Nehmen, was man kriegen kann

Das US-Militär muss bei der Annahme von Bewerbern die Ansprüche gefährlich zurückschrauben

25.03.18

Nachdem dieser sowohl vom Senat als auch vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten verabschiedet worden war, hat US-Präsident Donald Trump den Haushalt für das laufende Jahr unterschrieben. Die auffälligste Position in dem Werk sind ohne Zweifel die Ausgaben für das Militär, die gegenüber dem Vorjahr um 15,5 Prozent ansteigen. „Unser Militär“, so der Präsident, „wird jetzt stärker als je zuvor. Wir lieben und brauchen unser Militär und haben ihm alles gegeben – und sogar noch mehr.“
Die USA stehen mit ihren Militärausgaben im internationalen Vergleich konkurrenzlos an der Spitze. Man muss die Aufwendungen der nächstfolgenden zwölf Staaten zusammennehmen, um auf die Summe der USA zu kommen, nämlich rund eine Billion US-Dollar. Demgegenüber beträgt der Verteidigungshaushalt des von den USA als aggressiv gescholtenen Russland lediglich vergleichsweise lächerliche 65 Milliarden Dollar.
Der Unterschied indes ist leicht zu erklären. Er liegt in der einfachen Tatsache, dass Krieg zu führen Geld kostet. Und die Amerikaner haben bis zum heutigen Tag seit 1945 rund 35 Militäreinsätze durchgeführt, teils mit ihren NATO-Verbündeten, teils ohne, teils mit UN-Mandat, teils ohne. Darunter fallen offene Kriege, Fälle subversiver militärischer Unterstützung von Rebellen bei Bürgerkriegen – wie in Venezuela – und Putschversuche ebenso wie Vergeltungsmaßnahmen bei obstinatem Widerstand von Ländern, die sich dem US-Machtanspruch nicht beugen wollen. Zum Teil dauern diese Kriege, so wie in Afghanistan, über Jahre an und überschneiden sich zeitlich fast ihre gesamte Dauer über mit anderen. Dass die USA nur einen Krieg führen, kommt gar nicht vor. Nicht mitgezählt sind die Drohnenkriege gegen mindestens ein halbes Dutzend von Ländern. In vielen Fällen ist es nicht das US-Militär, das Krieg führt, sondern die CIA mit Subversion und eigenen Kampftruppen. Während die CIA solche Unternehmen in großem Umfang aus illegalem Drogenhandel finanziert, ist das Militär auf den offiziellen Haushalt angewiesen.
Doch nicht nur Kriegshandlungen sind enorm teuer, sondern auch der Unterhalt von annähernd 1000 US-Militärbasen rund um dem Globus. Auch hier ein Vergleich mit dem beschworenen Feind: Russland verfügt über fünf Militärbasen außerhalb seines Landes.
Der ungeheure Aufwand, den die USA mit ihrem Militär betreiben, dient einem einzigen Zweck: Sie wollen die fast schon abgeschlossene Entwicklung zu einer multipolaren Weltordnung rückgängig machen und sich selbst als einzige bestimmende Macht etablieren – so wie das in den 90er Jahren in hohem Maße der Fall war. US-Verteidigungsminister James Mattis erklärte vor Kurzem: „Wir werden die Kampagne gegen Terroristen weiter verfolgen, aber der Wettbewerb der Großmächte – nicht der Terrorismus – ist jetzt der primäre Schwerpunkt der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika. Von nun an werden Russland und China die Hauptfeinde Amerikas sein, wobei Iran und Nordkorea als weitere Gegner hinzugezählt werden.“
Was Nordkorea angeht, so hat US-Präsident Trump dem Land offen mit Krieg gedroht, sollten „die Sanktionen nicht funktionieren“, wie er sagte. Dann käme die Phase zwei, eine „sehr raue Angelegenheit. Das könnte sehr, sehr bedauerlich für die Welt sein.“
Mit den zusätzlichen Milliarden für das US-Militär sollen Schiffe und Panzer angeschafft, neue Waffensysteme entwickelt und Munition aller Art gekauft werden. Eines allerdings ist mit mehr Geld nicht uneingeschränkt zu machen. Die Rekrutierung von zusätzlichen Soldaten stößt in den USA an eine unerwartete Grenze. Die Zahl der für den Militärdienst geeigneten Amerikaner nimmt immer mehr ab. Wie die renommierte und vielzitierte Zeitung „Politico“ schreibt, fällt von den jungen Amerikanern im Alter zwischen 17 und 24 Jahren fast ein Drittel wegen Fettleibigkeit, anderen Gesundheitsproblemen, mangelnder Ausbildung oder aber wegen einer kriminellen Vergangenheit aus. All diese sind nicht einmal für den US-Militärdienst tauglich.
Im Interview mit der Zeitung sagte der US-Generalleutnant a. D. Tom Spoehr: „Wir haben alle das Bild eines kräftigen amerikanischen Bürgers im Kopf, der zu allem fähig ist. Dieses Bild entspricht nicht mehr der Wirklichkeit.“ Die neue Militärplanung sieht einer Erhöhung der Mannschaftsstärke um 56000 Mann vor; das Pentagon aber hat Mühe, überhaupt die bisherige, niedrigere Planung zu erfüllen.
Das führt zu verzweifelten Maßnahmen. Weil durch Gesundheitsmängel, intellektueller Schwäche und wegen Kriminalität zu viele junge Leute nicht verwendbar sind, sieht man sich gezwungen, vermehrt auf Rekruten mit psychischen Störungen zurückzugreifen. Die bisher in diesem Bereich geltenden Ausnahmen vom Ausschluss wurden von den Streitkräften erweitert. Els­peth Ritchie, früher Chefpsychiaterin der US-Armee, erläutert: „Nun können auch Personen, die früher wegen solcher Diagnosen wie Neigung zur Selbstverstümmelung, manisch-depressiver Psychosen, Depression oder einer Suchterkrankung ausgeschlossen waren, als wehrdienstfähig in die amerikanischen Streitkräfte aufgenommen werden.“
Die USA befänden sich in einem Dauerkrieg, so die Seelenärztin. Deshalb werde der Mangel an neuen Soldaten zunehmend spürbar. So habe man aufgrund „schwieriger Zeiten“ die Entscheidung fällen müssen, auch psychisch Kranke aufzunehmen. Dass sich deren Zustand durch das Soldatendasein verschlechtert, hält Ritchie für wahrscheinlich; sicher ist für sie, dass man auf Schizophrene verzichten sollte.    Florian Stumfall


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