Potsdam steigt rasant auf

Die alte Residenzstadt ist bereits einer der zehn teuersten Immobilienstandorte Deutschlands

01.08.18
Neubauten sollen sich am Grundriss, teilweise auch an der Fassadengestaltung des alten Potsdam orientieren: Die Fachhochschule aus DDR-Zeiten wird gerade abgerissen Bild: Hanert

Noch in den 90er Jahren schien es, als würde Brandenburgs Landeshauptstadt zu den Orten und Regionen in den östlichen Bundesländern gehören, aus denen die Menschen abwandern. Mittlerweile ist Potsdam ein Neubürger-Magnet und einer der teuersten Immobilienstandorte in Deutschland.

Wie aus einer Untersuchung des Berliner Forschungsinstituts Empirica zur Preisentwicklung bei neugebauten Eigentumswohnungen hervorgeht, ist Potsdam mittlerweile in die Liga der zehn teuersten Städte in Deutschland aufgerückt. Höhere Preise als in Potsdam wurden laut der Auswertung nur noch in München, Stuttgart, Frankfurt am Main, Erlangen, Freiburg, Ingolstadt und Berlin verlangt.
Im Schnitt waren in Potsdam beim Kauf neugebauter Eigentumswohnungen je Quadratmeter 4913 Euro fällig. Damit hat Brandenburgs Landeshauptstadt fast das Berliner Preisniveau von 4928 Euro je Quadratmeter erreicht. In Einzelfällen geht es in Potsdam sogar um Angebote mit Quadratmeterpreisen von mehr als 13000 Euro wie bei einer Villa am Tiefen See.
Auffällig ist auch, dass die Preise in Potsdam deutlich schneller als im bundesweiten Vergleich gestiegen sind. Laut dem Empirica-Immobilienpreisindex für das zweite Quartal 2018 haben die Kaufpreise bei Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um durchschnittlich 8,4 Prozent zugelegt. In Potsdam stiegen die Preise für neue Eigentumswohnungen innerhalb eines Jahres im Schnitt dagegen um satte 32,9 Prozent.
Empirica wertet für ihren Preisindex Immobilieninserate aus. Der Grundstücksmarktbericht für das Land Brandenburg wird wiederum auf der Basis von Daten angefertigt, die Notare über ihre Grundstücksgeschäfte melden. Auch der nun vorliegende Bericht für 2017 spiegelt zum Teil extrem starke Preissteigerungen wider. Demnach sind in Potsdam und im Umland Berlins die Baulandpreise im vergangenen Jahr regelrecht explodiert.
Im Schnitt verteuerte sich im Speck-gürtel um Berlin der Quadratmeter Bauland um 28 Prozent auf 172 Euro. Im übrigen Brandenburg stiegen die Baulandpreise im vergangenen Jahr im Schnitt um sechs Euro auf 49 Euro je Quadratmeter.
Auch die Durchschnittspreise für Einfamilienhäuser zogen weiter an: In Potsdam mussten Käufer für ein Einfamilienhaus im Schnitt 595000 Euro bezahlen. Noch teurer als Potsdam ist Kleinmachnow. In dem südöstlich von Berlin gleich hinter der Stadtgrenze gelegenen Ort waren für ein Einfamilienhaus im Schnitt 800000 Euro fällig. Im Durchschnitt stiegen in Brandenburg die Preise für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser erstmals über die Grenze von 200000 Euro.
Günstige Preise findet man in Brandenburg noch in Regionen, die etwa eine Bahnstunde von Berlin entfernt sind. So kosteten im Süden Brandenburgs, im Landkreis Elbe-Elster, Reihenhäuser nur 17100 Euro, Einfamilienhäuser werden für rund 48000 Euro angeboten, Bauland ist schon für neun Euro zu haben. Dieses Preisniveau ist Folge der demografischen Ent-
wicklung: Wegzug in die Hauptstadtregion, in andere Bundesländer und ins Ausland haben die Nachfrage sinken lassen.
Völlig anders ist das Bild in Potsdam. Ähnlich wie Berlin gewinnt die Stadt seit Jahren an Einwohnern hinzu. Im Jahr 1999 war die Bevölkerungszahl Potsdams auf knapp 129000 Einwohner abgesunken. Prognosen sehen die Stadt im Jahr 2035 mittlerweile bei einer Einwohnerzahl von gut 220000. Im Rathaus geht man davon aus, dass die Stadt unterm Strich bis 2035 jedes Jahr 2400 bis 3800 Menschen hinzugewinnt.
Die Verantwortlichen haben auf die Bevölkerungsentwicklung recht früh reagiert. Im Vergleich zu Berlin entstehen in Potsdam viele neue Wohnungen. Besuchern der Stadt fällt meist die Veränderung rund um die Potsdamer Nikolaikirche auf. Dort schreitet der Abriss einer alten Fachhochschule voran. Bis zum Oktober soll der Bau aus DDR-Zeiten verschwunden sein. Für die zweite Hälfte des kommenden Jahres ist der Start der Bebauung des Karrees mit Wohn- und Geschäftshäusern geplant.
Die Neubauten sollen sich am historischen Stadtgrundriss orientieren. Damit werden in einigen Jahren auch einige Straßenzüge wieder neu entstehen, die für Jahrzehnte aus dem Stadtbild verschwunden waren. Bei wichtigen Leitbauten des Areals ist zudem vorgesehen, auch die historischen Fassaden, so weit wie es geht, wieder erstehen zu lassen.
Etwas weniger im Blick stehen die Vorhaben in anderen Teilen der alten preußischen Residenzstadt. Zahlreiche Wohnungen wachsen in Babelsberg-Süd, auf dem Areal einer ehemaligen Kasernenanlage im Potsdamer Ortsteil Fahrland und in der Templiner und der Teltower Vorstadt.
Im Norden Potsdams entsteht auf dem Bornstedter Feld ein Wohngebiet, in dem in einigen Jahren 12000 Menschen leben werden. Selbst in Potsdams Nobelviertel, der Berliner Vorstadt, wird der Baubestand mittlerweile nachverdichtet, sodass auch hier neue Wohnungen hinzukommen.       
    Norman Hanert


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