»Noch stärker in die Breite«

Supermarktketten hängen die Discounter in der Verbrauchergunst ab

30.04.19
Teilen den Markt unter sich auf: Supermarktketten und Discounter Bild: Ullstein

Jahrelang war von einem Siegeszug der Discounter die Rede. Mittlerweile hat sich das Blatt gewandelt: Die klassischen Supermärkte haben Rekordergebnisse erzielt – auch weil die Deutschen gerne konsumieren.

Ausschlaggebend dafür sind kräftige Lohnsteigerungen, weswegen sich Verbraucher in Deutschland beim Essen und Trinken immer öfter Luxus gönnen. Davon profitieren insbesondere Edeka, Rewe und Co. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stiegen die Umsätze der Supermarktketten 2018 doppelt so stark wie die der Discounter. „Die Verbraucher sind bereit, für Produkte mit hoher Qualität mehr Geld auszugeben. Das ist ein Trend, der den Supermärkten in die Karten spielt“, sagte GfK-Handelsexperte Robert Kecskes der Deutschen Presseagentur.
Wie aus der Studie hervorgeht, steht die Kölner Supermarktkette Rewe an der Spitze der Unternehmen, die ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent steigerten. Insgesamt wuchsen die Erlöse bei dem Mischkonzern, zu dem auch noch der Discounter Penny sowie eine osteuropäische Handelskette und ein Reiseunternehmen gehören, um 4,7 Prozent auf 61,2 Milliarden Euro. Das Geschäftsjahr 2018 sei eines der besten der Unternehmensgeschichte gewesen, erklärte der Vorstandsvorsitzende Lionel Souque.
Als Hauptgegner hat der Stratege längst die Discounter ausgemacht. „Wir verfolgen die Preise von Aldi und Lidl jeden Tag und passen unsere Preise entsprechend an“, sagte er auf der Jahres­pressekonferenz seines Unternehmens und kündigte an: „Wir werden keine Preisführerschaft von Aldi bei Markenartikeln zulassen.“ Und so trumpft Rewe mit dem größeren Sortiment auf. Bei Markenartikeln wie Coca Cola kann Rewe im Preiskrieg mit den Discountern locker bestehen, zudem bieten die großen Handelsketten eben auch Luxusgüter.
Dennoch glauben Experten, dass der Preiskrieg noch nicht entschieden ist. Aldi und Lidl investieren derzeit Milliarden, um ihre Läden attraktiver zu machen. Holzpaletten und Gabelstapler gehören der Vergangenheit an, stattdessen soll ein gediegenes Ambiente einen Hauch von Luxus vermitteln. „Discounter und Supermärkte nähern sich im Erscheinungsbild seit Jahren systematisch an“, erklärte der Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms gegen­über dem „Handelsblatt“. „Je ähnlicher beide Formate nach außen hin werden, desto mehr muss der Discount sich über den Preis differenzieren.“
Die klassischen Supermärkte versuchen, sich über das Sortiment zu profilieren. So finden sich in vielen Regalen mittlerweile hochwertige Eigenmarken im Bio-Bereich. Zudem werden moderne Lebensmittelkonzepte wie Ankerkraut, Little Lunch oder Just Spices verstärkt in das Sortiment aufgenommen. Damit will man vor allem die jüngeren Zielgruppen ansprechen. Die Strategie geht offenbar auf. „Derzeit, so scheint es, reiten die Supermärkte die größere Welle und sind immer schon einen Schritt voraus“, zitiert die Deutsche Presseagentur den GfK-Experten Kecskes. Und Rewe-Boss Souque legt noch einen drauf: „Mit Klopapier und Konserven können wir uns im harten Wettbewerb nicht profilieren.“ Seine Läden seien mittlerweile „Zentren, die zum Verweilen einladen. Eine eigene Gastronomie gibt es nur bei uns. Die Discounter können so etwas nicht“. Rewe will allein in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Euro in Deutschland investieren und mehrere hundert neue Läden eröffnen. Und Hauptkonkurrent Edeka kündigte unlängst an, „noch stärker in die Breite“ gehen zu wollen.    Peter Entinger


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