ideologischen Pfeife tanzen. Alle anderen: raus!
Dies sind nur ein paar Beispiele aus der jüngsten Zeit, die erahnen lassen, was geschehen könnte, wenn man solche Widersprüche in aller Öffentlichkeit und ohne Gefahr ansprechen dürfte. Merken Sie nun, was der Trump mit seiner „freien Meinungsäußerung“ anzurichten gedenkt? Wir können nur hoffen, dass eine der vielen Kampagnen, die unausgesetzt gegen den Kerl im Weißen Haus angekurbelt werden, endlich zum Ziel führt und Trump entmachtet. Zu viele dieser Feldzüge sind bereits im Sande verlaufen, einer scheint sogar nach hinten losgegangen zu sein.
Es handelt sich um den Dauervorwurf, der US-Präsident verbreite „Fake News“ (Falschnachrichten), und mit ihm sowieso alle diejenigen, welche die Mainstreammedien skeptisch sehen. Wie die „Epochtimes“ berichtet, will die linke „Washington Post“ das Wort „Fake News“ nicht mehr  benutzen, auch bei CNN ist der Kampfbegriff in Verruf geraten.
Was ist passiert? Nun, die „Washington Post“ hat ernüchtert festgestellt, dass der Begriff im Grunde nur noch gegen linke Medien verwendet werde und nicht gegen jene Portale rechts der Mitte, gegen die man sich das Wort einst ausgedacht hatte. Ein Fiasko.
Und zwar eines, das wir genau beobachten sollten. Denn auch diese Gefahr droht zu uns überzuspringen. Von den orientalischen „Fachkräften“ über Claas Relotius bis zu den „Chemnitzer Hetzjagden“ hat sich ja schon einiges angesammelt an politisch korrektem „Fake“ hierzulande. Da wird der Begriff auch bei uns riskant.
Und jetzt? Sollen „Qualitätsmedien“ den Leuten etwa ab sofort die ungeschönte Wahrheit sagen, damit sie sich − Stichwort „Meinungsfreiheit“ − ihre Meinung selber bilden? Natürlich nicht. Das neulich hier diskutierten „Framing“-Handbuch der ARD lieferte zur rechten Zeit den geeigneten Ausweg: Wir berichten eigentlich gar nicht mehr im klassischen Sinne, sondern üben „moralischen“ Einfluss, lullen die Leute ein und stupsen sie ganz sachte in die richtige Richtung, ohne dass sie merken, was geschieht.
Das klappt nicht, das merken die Menschen? Unsinn, und wie das klappt. Das Allensbach-Institut hat herausgefunden, warum die Grünen so beliebt sind in den Umfragen. Ganz einfach, weil die grün dominierten „Qualitätsmedien“ die Partei in den allerhübschesten Farben präsentieren. Inhaltlich, so die Allensbach-Forscher, wüssten die Grünen-Anhänger nicht zu sagen, was ihnen an ihrer bevorzugten Partei eigentlich gefällt. Da kämen „lediglich sehr allgemein gehaltene Aussagen“, auf Deutsch: Blabla.
Vielmehr sei es die wohlwollende Berichterstattung in den Medien und die überdurchschnittlich hohe Präsenz in den Talk­shows, welche den Grünen so hohe Popularitätswerte einbringe. Da haben wir’s also: Inhalte, Informationen gar braucht’s gar nicht. Schöne Bilder, nette Konversation und positiv besetzte Attribute reichen völlig. Dann kommt die Zustimmung übers Unterbewusstsein.
Bei Aldous Huxleys Zukunftsroman „Schöne neue Welt“ werden die Menschen von Kindesbeinen an per „Flüstermaschine“ mit der richtigen „Haltung“ vollgepumpt. Das ist Fortschritt: Unsere Maschinen brauchen nicht mehr zu flüstern. Wir machen das heute laut und unverfroren.
Und zwar im Positiven wie im Negativen. So hätten wir am Sonnabend im Netzportal eines großen deutschen Nachrichtenmagazins aus München lesen können: „Orbán kündigt an, die Kritik an seinen Gegnern fortzusetzen.“ Das wäre die Nachricht gewesen. So stand es da aber nicht, stattdessen hieß die Überschrift: „Orbán spinnt neue Verschwörungstheorie und kündigt nächste Hetzkampagne an.“
Der Text darunter verläuft entsprechend und muss daher nicht weiter zitiert werden. Fest steht: Nach dieser Überschrift weiß jeder, was er von dem ungarischen Ministerpräsidenten zu halten hat, ohne auch nur ein einziges von dessen Argumenten gehört haben zu müssen. „Meinungsfreiheit“ ist da vollkommen überflüssig. Im Gegenteil: Sie kann großen Schaden anrichten. Was wäre wohl, wenn sich die vielen bewusstlosen Grünen-Anhänger sich eine eigene, womöglich sachlich begründete Meinung bildeten? Schrecklicher Gedanke.


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