Nord Stream 2 ist die Nagelprobe

Zum Jahreswechsel haben die USA im Wirtschaftskrieg gegen Deutschland neue Geschütze aufgefahren

29.01.19
Nord Stream 2 ist den USA ein Dorn im Auge: Pipelinebau bei Anklam Bild: pa

Gleich zum Jahreswechsel gab es neue Angriffe seitens der USA in ihrem schon seit Jahren dauernden Wirtschaftskrieg gegen die deutsche Wirtschaft.

Der US-Botschafter in Berlin bedrohte die Firmen, welche die Nord-Stream-2-Ölleitung durch die Ostsee zwischen Deutschland und Russland bauen, mit Spezialsanktionen – und dies sogar schriftlich. Kurz vorher hatte der US-Senat die US-Regierung und die NATO dazu aufgerufen, die Nord-Stream-2-Ölleitung „mit allen Mitteln“ zu verhindern. Und der US-Präsident hatte schon Ende vergangenen Jahres mehrmals die Bundesregierung ultimativ aufgefordert, den Weiterbau der Nord-Stream-2-Ölleitung zu stoppen.
Der US-Präsident hat sich ebenso wenig wie sein Botschafter gescheut, die wahren Gründe für seinen Kampf gegen Nord Stream 2 darzulegen. Sie würde den Verkauf des um ein Drittel teureren US-Energieträgers nach Europa behindern.
Zwar hat die Bundesregierung auf diese Erpressung hin eine halbe Milliarde zur Verfügung gestellt, um den Flüssiggashandel mit Deutschland durch den Bau eines Terminals zur Abnahme von US-Flüssiggas zu ermöglichen, die Amerikaner wissen jedoch, dass sie preislich in Europa nicht konkurrenzfähig sind, und wollen deshalb mit Gewalt jede billigere Versorgung durch Russland verhindern.
Die Wirtschaftsschlacht um Nord Stream 2 ist der Höhepunkt eines schon länger geführten Wirtschaftskrieges zwischen den USA und Deutschland. Die USA sehen Deutschland als ökonomisches Rückgrat der EU und der Euro-Zone an, deren Wirtschaftskraft den Weltherrschaftsplänen der USA entgegensteht.
Basis der US-Maßnahmen ist das totale Ausspionieren Deutschlands. Das Recht dazu haben sich die US-Amerikaner erst durch das Besatzungsrecht und danach durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag gesichert. Die Snowden-Enthüllungen haben veröffentlicht, wie die US-Geheimdienste jede E-Mail, jeden Seitenaufruf im Internet und jedes Telefonat durch ihre in Deutschland installierten Spionageeinrichtungen abgreifen, speichern und von Spionageprogrammen automatisiert durchwühlen und auslesen lassen.
Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND ist zur Weiterleitung aller nachrichtendienstlichen Erkenntnisse und zur Weitergabe selbst personenbezogener Daten an die NSA verpflichtet. Alle auf Vorrat gespeicherten deutschen Daten werden durch Überwachungs- und Auswertungsprogramme wie PRISM, Geheimdienstoperationen zur Überwachung des weltweiten Telekommunikations- und Internet-Datenverkehrs wie Tempora und Spionagesoftware XKeyscore für die NSA durchforstet und von ihr mit der CIA und anderen Behörden gemeinsam weiterverwertet. Dann überlässt die NSA den US-Firmen die illegalen Daten, die für diese interessant sind, mobilisiert aber auch das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC immer dann, wenn irgendwo irgendeine Dollarzahlung ermittelt wurde, die „geeignet ist“, den deutschen Wettbewerb durch Milliardenstrafen auf dem Weltmarkt zu schädigen.
Gegen die Deutsche Bank wurden bisher Strafen in Höhe von zusammen zirka zwölf Milliarden US-Dollar verhängt, gegen Volkswagen in Höhe von mehr als zehn Milliarden und gegen die deutsche Gesamtwirtschaft in Höhe von über 30 Milliarden. Hinzu wurden überall, wo deutsche Patente und deutsche Know-how-Angebote den amerikanischen überlegen waren, diese den amerikanischen Konkurrenten eröffnet und ausländische Auftraggeber regierungsseitig dahin erpresst, ihren Auftrag an die US-Firmen zu erteilen. Edward Snowden hat dies ausführlich veröffentlicht.
Schon im Krieg Boeing gegen Airbus haben sich die deutsche Regierung und die EU-Funktionäre bei US-Erpressungen bemerkenswert zurückgehalten, statt zu protestieren oder die Erpressung zu veröffentlichen.
In der neuen Schlacht um Nord Stream 2 nun ist das Verhalten der europäischen Politik völlig unverständlich. Angela Merkel hat versucht, durch hohe Abstandszahlungen an die Ukraine und Polen für die Durchleitung russischen Öls den Widerstand zu vermindern – erfolglos.
Die Bundeskanzlerin hat zwar den von den USA verlangten Stopp nicht durchgeführt, aber eben auch nicht protestiert. Die Eurokraten wollen die Leitung auch nicht, weil Polen dagegen ist und die US-Hochfinanz die von ihr abhängigen EU-Politiker und Organisationen massiv dagegen bearbeitet.
Der Wirtschaftskrieg zwischen den USA und der EU wird in der Schlacht um Nord Stream 2 entschieden. Geben Europa und Deutschland den Erpressungen der USA nach, wird damit dokumentiert, dass es in Wirtschaftsfragen nicht mehr um deutsche oder europäische Interessen geht, sondern ausschließlich um US-Interessen, dass Europa also als Kolonie den USA gehorchen und sich ausbeuten lassen muss. Würde aber die Schlacht um Nord Stream 2 gewonnen, wäre mehr Unabhängigkeit für Europa von den USA gewonnen und langfristig wirksam.
Deshalb gehen nun die USA mit Spezialmaßnahmen vor. Sondersanktionen sollen die vertraglich zugesicherte Beteiligung eines holländischen Rohrlegerspezialschiffs verhindern, um damit Nord Stream 2 zu stoppen oder zu verzögern. Schon vorher waren allen Banken, die sich an Nord Stream beteiligen wollten, internationale Strafmaßnahmen angedroht worden. Das bedeutet Krieg aus allen Rohren, um russisches Gas in Europa zu verhindern und amerikanisches zu verkaufen.
Analysten halten es für wahrscheinlich, dass die USA gewinnen werden. Sie können zu ihrem Wirtschafskrieg die gesamten internationalen Organisationen wie IWF, Weltbank oder NATO mobilisieren, haben durch ihre Sanktionsdrohungen auch die Großkonzerne und Banken der Welt neutralisiert und können praktisch die ganze Welt bestrafen, weil US-Gerichte überall zuständig sind, wo eine Rechnung in Dollar bezahlt wurde oder wird.
Deutschland aber hat nicht einmal in Europa Helfer – vielmehr sogar noch Gegner wie Polen, das Baltikum, die Ukraine, Frankreich oder Großbritannien. Und die deutsche Regierung traut sich nicht, den US-Wirtschaftskrieg statt der „atlantischen Freundschaft“ zur Kenntnis zu nehmen und etwa mit einem Stopp des Rechts in Deutschland zu spionieren oder einem Verbot der Atomwaffenverlegung der USA nach Ramstein zu beantworten.    
    Eberhard Hamer


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Kommentare

Ansgar Grauwind:
15.02.2019, 11:48 Uhr

Herr Kerzel,

Deutschland muss sich politisch, militärisch und ökonomisch von den USA emanzipieren, weil die USA sich seit längerer Zeit in einem multidimensionalen (politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, gesundheitlich, demografisch ect.) und sich stetig vollziehenden Niedergangsprozess befinden!

Der Weltmachtstatus der USA ist im Wesentlichen abhängig von Saudi-Arabien (Petrodollar), das seinerseits neben dem Iran der schlimmste Schurkenstaat auf der Welt ist.


Jan Kerzel:
7.02.2019, 22:03 Uhr

Eine gute geschäftliche und politische Verbindung mit Russland ist wichtig. Aber die lange Vergangenheit zeigt faktisch, dass wir substantiell als Deutsche und als Deutschland von Russland nichts zu erwarten haben. Die USA waren und sind ein zuverlässiger Partner. Russland ist hier keine Alternative, das sind Träumereien und Phantasien. Die Hoffnung mit Russland im Rücken könnte man rotzfrech auftreten, ist eine Illusion. Man sollte also die Bedenken der Verbündeten ernst nehmen. Deutschland ist nur bedingt souverän, teils gezwungen, teils freiwillig, und das ist gut so. Alleine die Vorstellung, es wäre anders, kann einen um den Schlaf bringen, andere wahrscheinlich auch.


Dietmar Fürste:
29.01.2019, 10:14 Uhr

Persönliche Erinnerungen zum Artikel:

Es ist die Fortsetzung des "Unternehmen Patentraub", das im gleichnamigen Buch (Grabert Verlag) beschrieben wird:
"We take the brain" nannten die Amerikaner das in den Jahren nach 1945 und schafften alles, was sie an Konstruktionszeichnungen und Patentunterlagen, an Rezepturen und Laborverfahren in die Finger bekamen, nach Übersee.

Während später die Russen gleich ganze Kompanien von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern samt Familien umsiedelten und in den folgenden sieben Jahren für sich arbeiten ließen.

Es war unsere Ausplünderung auf den Gebieten Wissenschaft und Technik, die den Siegermächten den später entscheidenden Vorsprung auf diesen Gebieten verschaffte, und nicht deren höhere Kreativität.

Ich habe in den 60er Jahren sowohl Menschen kennengelernt, die nach 1945 in den USA als Kriegsgefangene arbeiten mußten, als auch andere, die z.B. in Thüringen, nach dem Abzug der Amis, von den Russen samt ihren Familienen abgeholt und zur Fortsetzung ihrer Arbeit als Entwickler und Konstrukteure in die UdSSR umgesiedelt wurden.

Nicht zu vergessen; all diejenigen Älteren (Männer), die die Russen nach 1945 und nach dem Abzug der Amis im damaligen Thüringen und Sachsen-Anhalt als "Nazis" verhaftet und nach Buchenwald deportiert und dort umgebracht hatten, denn die kamen nie wieder heim.

Das war die Zeit, als alle Haushalte ihre Radios, ihre Telefone und sonstige Hausgeräte-Technik abliefern mußten, die dann mit Mistgabeln in die Güterwagons zum Abtransport nach Russland verladen wurden.

Natürlich mit Dampflokomotiven, denn inzwischen wurden sämtliche Stahlmasten für die elektrischen Oberleitungen per Schneidbrenner in ca. 1 m Höhe abgeschnitten und weggeschafft, ebenso wie zwei von uns als "Funktürme" benannte Stahlkonstruktionen, die vom nahegelegenen zentralen Wehrmachts-Versorgungs-Flughafen Kölleda-Kibitzhöhe genutzt worden waren.

Damals habe ich Hunger kennengelernt, den sich heute niemand mehr vorstellen mag. Wir Kinder sind zur Erntezeit den Pferdefuhrwerken mit Zuckerrübem hinterhergerannt, und haben heruntergefallene Rüben geschnappt und - wie sie waren - gegessen.

Zum Ährenlesen im Herbst auf den Feldern eingeteilt durften wir einen kleinen Teil davon behalten und gegen Mehl aus der Getreidemühle im Ort tauschen, wofür wir beim Bäcker im Ort etwas Brot bekamen.

Wer solche Zeiten erlebt hat, versteht auch, welche Prioritäten solche Verhältnisse im menschlichen Verhalten hervorbrachten: "Erst kam das Fressen, und dann die Moral"!


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