Nichts für E-Book-Freunde

08.08.18

Die Seiten sind so glatt, wie die Innenseite einer Muschel und der Leineneinband in Sandfarben fühlt sich an, als wäre man am Strand, und damit ist der Leser mitten in den Geschichten Siegfried Lenz‘, die Meike Stegkemper und Daniel Kampa zusammengestellt und nach dem Titel „Stimmungen der See“ aus dem Jahr 1957 benannt haben. Ohne Vorwort wird der Leser „ins Wasser geworfen“, in eine Geschichte aus dem Jahr 1952, in der ein Mann Tag für Tag auf einen Beweis wartet, dass seine Ehefrau wirklich verunglückt ist.
So wie das Meer, sind Lenz‘ Erzählungen hell und dunkel zugleich. Wie in „Das unterbrochene Schweigen“, das von zwei verfeindeten Familien erzählt, deren Feindschaft soweit zurückreicht, dass keiner die Ursache mehr weiß. Zwei Mitglieder helfen sich jedoch während eines Notfalls gegenseitig. Die aktuellste Erzählung stammt aus dem Jahr 2011 „Die Maske“, in der ein Container mit Masken, die für ein Museum verschifft wurden, am Strand liegt und die Bewohner mit diesen Masken eine jeweils neue Seite an sich und anderen erleben.
„Stimmungen der See“ erzählt von einer Flucht zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, doch trotz aller Anstrengung landen die Fliehenden wieder am Ausgangspunkt. „Das Boot war jetzt schneller als die Strömung, die sie hinausführte: treibender Tang, der sie begleitet hatte, blieb zurück, das Boot zitterte unter den kleinen Stößen des Windes, parierte sie, fing sie auf, indem es leicht krängte und sich schnell wieder zurück-legte.“
Alle Erzählungen sind erfüllt mit Maritimem und die ruhige Erzählart wird zu der stürmenden See gekonnt in Kontrast gesetzt. Eine gelungene Zusammenstellung, der jedoch ein Vor- oder Nachwort nicht geschadet hätte.    Ch. Rinser-Schrut

Siegfried Lenz „Stimmungen der See“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 2018, 200 Seiten, gebunden, 18 Euro


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