Musik und Wohlbefinden

Ein Festival »Nach der Natur gemalt« – Kissinger Sommer präsentiert Musik des 18. Jahrhunderts

21.06.19
Sonderkonzert für ein ausgewähltes Publikum: Eine „Musikalische Schnitzeljagd“ beim Kissinger Sommer Bild: Julia Milberger

Unter dem Motto „1762 – Nach der Natur gemalt“ lenkt das Klassikfestival Kissinger Sommer mit 56 Veranstaltungen vom 14. Juni bis 14. Juli den Blick auf die Musik des 18. Jahrhunderts und die Beziehungen zwischen Musik und Na­tur.

Der Mensch und die Kunst galten im 18. Jahrhundert als Abbild der bewegten Natur. Die subjektiven Gefühle des Einzelnen fanden damals Eingang in die Musik. So entstanden am Vorabend der Französischen Revolution tonmalerische Opern, Arien und Sinfonien. Spätere Konzerttitel wie „Winterreise“ (Schubert) oder „Sommernächte“ (Berlioz) beweisen es: Viele von der Natur inspirierte Werke prägen den Kissinger Sommer, der in Deutschlands bekanntestem Kurort mit einem der weltweit besten historischen Konzertsäle stattfindet.
Die dichte Vernetzung von Künstlern und Inhalten kennzeichnet das dritte Festival unter der Intendanz von Tilman Schlömp. Mehr als zwei Drittel der Programme sind exklusiv für den Kissinger Sommer entstanden oder wurden in enger Ab­stimmung mit den Künstlern an das Festivalprogramm angepasst. Orchester wie die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen (sie ist Festivalorchester des Kissinger Sommers), die Tschechische Philharmonie oder die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks er­möglichten so die Entwicklung sehr individueller Programme.
Die Sopranistin Julia Leschnewa, der von der „New York Times“ eine „engelsgleiche“ Stimme be­scheinigt wurde, be­gleitet den Kissinger Sommer als Artist in Residence. Mit ihrem Repertoire vom Barock bis zur Romantik bringt die russische Sängerin das Motto „Nach der Natur gemalt“ in die historischen Konzertsäle. Mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi gestaltet Leschnewa das Ab­schlusskonzert, das in den Werken von Haydn, Mozart und Beethoven gleichsam einen Spiegel der Wiener Klassik darstellt. Neben einem Duo-Abend mit Michail Antonenko am Flügel und Orgelpositiv ist Leschnewa mit dem Kammerorchester La Voce Strumentale mit barocken Arien zu erleben.
Die Partnerschaft mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen als Festivalorchester umfasst neben ausgewählten Kammerkonzerten der Reihe „Kammerphilharmonie & friends“ drei große Orchesterkonzerte. Omer Meir Wellber als Gastdirigent eröffnet mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen das Festival, Paavo Järvi leitet neben dem Abschlusskonzert einen exklusiven Schumann-Abend mit dem Pianisten Daniil Trifonow.
Gleich drei Opern und eine Operngala mit den Bamberger Symphonikern präsentiert der Kissinger Sommer. Christoph Willibald Glucks 1762 uraufgeführte Oper „Orfeo ed Euridice“ („Orpheus und Eurydike“) ist das wohl bekannteste Werk des Komponisten und Startpunkt seiner Opernreform, die der Musik den unmittelbaren Gefühlsausdruck zurückgab. Der Kissinger Sommer hat den Komponisten Damian Scholl beauftragt, eine „Kissinger“ Fassung dieses Werkes zu erstellen und eigene Zwischenspiele zu komponieren, die den berühmten Orpheus-Mythos reflektieren. Der Abend mit der Mezzosopranistin Lena Belkina verbindet somit Tradition und Moderne.
Richard Wagners „Rheingold“ beginnt in einer mythischen Na­turwelt und illustriert die gestörte Beziehung des Menschen zu ihr. Für diese Oper holt der Kissinger Sommer die Produktion der Nordwestdeutschen Philharmonie am 23. Juni unter der Leitung von Frank Beermann in den Max-Littmann-Saal. Junge international erfolgreiche Sänger ge­stalten die konzertante Aufführung.
Noch einmal zurück in das 18. Jahrhundert blickt das „Zu­kunftslabor“, das wieder Schüler von Kissinger Schulen mit professionellen Akteuren zusammenbringt. Auf der Basis von Jean-Jacques Rousseaus Kurzoper „Le devin du village“ („Der Dorfwahrsager“) erarbeiten die Schüler mit Regisseur Till Kleine-Möller eine Musiktheater-Produktion, die an zwei Tagen im Kurtheater präsentiert wird. Die Accademia di Monaco unter der Leitung von Joachim Tschiedel und Vokalsolisten der Theaterakademie August Everding (München) sind Partner dieses Projektes.
In diesem Jahr umfasst der Kissinger Sommer 56 Veranstaltungen, von der großen Opernproduktion bis zur Musikalischen Schnitzeljagd für Familien mit Kindern. Dazu kommen drei Meisterkurse des französisch-zypriotischen Pianisten Cyprien Katsaris mit den Teilnehmern des Kissinger KlavierOlymps 2018. Auch diesmal wird ein Teil des Festivals von der „eigenen“ Künstlerfamilie gestaltet, wodurch teils sehr individuelle Programme möglich werden. Da­zu gehören unter anderem die Geigerin Patricia Kopatschinskaja, das Ensemble 2012 der Russisch-Deutschen MusikAkademie und das Ensemble Resonanz, der Pianist Igor Levit und das Netzwerk der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.
Die 2018 neu hinzugekommenen Spielstätten werden auch diesmal mit besonderen Programmen bedacht: Daniel Hope spielt mit seinem New Century Chamber Orchestra im Innenhof des sanierten Luitpoldbades, das finnische Vokalensemble Rajaton gastiert in Bad Neustadt, und das Kobra Ensemble aus Amsterdam entwickelt ein Programm rund um das Thema „Wasser“, mit dem der Kissinger Sommer im Schwimmbad KissSalis Therme
a-cappella-Kunst mit körperlichem Wohlbefinden verbindet.
Bereits eingeführte Formate wie Lounge, Jazz-Breakfast und literarische Konzerte bleiben bestehen. Das Kammerorchester Spira Mirabilis gestaltet den 22. Juni mit den drei Tageszeiten-Sinfonien von Joseph Haydn, im Wechsel mit Brunch und Kaffeetafel im Kurgarten Café. Der Tag klingt aus mit einem Spätkonzert des Vision String Quartet.
Die Kissinger LiederWerkstatt bleibt als traditioneller Ort der Moderne ein Experimentierfeld auf höchstem Niveau für das Festival. Nach zwei Jahren Pause ist erstmals wieder Opernkomponist Wolfgang Rihm mit einer Uraufführung dabei, die weiteren Komponisten sind Zeynep Gedizlioglu, Gerhard Rühm, Benjamin Scheuer, Steffen Schleiermacher und Manfred Trojahn. Im An­schluss an ausgewählte Konzerte bietet das Festival einen „Künstlertreff“ im Schmuckhof an. Hier gibt es die Gelegenheit, bei einem Glas Wein mit ausgewählten Künstlern über das Konzert zu sprechen.    Ophelias Culture/tws
Karten zu Preisen von zehn bis 95 Euro sind unter Telefon (0971) 8048444 (Montag bis Freitag von  8.30 bis 20 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 14 Uhr) sowie unter kissingen-ticket@badkissingen.de sowie www.kissingersommer.de erhältlich.


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