Mit 44 Millionen Dollar im Gepäck

Burkina Faso: China dringt mit seiner Finanzkraft in die afrikanische Einflusszone Frankreichs vor

31.01.19
Am 4. Januar auf einer Pressekonferenz in Wagadugu: Die Außenminister Chinas und Burkina Fasos, Wang Yi und Alpha Barry (v.l.) Bild: Imago

Anfang dieses Jahres besuchte der chinesische Außenminister Wang Yi mit 44 Millionen US-Dollar für die regionale Eingreiftruppe G5 Sahel Joint Force im Gepäck Burkina Faso, nachdem das ehemalige Obervolta im Mai vergangenen Jahres überraschend die seit 1994 bestehenden diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen hatte.

 Auf den ersten Blick erschien dies lediglich als ein weiterer Erfolg der Scheckbuchdiplomatie Chinas und vorletzter Schritt zur vollständigen Verdrängung des von der Pekinger Führung als „abtrünnige Provinz“ betrachteten Inselstaates vom Schwarzen Kontinent. Zwar bestehen in Nigeria und Südafrika nach wie vor taiwanesische Vertretungen, aber nur noch das ehemalige Swasiland, anlässlich des 50. Jahrestages der Unabhängigkeit von Großbritannien im April letzten Jahres in „Eswatini“ umbenannt, hält Taipeh offiziell die Treue.
Doch ist der Schwenk auch das Ergebnis des von den Nachbarstaaten erfolgten Drucks auf den burkinischen Präsidenten Roch Marc Christian Kaboré. Der Tschad, Mali, Mauretanien und Niger, sprich die anderen Mitglieder der G5 Sahel, einer 2014 in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott gegründeten Institution zur Zusammenarbeit in Sicherheits- und Entwicklungsfragen in Westafrika, haben seit Längerem mit separatistischen Bestrebungen der auf ihre Staatsgebiete verteilten Tuaregs, islamischem Terrorismus sowie damit oft verknüpfter organisierter grenzübergreifender Kriminalität zu kämpfen. Burkina Faso blieb zunächst weitgehend davon verschont, doch seit dem Fall des langjährigen Machthabers Blaise Compaoré im Jahre 2014 war Wagadugu mehrmals Ziel größerer Angriffe durch Terroristen, die sich in Mali, Niger und auch im Norden des Landes eingenistet haben.
Die als Reaktion darauf 2017 in der malischen Hauptstadt Bamako ins Leben gerufene, von der Afrikanischen Union befürwortete und vom UN-Sicherheitsrat anerkannte 5000 Mann starke G5 Sahel Joint Force kam das erste Mal sechs Monate später zum Einsatz. Doch nicht nur mangelnde Ausbildung und bürokratische Hindernisse, sondern vor allem fehlende Geldmittel erwiesen sich als Hindernis – trotz der auf einer internationalen Konferenz in Brüssel im Februar 2018 zugesagten 440 Millionen Euro und Unterstützung der ehemaligen französischen Kolonialmacht, die seit 2014 von N’Djamena aus im Rahmen der Operation Barkhane mit 3000 eigenen Soldaten in der Region präsent ist.
Peking hatte unmissverständlich klargemacht, dass solange Burkina Faso Taiwan anerkenne, man G5 Sahel als Ganzes keinerlei finanzielle Hilfe zukommen lassen würde, sondern nur den anderen vier Mitgliedern. Inzwischen hat China sein Ziel erreicht. Seine in Aussicht gestellte wirtschaftliche Unterstützung wirkte für Burkina Faso umso attraktiver, als chinesische Hilfe in der Regel grundsätzlich an keinerlei Bedingungen geknüpft ist, was die Einleitung politischer Reformen oder die Einhaltung von Menschenrechten angeht.
Der Deal zwischen Peking und Wagadugu stärkt die Position der Volksrepublik in diesem Teil Afrikas, wo mit den seit 2003 genutzten tschadischen Ölreserven wichtige Rohstoffe locken.    
    Markus Matthes


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